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Jan
16

Vier Brennpunkte zum Bundesliga-Rückrundenstart

Die Fußball-Bundesliga startet am Freitag mit dem Topspiel TSG Hoffenheim gegen Meister Bayern München in die Rückrunde. Aktives Abseits blickt auf die Brennpunkte in der Liga – dabei geht es um mehr als „nur“ um die Meisterfrage.

Fängt Bayern noch den BVB ab?

Ohne Frage war die Hinrunde von Borussia Dortmund beeindruckend. Toller Offensivfußball, starke 42 Punkte, Herbstmeister. Aber: Die Mannschaft von Lucien Favre geht trotz dieser beachtlichen Vorstellung nur mit sechs Punkten Vorsprung auf Rekordmeister Bayern München in die Rückrunde. Wer die bisherige Performance des Titelverteidigers aus dem Süden verfolgt hat, der muss diesen Umstand aus Sicht der Mannschaft von Niko Kovac als großen Erfolg werten. Nicht auszudenken, wenn der FC Bayern bis zum Mai seinen berüchtigten Rhythmus findet, der dem Klub in den letzten sechs Spielzeiten den Titel eingebracht hat…

Dortmund um seine Offensivstars Marco Reus, Überflieger Jadon Sancho und Superjoker Paco Alcacer wird nicht nachlassen dürfen, will man sich den neunten Titel sichern. Die Bayern haben den Umbruch zwar eindeutig verpasst, doch die Tempodefizite im defensiven Umschaltspiel und das zu lange Festhalten an den Offensivgrößen Franck Ribery und Arjen Robben dürfte sich in erster Linie international rächen – im Champions-League-Achtelfinale wartet die Power-Maschine FC Liverpool – als in der Bundesliga. Mit individueller Klasse und Erfahrung gehen die Bayern in so ziemlich jedes Ligaspiel als klarer Favorit.

Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Dortmund und Bayern. Borussia Mönchengladbach auf Rang drei liegt bereits neun Punkte hinter der Spitze, zudem sind die Fohlen auswärts zu unkonstant (nur zwei Siege aus neun Spielen).

Packt Peter Bosz es im zweiten Anlauf?

Man kann Bayer Leverkusen nicht nachsagen, vor riskanten Entscheidungen zurückzuschrecken. Da entließ die Werkself am Tag vor Heiligabend Trainer Heiko Herrlich nach zwei Siegen in Folge – und verpflichtete in Peter Bosz einen Mann als Nachfolger, der bei Borussia Dortmund in der Vorsaison nicht einmal eine Halbserie „überlebte“.

Der Niederländer Bosz war 2017 mit Ajax Amsterdam bis ins Finale der Europa League gestürmt und weckte so Begehrlichkeiten in halb Europa. Der BVB griff im Sommer 2017 entschlossener zu als Bayer, das nun nachfasste. Ein Schritt, der überrascht. Zwar passt die offensiv ausgerichtete Leitlinie von Bosz zur hochveranlagten Bayer-Offensive mit Kai Havertz, Julian Brandt, Leon Bailey oder Kevin Volland, doch der ehemalige Rostocker Bundesliga-Profi wird beweisen müssen, dass sein System bei allem Drang zum Tor auch eine Absicherung beinhaltet. In Dortmund war der Bosz-Fußball schon nach einem Dutzend Pflichtspiele dechiffriert, das Rezept einfach: Vertikale Bälle hinter die stets weit aufgerückte Abwehr spielen – und ab dafür.

Bosz‘ Zielvorgabe ist das Erreichen des Europapokals. Dieser ist trotz der schwankenden Hinrundenleistungen nur drei Punkte entfernt. Angesichts der Qualität des Kaders MUSS Bayer das schaffen – ansonsten könnte für Bosz auch am Rhein die Luft am Ende der Halbserie schon wieder dünn werden.

Kommt Schalke noch nach oben?

