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Nov
28

UEFA erwägt Aufstockung der Champions League auf 64 Teilnehmer – Geh nach Hause, Michel!

Laut einer Meldung der als seriös geltenden britischen Tageszeitung „The Independent“ möchte der europäische Fußballverband UEFA die Champions League von 32 auf 64 Starter erweitern. Das ist die blödeste Idee seit der Aufstockung der Europameisterschaft von 16 auf 24 Starter ab 2016! Wer hat das eigentlich nochmal entschieden…?

Über Michel Platini kann man viele Dinge mit Bestimmtheit sagen. Zum Beispiel, dass er Franzose ist. Oder dass er mal ein großartiger Fußballer war. Vor allem aber ist der UEFA-Präsident jemand, der viele Ideen zur Zukunft des Fußballs äußert. Manche, wie z.B. die Austragung der EURO 2020 in mehreren europäischen Metropolen, ist durchaus eine Überlegung wert. In aller Regel tritt der 57-Jährige aber dem Sport, für dessen Wohl er eigentlich sorgen soll, das Standbein weg. Sein neuestes Foul könnte eine Modifizierung der ohnehin schon verwässerten Champions League werden: Geht es nach Platini, könnten dort ab der Saison 2015/16 64 statt bislang 32 Mannschaften antreten. 16 Vierergruppen in der Vorrunde, das wird ein Spaß…

Everyone gets a trophy

Laut „The Independent“ dürften die großen Nationen dann bis zu sieben Teilnehmer in die Königsklasse entsenden, die diesen Namen nach einer solchen Reformen nicht mehr verdienen würde. Bereits mit der Maßnahme, mindestens fünf Meister aus kleineren Ligen fix in die 32er-Gruppenphase der aktuellen Champions League zu lassen, hat Platini eine Verwässerung erreicht. Wenn man ehrlich ist, macht Champions League gucken seit ein paar Jahren erst ab dem Viertelfinale so richtig Spaß. (Eine „Todesgruppe“, wie aktuell die Gruppe F mit Real Madrid, Manchester City, Ajax Amsterdam und Borussia Dortmund ist die Ausnahme von der Regel. Abgesehen davon dürfte der BVB im nächsten Jahr vermutlich nicht mehr in Topf vier landen).

Der Fußball steht vor dem Ermüdungsbruch

Sollte der Plan in die Tat umgesetzt werden, ginge die UEFA den verkehrtesten aller Wege: Qualität und Attraktivität würden weiter sinken, im Gegenzug würde die Belastung für die Spieler abermals ansteigen. Die Vereine wären quasi gezwungen, ihre Kader aufzublähen, um durch die lange Saison mit drei Wettbewerben plus Länderspielabstellungen zu kommen. Die durch die CL-Teilnahme generierten Einnahmen würden dann von den Personalkosten aufgefressen. Das einzige Plus gäbe es in der Kasse des Verbandes. Aber das ist scheinbar das einzige, was zählt.

Wie sagte Jürgen Klopp im Sommer über den UEFA-Präsidenten, der in den Achtzigern einer der besten Fußballer der Welt war? „Michel Platini hat, wenn man ihn so sieht, offenbar komplett vergessen, wie sich ein Körper anfühlt, wenn man Sport treibt.” Anders ausgedrückt: Weiter vom “realen“ Fußball kann man sich kaum noch entfernen, als Platini das in den letzten Jahren getan hat.

2 Kommentare

1 Ping

  1. hans_dampf sagt:

    erstmal danke für diesen wunderbaren kommentar lieber marco. stimme dir voll und ganz zu. ich bin für neue ideen ja auch offen, sofern sie sinnvoll sind, was ich von den vorhaben platinis nicht wirklich behaupten kann. warum haben diese leute an der spitze vieler verbände häufig derartig bescheidene ideen? egal ob platini oder blatter, welche guten neuerungen haben uns die beiden bisher für den fußball geschaffen, abgesehen von der vergabe der wm 2006 an deutschland (was ja auch keine neurung darstellt)?! :) die torschiedsrichter sind eben so eine sinnlose sache, da sie auch keine klarheit bringen, vielmehr sorgen sie nicht selten (durch ihre fehlentscheidungen) für diskussionen. warum werden nicht moderne hilfsmittel, wie der chip im ball, eingeführt? diese sache wurde meines wissens vorerst wieder auf eis gelegt (bitte korrigiere mich lieber marco, sollte ich mich täuschen).

    ein weiterer punkt ist die abseitsregel. hier würde ich mir wünschen, dass diese klar und eindeutig, d.h. ohne interpretationsspielraum, wäre.

    fazit für mich: egal ob platini, blatter, oder befürworter und „jasager“, wie zwanziger erweisen dem fußball keinen dienst, sondern schaden diesem wunderbaren spiel. das beispiel, mit dem sack und dem dazu gehörigen knüppel, trifft hier einfach wunderbar zu.

    p.s. bin mal gespannt wie sich der niersbach in den nächsten jahren so macht und welche abstrusen ideen er so an den start bringt.

    sorry nochmal, dass ich evtl. ein wenig vom thema abgekommen bin.

  2. Heibel sagt:

    Hallo Hans, danke für dein Feedback. In der Tat erweisen 99% aller Funktionäre dem Sport einen Bärendienst. Vor allem Platini und Blatter beweisen das immer wieder.

    Was die Torlinientechnologie angeht: Die FIFA (!) hat im Oktober Verträge mit zwei Systemherstellern geschlossen, die bei Torentscheidungen Klarheit bringen sollen: 1) der Chip im Ball, der über ein Magnetfeld misst, ob das Leder die Linie komplett überschritten hat. 2) das Hawk-Eye, eine Kameratechnik, die auch schon im Tennis eingesetzt wird, um zu entscheiden, ob ein Ball „out“ war.
    Beide Systeme werden erstmals bei der Klub-WM im Dezember getestet. Auch beim Confed Cup 2013 und bei der WM 2014 sollen die Systeme zum Einsatz kommen – sofern sie bis dahin keine Mucken machen.
    Theoretisch dürfte die Torlinientechnologie auch schon ab der kommenden Bundesliga-Saison eingesetzt werden. Die DFL will mit der Einführung aber mindestens bis 2014 warten.
    Die UEFA sperrt sich der Torlinientechnologie übrigens bislang völlig: Platini hält weiter stur an den Torrichtern fest, die bei der EURO ja so trefflich versagt haben beim Spiel Ukraine-England… In der Champions League und der Europa League werden also weiter fünf Herrschaften in Schwarz auf dem Rasen stehen…

  1. UEFA denkt an Abschaffung der Europa League sagt:

    […] Bayer 04 Leverkusen auf den drittplatzierten der Ukrainischen Liga Metalist Charkiw Die Begegnung UEFA erwägt Aufstockung der Champions League auf 64 Laut einer Meldung der britischen Tageszeitung The Independent möchte der europäische […]

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