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Apr
22

Uli Hoeneß: Vorbild a.D.

Seine sportlichen Leistungen sind unbestritten, seine karitative Ader inzwischen allseits bekannt. Doch mit dem „privaten“ Fall der Steuerhinterziehung hat Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß einen großen Teil seiner Glaubwürdigkeit als moralisches Vorbild, als das er sich gern stilisierte, eingebüßt. Sein Rücktritt dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

In Italien dürfte man sich verwundert die Augen reiben: Ein Vereinspräsident, der Steuern hinterzogen hat, na und? In einem Land, in dem man in Personalunion Ministerpräsident, Medienmogul, Kopf eines Renommierklubs und vieles mehr sein kann bzw. konnte, sind solche Delikte vielleicht ein Stück Alltäglichkeit. Nördlich der Alpen bringt ein solches Vergehen dagegen ein ganzes Land in Aufruhr.

Ausgerechnet Hoeneß, dessen Fähigkeiten als Macher über jeden Zweifel erhaben sind und über dessen menschliche Qualitäten mehr als eine Lobeshymne getätigt wurde. Hoeneß war allerdings auch immer jemand, der sich scheinbar von den anderen Reichen im Land absetzen wollte, der gerne anderen den Spiegel vorhielt.

Das gelang dem gebürtigen Schwaben so glaubhaft und perfekt, dass die Reaktionen auf seine Steuerhinterziehung in Millionenhöhe nun umso heftiger ausfallen. Ausgerechnet Hoeneß, für den Geld nach außen hin nie so wichtig war! Wieder einmal sieht man, dass auch die Vorbilder unserer Gesellschaft am Ende „nur“ Menschen sind.

Bemerkenswert im Fall Hoeneß ist allerdings die Frage, wie dieser Mann denn nun tickt. Ist er ein Gutmensch mit einer einzigen Schwäche? Oder hat er der Öffentlichkeit über Jahrzehnte etwas vorgespielt, das er – sobald die Kameras aus sind – nicht ist?

So oder so dürften die Tage von Uli Hoeneß als Bayern-Präsident bald gezählt sein. Auch wenn er sich noch kämpferisch gibt, wird der 61-Jährige nach insgesamt 42 Jahren im Verein bald seinen Hut nehmen. Denn nichts anderes würde Uli Hoeneß von einem anderen Vereinspräsidenten der Bundesliga erwarten, der sein Geld im Ausland „geparkt“ hat.

2 Kommentare

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  1. Christian sagt:

    …und so erhält Matthias Sammer unverhofft eine Daseinsberechtigung im Klub.

  2. zanezd sagt:

    „was das Geld angeht, muss man auch mal zufrieden sein.“

    so, oder so aehnlich sprach es Hoeness im Jahre 2001. Wie sich die Zeiten doch aendern …

    Der selbsternannte Moralapostel und Kaempfer fuer den sozialen Kapitalismus in Deutschland ist also doch nicht so ein Saubermann, wie es schien.

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