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Feb
04

Ronaldo, Pelé und Platini – Beinahe-Transfers der Bundesliga

In meinem gestrigen Blog habe ich über drei Stars geschrieben, die dem 1.FC Köln gut getan hätten – wenn der Verein denn zugegriffen hätte. Grämen bringt in solchen Fällen nicht viel. Manchmal bleibt einem aber immerhin noch ein wenig Schadenfreude, denn auch andere Bundesligisten waren schon einmal an Spielern dran, die danach ganz groß Karriere gemacht haben.

Petr Cech zu Werder Bremen
Der Welttorhüter des Jahres 2005 und heutige Keeper des FC Chelsea spielte im Frühjahr 2001 in Bremen vor. Das 18-jährige Torwarttalent wusste durchaus zu überzeugen. Werder sah trotzdem von einer Verpflichtung ab, weil Cechs Arbeitgeber Chmel Blsany 1 Million Mark Ablöse forderte. Cech wechselte daraufhin für die besagte Summe zu Sparta Prag, von dort 2002 dann schon für 5 Millionen Euro zu Stade Rennes. Weitere zwei Jahre später waren seine Dienste dem FC Chelsea sogar 13 Millionen Euro wert. Werder bekam übrigens 2002 nach dem Wechsel von Frank Rost zu Schalke ein Torwartproblem, weil dessen Nachfolger Pascal Borel und Jakub Wierzchowski nicht gerade die beste Figur abgaben…

Michael Ballack zu Werder Bremen
Mitte der Neunziger Jahre hatte Werders damaliger Nachwuchs-Manager Rolf Behrens ein Auge auf den „Capitano“ geworfen, der damals noch in Chemnitz spielte. Der Wechsel scheiterte an den Gehaltsvorstellungen von Vater Ballack. Der forderte 200.000 Mark pro Jahr für seinen Filius, Werder wollte nur 180.000 zahlen. Ballack wechselte schließlich nach Kaiserslautern, wo man ihm die geforderte Summe zahlte, und von dort nach Leverkusen, München, London und zurück nach Leverkusen.

Andrej Shevchenko zu Werder Bremen
Im Jahr 1997 reisten Werder-Manager Willi Lemke und Trainer Wolfgang Sidka nach Kiew, um dort Verhandlungen mit Wunschspieler Juri Maximow zu führen. Dessen Club Dynamo Kiew wollte den Bremern eigentlich lieber den jungen Angreifer Andrej Shevchenko „andrehen“. Die Werder-Vertretung blieb aber hart und holte nur Maximow, der sich als ziemlicher Flop erweisen sollte. Shevchenko machte dagegen eine Weltkarriere.

Edin Dzeko zu Eintracht Frankfurt
Im Jahr 2007 bot ein Spielervermittler der Frankfurter Eintracht einen talentierten Stürmer an. 21 Jahre jung, Torschützenkönig der tschechischen Liga, Kostenpunkt rund vier Millionen Euro. Name: Edin Dzeko. Die Eintracht winkte ab, Dzeko wechselte schließlich nach Wolfsburg, schoss dort in dreieinhalb Jahren 66 Bundesliga-Tore und wurde vor wenigen Wochen für 37 Millionen Euro an Manchester City weiterverkauft. Ein halbes Jahr später holte die Eintracht im Übrigen Martin Fenin. Der war ähnlich jung wie Dzeko, kam ebenfalls aus der tschechischen Liga (war sogar Dzekos Teamkollege beim FK Teplice) und kostete ähnlich viel Geld (3,5 Millionen Euro). Seine Bilanz: 13 Bundesligatore in drei Jahren.

Edin Dzeko zu Energie Cottbus
Ein Jahr vor dem gescheiterten Wechsel nach Frankfurt war Edin Dzeko übrigens schon bei Energie Cottbus auf dem Zettel. Natürlich, möchte man fast sagen, war Cottbus doch damals so etwas wie das Sprungbrett für Spieler aus Osteuropa.

Michel Platini zum 1. FC Saarbrücken
Mitte der 1970er spielte der blutjunge Michel Platini beim damaligen Bundesligisten 1. FC Saarbrücken vor. Er war jedoch für den Geschmack von Trainer Slobodan Cendic zu schmächtig und wurde wieder nach Hause geschickt. Später entwickelte sich Platini zu einem der torgefährlichsten Mittelfeldspieler aller Zeiten, wurde dreimal zu Europas Fußballer des Jahres gewählt – ein großer Spieler also. Seine Tauglichkeit als Funktionär muss der amtierende UEFA-Präsident dagegen noch nachweisen.

