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Aug
15

Vier Gründe, sich auf die Bundesliga 2019/20 zu freuen

Meister Bayern München eröffnet am Freitag die neue Bundesliga-Saison – und wieder wird es ein Durchmarsch zum Titel? Eher nicht! Das ist nur einer von mindestens vier Gründen, sich auf die Saison 2019/20 zu freuen.

1. Der FC Bayern sucht sein Mia san Mia

Seit 2012/13 heißt der Meister am Ende einer Bundesliga-Saison immer Bayern München. Man hat sich dran gewöhnt, Zweitklässler in Deutschland haben gar nie einen anderen Titelträger erlebt (!). Wenn man etwas zu nörgeln haben wollte, war die Dominanz des FC Bayern gewissermaßen die legitimierende Steilvorlage zur Fußballverdrossenheit.

Doch diese Dominanz bröckelt, und zwar in gewaltigen Stücken. Auf dem Transfermarkt geben die Münchner in diesem Sommer eine miserable Figur ab – oder sie haben Pech, wie bei der Kreuzbandverletzung von Wunschspieler Leroy Sané. Wirklich sexy war der FC Bayern zuletzt 2013, als man Champions-League-Sieger war und der beinahe vergötterte Starcoach Pep Guardiola das Sagen hatte. Mittlerweile sind die Roten international nur noch zweite Wahl.

National reichte das in der Vergangenheit, doch bereits in der abgelaufenen Saison wäre der FCB zu packen gewesen. Der erst am letzten Spieltag knapp unterlegene Vizemeister Borussia Dortmund hat dazu gelernt und sich gut verstärkt.

Hinzu kommt, dass Trainer Niko Kovac trotz des Doubles in seiner ersten Bayern-Saison bei Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge einen äußerst schweren Stand hat. Wenn sich Aufsichtsratschef Uli Hoeneß im Spätherbst wie erwartet zurückzieht, darf sich Kovac wohl keine Krise mehr erlauben.

Aktives-Abseits-Prognose: Bayern wird entthront, Meister wird der BVB.

2. Nagelsmann macht Leipzig spannend

Aktuell war bei RB Leipzig zuletzt nur noch die Entrüstung anderer Fanlager und Vereine über das Red-Bull-eigene Marketingkonzept mit kickenden PR-Mitarbeitern. Platz drei zum Trotz, waren die Sachsen aber bei Weitem nicht mehr so spannend wie in ihrer aufsehenerregenden Bundesliga-Debütsaison 2016/17.

Das ändert sich mit Julian Nagelsmann. Der 32-Jährige hat sich bei der TSG Hoffenheim den Ruf des deutschen Guardiola erarbeitet. Super Typ, überragende Fußballkenntnis, und als Sahnehäubchen kann er seine Ideen auch noch an den Spieler bringen.

Leipzig ist für Nagelsmann – rein sportlich gesehen – ein sehr guter Zwischenschritt. In der Messestadt muss der junge Coach keine Titel gewinnen, man muss es ihm aber zutrauen. Absolute Top-Klubs oder die Nationalmannschaft wären der nächste logische Step.

Aktives-Abseits-Prognose: Nagelsmann macht Leipzig über Jahre besser. Vielleicht sogar titelreif.

3. Schafft Wagner Schalke – oder Schalke ihn?

Der Trauzeuge und beste Kumpel von Jürgen Klopp war einer der heißesten Trainer auf dem Markt. Mit Huddersfield Town schrieb Wagner in England über zwei Jahre lang ein Fußballmärchen. Auf Schalke muss der frühere S04-Stürmer und Eurofighter beweisen, was wirklich in ihm steckt. Hier darf er nicht etwas erreichen, er ist dazu gezwungen.

Dabei stecken die Königsblauen in einer schwierigen Phase. Die Vorsaison war sportlich ein Albtraum. Die ohnehin miese Außendarstellung der letzten Monate wurde im negativen Sinne gekrönt von der rassistischen Entgleisung von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sowie des Umgangs des Schalker Ehrenrates mit dieser unsäglichen Affäre.

Wagner muss in dieser schwierigen Gemengelage nicht gleich in den Europapokal. Er muss aber den charakterlich schwierigen Kader auf Linie bringen, um das aufgewühlte Umfeld zu befrieden.

Aktives-Abseits-Prognose: Rudi Assauer (Gott habe ihn selig) suggerierte es bereits in seinem Bonmot. Niemand schafft Schalke, auch David Wagner wird auf ureigene königsblaue Weise langsam aber sicher zermürbt.

4. Neu und sexy: Effzeh, SCP und Union

Der 1. FC Köln ist zum sechsten Mal zurück in der Bundesliga – und mit vier „Felgen“ nun gemeinsam mit dem SC Freiburg gewissermaßen Rekord-Zweitligameister. Der SC Paderborn hat es als Ligenhopper nach dem Bundesliga-Intermezzo 2014/15 und dem Beinahme-Regionalliga-Abstieg 2016/17 wieder nach ganz oben geschafft. Union Berlin ist dort zum ersten Mal überhaupt. Alle drei Aufsteiger sind auf ihre Weise hochspannend, doch vermutlich wird es zwei von ihnen gleich wieder erwischen.

Union hat sich erstaunlich prominent verstärkt (u.a. Christian Gentner, Neven Subotic, Anthony Ujah), hat aber immer noch wenig Erstliga-Erfahrung in seinem XXL-Kader, der drei komplette Mannschaften aufbieten könnte. Für den etwas anderen Verein aus Köpenick wird die 1. Liga auch ein Kampf um die eigene Identität.

Paderborn ist mit No-Name-Spielern und bedingungslos offensivem Fußball zweimal in Folge aufgestiegen. Genau diesen Stil will Erfolgstrainer Steffen Baumgart auch im Oberhaus pflegen. Anzunehmen ist, dass der SCP damit an den ersten Spieltagen untergeht und irgendwann die Schleusen schließen wird. Sportlich zu retten ist der Nobody wohl kaum.

Der FC hat unter dem Aufsteiger-Trio die größte Tradition, versprüht den meisten Glanz und hat noch dazu eine für Aufsteiger-Verhältnisse gut besetzte Mannschaft. Eigentlich sollte die Mannschaft des neuen Trainers Achim Beierlorzer beste Chancen auf den Klassenerhalt haben. Das Auftaktprogramm hat es aber in sich. An den ersten fünf Spieltagen geht es gegen vier Europapokalteilnehmer, darunter Serienmeister Bayern und Vize Borussia Dortmund. Man muss also fast davon ausgehen, dass der FC sich schnell unten in der Tabelle einfindet – so wie 2017/18, als sich eine Negativspirale in Gang setzte, aus der es kein Entrinnen mehr gab.

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