Ohne Wenn und Aber war Schalke 04 der große Verlierer der Hinrunde. Platz 13 nach 17 Spieltagen, die Abstiegszone ist sehr viel näher als die Europapokalplätze, auf denen sich der Vizemeister nach eigenem Verständnis sieht.

Doch was 2017/18 unter dem schnell zum Supertrainer erhobenen Domenico Tedesco noch alles klappte, ging in der Hinrunde in schöner Regelmäßigkeit gründlich daneben. Fünf Niederlagen zum Start hingen den Spielern in den Kleidern, enge Spiele wurden auf einmal nicht mehr gewonnen. Hinzu kamen massive Verletzungsprobleme gerade in der Offensive und eine offensichtlich verfehlte Transferpolitik.

Die einst für ihre Eigengewächse bekannten Schalker produzieren keine eigenen Stars mehr, stattdessen kaufte Sportvorstand Christian Heidel (zu) viel Mittelklasse. Der Verkauf von Derby-Held und Publikumsliebling Naldo in der Winterpause hinterließ ebenfalls einen faden Beigeschmack. Die Stimmung ist so schlecht wie lange nicht mehr. Schalke liegt neun Punkte hinter den Europapokalplätzen – das entspricht der Hälfte der Ausbete aus der Hinrunde. Das aufzuholen, erscheint überaus schwierig.

Kommen Nürnberg und Hannover noch unten raus?

Aus eigener Kraft: eher nicht. Vor allem Nürnberg sieht schon seit dem Herbst aus wie ein designierter Absteiger. Ein ratloser Trainer und ein limitierter Kader ergeben in Kombination für gewöhnlich keine Mannschaft, die ein Feld von hinten aufrollen kann.

Hannover hat im Winter zwar durch die Leihen von Nicolai Müller und Kevin Akpoguma nachgelegt, doch dem Kader fehlt es schlicht an Klasse. Diese wurde im Sommer ohne große Not verkauft. Wenig hilfreich sind weiterhin die zahlreichen Spannungsfelder: Ultras gegen Klubboss Kind, Kind gegen Trainer Andre Breitenreiter und den überfordert scheinenden Manager Horst Heldt.

Doch wer weiß, ob nicht bei Fortuna Düsseldorf durch das Hickhack um die Vertragsverlängerung mit Trainer Friedhelm Funkel in der vergangenen Woche ohne jede Not der Selbstzerstörungsknopf gedrückt wurde. Zwischen den beliebten Coach, Fans und Mannschaft passt kein Blatt. Dafür aber ist ein tiefer Graben zum Vorstand entstanden, der wohl eher widerwillig auf den nun gefühlt unkündbaren Funkel zubewegt hat.

Nur zur Erinnerung: Auch in der Saison 2012/13 lag Fortuna zur Winterpause klar auf Kurs Klassenerhalt. Was folgte, war ein Negativlauf sondergleichen. Der Abstieg, wenn auch erst am letzten Spieltag, erfolgte auf Ansage.

2 Kommentare

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  1. Melanie von Tauro sagt:

    Genau das sind die vier Punkte, die auch mich beschäftigen.
    Am interessantesten finde ich hier die Trainerverpflichtung von Leverkusen. Das erste Spiel von Peter Bosz hat gezeigt, dass er an seiner grundsätzlichen Idee nichts geändert hat. Allerdings zeigte sich auch hier wieder, dass das System defensiv zu anfällig ist. Besonders bei Gladbachs Treffer war der Raum vor der Leverkusener Viererkette doch sehr groß.
    Ansonsten sehe ich den BVB im Moment (noch) leicht favorisiert in der Meisterfrage.
    Hannover sehe ich als sicher abgestiegen, wenn sie sich jetzt von Breitenreiter trennen.

  2. sassie sagt:

    Der Kampf um Platz 1 geht in die nächste Runde. Bayern und BVB gewinnen…endlich mal wieder richtige Spannung wenn es um die Meisterschaft geht.

    Immer weiter so…

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