Zvjezdan Misimovic zum Hamburger SV
Der Bosnier war in den letzten Jahren einer der besten Mittelfeldspieler der Bundesliga. Seine 20 Torvorlagen aus der Saison 2008/09 sind Bundesligarekord – zumindest, die Statistiker auch Assists erfassen. Anfang des Jahrtausends hatte der Hamburger SV die Chance, sich die Spielmacherqualitäten des damaligen Bayern-Juniors für kleines Geld zu sichern. Doch Misimovic war den HSV-Machern zu pummelig. Den Bayern übrigens auch, weswegen er letztlich erst in Wolfsburg Karriere machte, wo er in Felix Magath einen Trainer hatte, der ihn einfach so lange laufen ließ, bis der Hüftspeck zumindest halbwegs verschwunden war.

Michael Essien zum VfL Wolfsburg
Im Jahr 2002 spielte ein 19-jähriger Ghanaer namens Michael Essien beim VfL Wolfsburg vor. Der defensive Mittelfeldspieler stand damals beim französischen Mittelklasseclub SC Bastia unter Vertrag. Dem VfL war der Spieler für ein Talent jedoch zu teuer. Essien spielte noch ein weiteres, überragendes Jahr in Bastia, wechselte 2003 für 12 Millionen Euro zu Olympique Lyon und 2005 für 38 Millionen Euro zum FC Chelsea.

Franz Beckenbauer zu 1860 München
Legendäre und allgemein bekannte Geschichte, daher nur die Kurzform: Beckenbauer wollte als Teenager in den späten 1950ern eigentlich vom SC 1906 München zu 1860 München wechseln. Er bekam aber in einem Spiel gegen die Jugend der „Löwen“ von seinem Gegenspieler eine Watschen verpasst und wechselte daraufhin aus Trotz zum FC Bayern.

Gerd Müller zu 1860 München
Wo der „Kaiser“ ist, kann der Müller Gerd nicht weit sein. Auch der „Bomber der Nation“ wäre beinahe ein Blauer geworden. Im Frühjahr 1964 hatte sich der Präsident von 1860 München bei der Familie Müller angesagt, um Gerd zum TSV zu lotsen. Da die Bayern ebenfalls Interesse an dem bulligen Stürmer hatten und davon Wind bekamen, erschienen sie eine Stunde früher und boten dem Talent einen Profivertrag an – ein Angebot, das die Löwen mit einem Amateurvertrag nicht toppen und das die Müllers nicht ausschlagen konnten. Der damalige Bayern-Trainer Cajkovski war im Übrigen gar nicht begeistert von der Verpflichtung des Stürmers. Ihm wird folgender Satz zugeschrieben: „Was soll isch mit dieses Junge, diese Figur, unmöglich.“

Pato zu Hertha BSC
Die Hertha hatte in den letzten zehn Jahren ein ziemliches Faible für Brasilianer. Davon war eigentlich nur Marcelinho ein Volltreffer. Vor allem sind aber die vielen Flops hängen geblieben, wie Alex Alves, André Lima oder Luizao. Vielleicht war es ja die Angst vor einem weiteren Flop, die Dieter Hoeneß im Jahr 2006 davon abgehalten hat, den 17-jährigen Alexandre Pato für rund 3 Millionen Euro zu verpflichten. Der ging Ende 2007 für 22 Millionen Euro zum AC Mailand, erzielte dort bislang 44 Tore in 90 Serie-A-Spielen.

Ronaldo zum VfB Stuttgart
Im Jahr 1994 wäre Ronaldo (der Dicke) beinahe zum VfB Stuttgart gewechselt. Der damalige VfB-Jugendtrainer Ralf Rangnick reiste eigens nach Brasilien, um den damals 17-Jährigen zu beobachten. Rangnick war angetan, Ronaldo offen für den Wechsel nach Deutschland. Doch den Schwaben waren die aufgerufenen 8 Millionen Mark Ablöse zu viel. Ronaldo wechselte kurz darauf für eben diese Summe nach Eindhoven, wo er zwei Jahre spielte und 1996 für das Vierfache nach Barcelona verkauft wurde. In Ronaldos Fall hätte es sich für die Schwaben wirklich einmal gelohnt, das Portemonnaie aufzumachen. Die holten stattdessen für 3,5 Millionen Mark Giovane Elber. Auch kein Schlechter, aber eben kein Ronaldo (in jung und schlank).

