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Jul
29

Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2011/12 – Teil 1

Mit meinen Prognosen in der Vorsaison lag ich – wie so viele – mächtig daneben. Das passiert mir nicht noch einmal. Wie sind die Aussichten von Augsburg, Berlin, Gladbach, Wolfsburg, Schalke und Bremen für die Bundesliga-Saison 2011/12?

FC Augsburg

Der Aufsteiger verfügt über eine mit Gescheiterten und (ewigen) Talenten gespickte Mannschaft, die sich allerdings unter Geschäftsführer Andreas Rettig und Trainer Jos Luhukay zu einem echten Team entwickeln konnte. Weil die finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind und man zudem das Gefüge nicht durcheinander bringen wollte, wurde die Mannschaft nur in der Breite verstärkt. Prominentester Neuzugang: Lorenzo Davids, Neffe des großen Edgar Davids, erweitert die Fraktion der Niederländer im Kader und ist als Abräumer eingeplant.

Die Euphorie nach dem ersten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte ist riesig, die Erwartungshaltung bei Fans und Führung ist realistisch: Der Abstieg wird zwar nicht gerade eingeplant, doch man ist sich bewusst, dass 17 Konkurrenten größere Möglichkeiten haben.

Interessante Spieler: Der in Wolfsburg einst vom Hof gejagte Torhüter Simon Jentzsch (35) will zeigen, dass er es noch draufhat. Hinter den im Sturm zunächst gesetzten Thurk und Rafael lauern mit Patrick Mayer (Torschützenkönig der 3. Liga 2010/11), Sascha Mölders (2010/11 15 Tore für den FSV Frankfurt in Liga 2) und Stephan Hain (10 Tore im Aufstiegsjahr) drei interessante junge Stürmer auf ihre Chance.

Prognose: Alles andere als der postwendende Abstieg würde überraschen. Der FCA verfügt allerdings über ein eingespieltes, über Jahre gewachsenes Team. Und in den letzten 10, 15 Jahren haben schon Vereine mit schlechteren Voraussetzungen die Klasse gehalten (Unterhaching, Cottbus). Dennoch: Läuft es normal, geht der FCA wieder runter.

Hertha BSC Berlin

Das Team von Trainer Markus Babbel muss zeigen, dass der Abstieg 2010 tatsächlich nur ein Betriebsunfall war. Rein nominell hat die Mannschaft jedenfalls das Zeug für einen Platz im Mittelfeld. Mit Mittelfeldspieler Andreas Ottl, Torhüter Thomas Kraft sowie Verteidiger „Iron“ Maik Franz hat man sich die Dienste dreier durchaus begehrter Spieler sichern können.

Negativ könnte sich auswirken, dass das Berliner Publikum nicht gerade für seine Geduld bekannt ist. Dennoch: Unter Sportchef Michael Preetz geht es ruhiger zu als unter Vorgänger Dieter Hoeneß. Auch ein schlechter Start dürfte nicht (noch einmal) zu blindem Aktionismus und blank liegenden Nerven führen.

Interessante Spieler: Der 19-jährige Angreifer Pierre-Michel Lasogga spielte eine herausragende Zweitliga-Saison. Der U21-Nationalspieler ist nun gleich doppelt gefordert: Das viel zitierte „schwere zweite Jahr“ steht an, außerdem muss er zeigen, dass er es auch eine Klasse höher kann. Neu-Keeper Thomas Kraft wird allerorten als Riesentalent bezeichnet, mit dem der FC Bayern nicht die nötige Geduld hatte. Sein Trainer Markus Babbel hat ihm früh das Vertrauen ausgesprochen. Wird Kraft ein zweiter Rensing?

Prognose: Der letztlich doch souveräne Wiederaufstieg und die Besetzung des Kaders sprechen für eine weitgehend sorgenfreie Saison. Ein Selbstläufer wird der Klassenerhalt aber dennoch nicht. Top-Star Adrian Ramos konnte zwar gehalten werden, kommt aber müde von der Copa America zurück. Hinter ihm und Talent Lasogga wird es eher mau in Sachen Torgefahr. Dennoch: Die Hertha landet zwischen Platz 11 und 14.

