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Jul
15

UEFA Youth League: UEFA’s next Schnapsidee

In der deutschen Öffentlichkeit ist es bislang ziemlich untergegangen: In Kürze startet ein weiterer UEFA-Klubwettbewerb. Analog zum Start der Champions-League-Gruppenphase der Senioren werden ab September auch die A-Jugend-Mannschaften dieser 32 Klubs unter dem offiziellen Namen „UEFA Youth League“ das beste Team Europas ausspielen.

Modus

Am 7. Dezember 2012, als die breite Öffentlichkeit in erster Linie auf die Vergabe der EM 2020 geschaut hat, verabschiedete die UEFA den neuen Wettbewerb, an dem sämtliche Klubs, die sich für die Gruppenphase der UEFA Champions League 2013/14 qualifizieren, mit ihren A-Jugendmannschaften teilnehmen müssen.

Die U-19-Teams von Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen wurden also für die Premiere schon „verhaftet“. Die A-Jugend von Schalke 04 muss abwarten, ob sich die eigene Profimannschaft im Playoff im August für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert.

Die Zusammensetzung der Gruppen in der UEFA Youth League richtet sich ebenfalls nach der Auslosung bei den „Großen“. Die 96 Spiele der Gruppenphase werden zwischen September und Dezember an den Spieldaten der UEFA Champions League oder zeitnah dazu ausgetragen. Wann immer möglich, sollen die Partien in Stadien in der Nähe des jeweiligen Champions-League-Spielorts stattfinden. Die acht Gruppenersten und -zweiten der Youth-League-Gruppenphase bestreiten dann ab Februar 2014 ihre K.O.-Phase in Einzelpartien ohne Rückspiel.

UEFA-Präsident Michel Platini ist selbstredend angetan vom neuen Wettbewerb, wie er in einer offiziellen UEFA-Erklärung verlauten ließ: „Wir denken, dass die UEFA Youth League ein attraktives Zusatzangebot für die Champions-League-Klubs darstellt. Wir haben damit eine Möglichkeit für Nachwuchsspieler geschaffen, auf internationalem Niveau Klubfußball unter Wettbewerbsbedingungen spielen zu können. Die Klubs werden profitieren, da sie so die Lücke zwischen ihren Juniorenteams und der ersten Mannschaft schließen können und ihrem Engagement für die Förderung des Jugendbereichs noch mehr Nachdruck verleihen können. Die Entscheidung beruht somit auf rein sportlichen Beweggründen.“

Wenig durchdachtes Konzept

Platini gewinnt dem Ganzen natürlich nur Positives ab. Doch man muss nicht besonders genau hinschauen, um auf eine ganze Reihe von Kritikpunkten zu stoßen:

  • Aufgrund von mindestens drei Reisen in einer Saison steigen die Belastungen und die Fehlzeiten der Spieler in Schule oder Ausbildung.
  • Zusätzliche Kosten und zusätzlicher logistischer Aufwand: Die Reisekosten für die Vereine nehmen zu, weil nun doppelt so viele Akteure quer durch Europa transportiert werden müssen.
  • Sportliche Ungerechtigkeit: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Schalke 04 mögen zwar derzeit die vier besten Profimannschaften in Deutschland stellen – die vier besten A-Jugendmannschaften stellen sie aber nicht. Will man jedoch eine „ehrliche“ Champions League der Altersklasse U-19 einführen, müssten die Besten an den Start gehen. In der Saison 2012/13 hätten sich demzufolge die vier Halbfinalisten der deutschen A-Jugend-Meisterschaft qualifiziert. Die hießen VfL Wolfsburg (Meister), Hansa Rostock (Vizemeister) sowie Bayern München und der FC Schalke 04. Im Ausland sieht es kaum anders aus. Damit ist dieser Wettbewerb ein Muster ohne Wert, weil der Sieger nicht zwangsläufig die beste Mannschaft des Kontinents ist.
  • Last but not least: Der Wettbewerb ist kaum als „Zusatzangebot“ im Platini’schen Sinne zu verstehen. Schließlich sind die CL-Teilnehmer verpflichtet, ihren Nachwuchs antreten zu lassen. Wer sich weigert, wird von der UEFA sanktioniert.

UEFA räumt ein: „Noch viel zu tun“

Dass der Wettbewerb ein ziemlicher Schuss aus der Hüfte ist, wurde mittlerweile sogar von einigen UEFA-Vertretern eingeräumt. So erklärte UEFA-Kommunikationschef David Farrel zuletzt, man arbeite zwei Monate vor dem Start in den Wettbewerb „noch an den letzten Details.“ So steht bis heute nicht fest, ob die Halbfinals und das Endspiel in einem Final-Four-Modus an einem Ort ausgespielt werden oder ob man das Endspiel abkoppelt.

Drastischere (und ehrlichere) Worte findet die Norwegerin Karen Espelund, Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees: „Das System ist noch nicht ganz ausgereift, es bleibt noch viel zu tun. Wir wissen, dass es eigentlich nicht korrekt ist, einfach die Nachwuchsteams der Top-Mannschaften zu nehmen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

1 Kommentar

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  1. hans_dampf sagt:

    danke für die info, davon hatte ich überhaupt nix mitbekommen. ich muss dir zustimmen, lieber marco. ich halte das auch für den größten schwachsinn!

    man darf auch nicht außer acht lassen, dass sich durch die zusätzlichen körperlichen belastungen der jungen spieler, auch das verletzungsrisiko erhöht.

    mal sehen, ab wann es die champions league bereits für die minikicker gibt. :)

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