Ronaldinho zu Borussia Dortmund
Im Jahr 2001 war Borussia Dortmund ein internationaler Spitzenklub mit Ambitionen. Das schlug sich auch auf dem Transfermarkt nieder. Für mehr als 50 Millionen Euro hatte sich der Verein gerade mit Tomas Rosicky, Jan Koller und Marcio Amoroso eingedeckt. Was viele vergessen haben: Damals buhlte der BVB auch heftig um den 20-jährigen Ronaldinho. Der wechselte schließlich zu Paris St. Germain, weil ihm – Zitat – „der Sprung nach Dortmund zu groß“ erschien.

Pavel Nedved zum MSV Duisburg
Kurz vor der EM 1996 stand der weitgehend unbekannte Tscheche Pavel Nedved kurz vor einer Unterschrift beim Bundesliga-Aufsteiger MSV Duisburg. Dumm gelaufen für den MSV: Nedved spielte eine klasse EM und wechselte zu Lazio Rom.

Pelé zu Hannover 96
Diese Geschichte ist so unglaublich, dass ich sie selbst nicht geglaubt hätte, wenn es nicht eine (verhältnismäßig) seriöse Quelle, die Sport-Bild, gäbe. Wir schreiben das Jahr 1964. Hannover 96 ist in die Bundesliga aufgestiegen und war auf der Suche nach Verstärkungen. Ein Mann aus dem Verwaltungsrat, der Eismaschinen-Verkäufer Ziegra, hatte sich schon einen Spieler ausgeguckt: den zweimaligen Weltmeister Pelé. Über Bekannte, die portugiesisch sprachen, schaffte er es sogar, einen Kontakt zum FC Santos herzustellen. Dass der Transfer letztlich scheiterte, lag daran, dass der brasilianische Staat Pelé einen Wechsel ins Ausland verboten hatte. Hannover holte sich damit wie vermutlich 100 andere Klubs bei Santos einen Korb ab. Von Beinah-Transfer kann hier also nur bedingt die Rede sein…

6 Kommentare

1 Ping

  1. WolframWuttke sagt:

    :-)

    Meine Favoriten:

    1. „die Saarländer mit Platini auf der 10“

    2. Nedved in weiß-blauen Zebrastreifen

    3. Bremen spart 20.000 DM p.a. (=1.666DM p.M. / ~830€p.M)

  2. Heibel sagt:

    Einen tollen hätte ich noch, aber der gehörte da nicht rein, weil es nix mit der Bundesliga zu tun hatte:

    Der junge Wayne Rooney spielte einmal als 12- oder 13-jähriger bei der Jugend des FC Liverpool vor. Die Reds sahen davon ab, den jungen Wayne zu verpflichten. Möglichweise war er damals nicht gut genug. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass Rooney beim Probetraining ein Everton-Trikot trug…

  3. MC sagt:

    Tolle Geschichten.

    Hier eine weitere:

    Ende der 90er wollte Bayern München ebenfalls Ronaldinho verpflichten.
    Dann bekammen Sie aber Roque Santa Cruz, den Sie für ein viel größeres Talent hielten und holten schließlich Santa Cruz und verzichteten auf Ronaldinho. Der Rest ist bekannt :-)

    1. Jon sagt:

      War das nicht Kaka?

  4. David sagt:

    Auch interessant:

    Jimmy Floyd Hasselbank:
    Vor seinem Wechsel nach Portugal zu SC Campomaiorense hatte Hasselbaink ein Probetraining in Österreich, beim damaligen Zweitligisten First Vienna FC, bei dem er für nicht gut genug befunden wurde. (wikipedia)

  5. Tom sagt:

    Schön, das ganze Elend auch während dieser Transferperiode noch einmal nachzulesen. Da keimen wieder Ängste auf…Im Zuge der ganzen „20 Jahre verpasste Meisterschaft-Nostalgie“ bei der Eintracht musste ich jetzt nochmals erfahren, dass bei einem damaligen Titelgewinn Mehmet Scholl gekommen wäre. Ebenfalls schade drum.

  1. Die Tücken des Transfermarktes | bet90 Blog sagt:

    […] ganz schnell Fehler begehen, die ihnen lange unter die Nase gerieben werden. Wie zum Beispiel bei aktives-abseits.de. Da ist wunderbar nachzulesen, warum einst der junge Ronaldo nicht in Stuttgart und Pato nicht bei […]

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