Borussia Mönchengladbach

In der vergangenen Saison gefühlte 100-mal abgestiegen, hat die Elf vom Niederrhein am Ende doch die Klasse gehalten. Dass ein Comeback aus dem Nichts besondere Energien freisetzen kann, hat Hannover 96 in der letzten Saison gezeigt. Seit Lucien Favre Trainer ist, läuft es. Daraus aber abzuleiten, das Mönchengladbach nun zu den Europapokalanwärtern zählt, wäre allerdings übertrieben.

Im Kader wird gerade noch aufgeräumt. Torhüter Logan Bailly ist weg, der 19- jährige Marc-André ter Stegen nach gerade einmal 6 BL-Spielen schon die unumstrittene Nummer eins. Michael Bradley, Mo Idrissou und Tobias Levels dürfen den Verein verlassen, Abnehmer werden noch gesucht. Abgesehen von Linksverteidiger Oskar Wendt hat man bei den Transfers vor allem auf die Karte Talente gesetzt. Die Mannschaft hat in der Endphase der letzten Saison einfach zu gut funktioniert, als dass man nun alles durcheinander wirbeln wollte – abgesehen davon, dass die Kassen am Niederrhein auch nicht zum Bersten gefüllt sind.

Interessante Spieler: Keeper ter Stegen muss seine starken Leistungen bestätigen. Den Rückhalt von Trainer und Anhang dürfte er haben. Innenverteidiger Dante, in Normalform einer der besten Innenverteidiger der Liga, hat sich nun doch zum Verein „bekannt“. Die Neuzugänge vom KSC, Lukas Rupp (20) und Matthias Zimmermann (19), sind nach den Eindrücken der Vorbereitung dicht dran an der ersten Elf.

Prognose: Sofern Gladbach aus der letzten Saison gelernt hat, sollte der Abstieg kein ernsthaftes Thema sein. Für den ganz großen Ausreißer nach oben wird es aber auch nicht reichen. Platz 10-13.

VfL Wolfsburg

Sieben Minuten lang war der VfL zweitklassig. Am Ende hat der VW-Klub aber doch noch die Last Minute-Rettung geschafft – wie schon 2006 und 2007. Damals übernahm Felix Magath und führte den Verein nach ganz oben. Dass der Weg auch in Magaths zweiter Amtszeit gleich wieder an die absolute Spitze führt, kann man sich kaum vorstellen, da anders als 2009 die ganz großen Einzelkönner fehlen, die den berühmten Unterschied machen.

Die Mannschaft ist aber immer noch sehr solide besetzt, hat auf jeder Position mindestens einen Spieler von (gehobenem) Bundesliga-Niveau. Wer Felix Magath und seine Einkaufspolitik kennt, weiß zudem, dass bis zum 31.8. noch der eine oder andere Spieler zum Team stoßen wird. Außerdem hat Magath nach wie vor die eingebaute Erfolgsgarantie im ersten Jahr seines Schaffens.

Interessante Spieler: Davon gibt es beim VfL einige. Gerade im Sturm geht es ganz eng zu. Mario Mandzukic ist aufgeblüht, seit Magath ihn im Sturmzentrum aufbietet. Neuzugang Srdjan Lakic überzeugte in den Tests, ebenso wie der eigentlich schon abgeschriebene Patrick Helmes. „2 aus 3“ heißt hier die Maxime. Interessant wird auch zu sehen sein, wie sich Hasan Salihamidzic, Magaths alter Lieblingsschüler vom HSV und Bayern, nach vier Jahren bei Juventus Turin (davon am Ende vornehmlich auf der Ersatzbank) präsentieren wird. Der mittlerweile 34-jährige war in der Vorbereitung rechts in der Viererkette gesetzt.

Prognose: Auch wenn dem VfL kaum jemand nachtrauern würde, ist ein abermaliger Abstiegskampf nicht zu erwarten. Vielmehr werden die „Wölfe“ zum großen Kreis der Anwärter auf einen Europapokalplatz zu zählen sein. Tipp: Platz 4 bis 7.

FC Schalke 04

Auch Schalke, das im Vorjahr in der Liga deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, wird nicht noch einmal eine Saison im unteren Tabellendrittel abschließen. Der von Felix Magath aufgeblähte Kader wurde von Horst Heldt deutlich gesundgeschrumpft.

Einzig der Verlust von Manuel Neuer schmerzt. Dafür hat man sich mit Christian Fuchs einen der besten Außenverteidiger und Standardschützen der Liga der gesichert. Lewis Holtby und Jan Moravek haben bei ihren Leih-Gastspielen in der Fremde bewiesen, dass sie fast jedem Bundesligisten helfen können. Hinzu kommt Talent Marco Höger, der rechts in der Viererkette Uchida den Platz wegstibitzt hat.

Trotz des Sieges im Supercup gegen den Erzrivalen aus Dortmund droht Knatsch: Der Verein ist chronisch klamm, Trainer Ralf Rangnick fordert aber noch die Verpflichtung mindestens eines schnellen Stürmers. Weltstar Raul schmollt, weil er nicht mehr in der Spitze, sondern dahinter eingesetzt wird. In Peer Kluge und Matthias Schober beschwerten sich nun schon die ersten Spieler öffentlich sich über den Führungsstil des Trainers – das kennen wir doch aus der Ära Magath. Sollte unter Rangnick nicht alles besser werden?

Interessante Spieler: Torhüter Ralf Fährmann tritt das schwere Erbe von Manuel Neuer an. Er ist nur die B-Lösung und weiß das auch. Hätte der Verein mehr Geld, würden heute Ron-Robert Zieler oder Kevin Trapp im Tor stehen. Im Supercup war er stark und wurde gleich zum neuen Neuer stilisiert. Nationalspieler Lewis Holtby muss zeigen, dass er eine konstant gute Saison spielen kann. In Mainz war er mal gut, dann wieder drei Spiele schwach. Das fiel nur keinem auf, weil er von allen Seiten gehypt wurde…

Prognose: Schalke braucht die Champions League, um die Schulden abtragen zu können, ohne weiter an der Mannschaft sparen zu müssen. Platz 4 ist also eigentlich Pflicht. Zu Platz 6 und der abermaligen Teilnahme an der Europa League sollte es aber in jedem Fall reichen.

Werder Bremen

Nach der schlechtesten Saison seit 13 Jahren wird die kommende Spielzeit zeigen, wohin der Weg des SVW langfristig führt. Der Europacup ist Pflicht, ansonsten wird die teure Mannschaft im Sommer 2012 auseinanderfallen. Derzeit versucht man sich an einem sanften Umbruch, Kapitän Torsten Frings ist der einzige Stammspieler, der den Verein verlassen hat.

In der Vorsaison hatte Bremen einerseits großes Pech mit Verletzungen, andererseits zeigte sich, dass viele Spieler in der Vergangenheit überbewertet wurden und im Schatten der Diegos und Özils mitschwammen.

Die Vorbereitung verlief schwach, auch weil mit Neuzugang Andreas Wolf phasenweise nur ein gelernter (und gesunder) Innenverteidiger zur Verfügung stand. Leihspieler Sokratis soll die Probleme beheben. Weiterhin hofft man auf die baldige Genesung von Per Mertesacker, Naldo und Sebastian Prödl. Doch wie lange werden die brauchen, bis sie ihre alte Form wieder erlangt haben? Bremen ist aber nur dann ein Anwärter für den Europapokal, wenn man die Probleme in der Abwehr löst. Werden es wieder 61 Gegentore, so wie in der Vorsaison, dann kann man sich wieder unten einsortieren.

Interessante Spieler: Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Neuzugang Mehmet Ekici. Der 21-jährige soll der neue Kopf der Raute werden und das Spiel der Grün-Weißen wieder beflügeln. Marko Arnautovic landet fast jede Woche eine Schlagzeile, trifft aber fast nie das Tor. Ändert sich das nicht, wird er weder in Bremen noch bei irgendeinem anderen ambitionierten Verein eine Rolle spielen.

Prognose: Jetzt oder nie heißt es für Werder. Die Führung versprüht (Zweck-)Optimismus, auch viele Experten sehen Bremen als Europapokal-Anwärter. Ich bin da weniger euphorisch. Kaum vorstellbar, dass man die Defensivprobleme abstellt. Werder landet wieder nur im Mittelfeld. Tipp: Platz 8 bis 12.

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