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Aug
05

Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2011/12 – Teil 3

Die Bundesliga-Saison 2011/12 steht vor der Tür. Im dritten und letzten Teil der Vorschau geht es um die Top 6 der vergangenen Saison. Wie sind die Chancen von Nürnberg, Mainz, Hannover, Bayern München, Leverkusen und Dortmund in der neuen Spielzeit?

1.FC Nürnberg

Gündogan weg, Ekici weg, Schieber weg, Wolf weg – wenn vier Leistungsträger einen Verein wie Nürnberg verlassen, macht normalerweise das Abstiegsgespenst die Runde. Nicht so beim Überraschungssechsten des Vorjahres: FCN-Trainer Dieter Hecking äußerte sich in der Vorbereitung betont optimistisch, er sieht sein Team keinesfalls schlechter aufgestellt als in der Vorsaison, wo der FCN auf dem Papier ebenfalls ein großer Abstiegskandidat war, letztlich aber alle überraschte.

Das Problem des Clubs ist, dass man sich keine teuren Stars leisten kann. Doch mittlerweile hat sich der Verein einen Namen als Talentschmiede gemacht, was das Leihen oder Kaufen von jungen Spielern erleichtert. Auch in diesem Jahr ist der FCN sich treu geblieben und hat vor allem junge Spieler geholt: Der 22-jährige tschechische Nationalstürmer Tomas Pekhart gilt in seiner Heimat als großer Hoffnungsträger. Als veranlagt gelten auch der Schweizer Innenverteidiger Timm Klose und der aus Stuttgart ausgeliehene offensive Mittelfeldspieler Daniel Didavi. Stürmer Alexander Esswein (der mit dem „Oma Hildegard“-Tattoo auf dem Oberarm), in Wolfsburg einst gegen Dzeko und Grafite chancenlos, hat in der letzten Drittliga-Saison in Dresden brilliert und unternimmt seinen zweiten Anlauf im Oberhaus. Altersmäßig aus der Rolle fällt bei den Neuzugängen nur Markus Feulner. Der 31-Minuten-Meister aus Dortmund ist mittlerweile 29 und möchte einfach wieder Fußball spielen. In Nürnberg soll er den Gündogan-Part übernehmen.

Interessante Spieler: Innenverteidiger Philipp Wollscheid ist das nächste Club-Juwel, das dem Verein wohl bald verlassen wird. Der 22-jährige spielte eine bärenstarke Saison 2010/11 und steht bei der halben Bundesliga auf dem Zettel. Er geht ebenso in sein (schweres?) zweites Jahr wie Rechtsverteidiger Timothy Chandler und Abräumer Almog Cohen. Stürmer Albert Bunjaku, vor zwei Jahren noch Top-Torjäger der Franken mit 12 Treffern, ist nach seiner langen Verletzung zurück. Fraglich, ob er wieder seine alte Form erlangt. Markus Feulner hat die Hypothek von zwei Jahren ohne nennenswerte Spielpraxis zu tragen, brillierte aber in der Vorbereitung, traf u.a. drei Mal beim 5:1 im DFB-Pokal gegen Bielefeld. Er soll neben Altstar Timmy Simons der Chef im Mittelfeld werden.

Prognose: Transfermarkt.de führt den FCN beim Marktwert des Gesamtkaders nur auf Platz 17. Der bloße Blick auf die Namen und nackten Zahlen schreit nach Abstiegskampf. Allerdings hat der Kader durchaus Potenzial. Und mein Bauchgefühl sagt, dass Nürnberg eine der positiven Überraschungen der Saison werden könnte (gewissermaßen das Anti-Bremen und Anti-Mainz, s.u.). Realistisch betrachtet wird der FCN nicht noch einmal auf Platz 6 landen, der ab der kommenden Saison gleichbedeutend wäre mit der Europa League-Qualifikation. Der Club wird sich aber am Saisonende ebenso wenig auf einem Abstiegsrang befinden. Tipp: Platz 11-15.

FSV Mainz 05

Das größte Kommen und Gehen von allen Bundesligisten gab es beim (Ex-)Europa League-Teilnehmer aus Mainz. Mit André Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs haben drei absolute Stützen den Verein verlassen. Neun neue Spieler (plus die nun fix verpflichteten Leihspieler Ivanschitz, Fathi und Risse) sorgen dafür, dass sich das Team neu finden muss.

Auf den ersten Blick hauen einen die Neuverpflichtungen nicht um. Der tschechische Nationalspieler Zdenek Pospech (32) kann auf beiden Außenverteidigerpositionen zum Einsatz kommen und sollte das Team verstärken. Linksfuß Zoltan Stieber (21) kam aus Aachen, wo er in der abgelaufenen Zweitligasaison an 27 Toren direkt beteiligt war. Der nigerianische Mittelstürmer Anthony Ujah (20) sorgte in der norwegischen Liga für Aufsehen und stand in allen wichtigen Tests in der Startelf. Diese drei sollten zum Stamm gehören. Hinzu kommen einige Talente, wie Yunus Malli, Deniz Yilmaz, Julian Baumgartlinger oder Nicolai Müller. Beweisen müssen sich der in Kaiserslautern einst ausgemusterte Fabian Schönheim und Eric-Maxim Choupo-Moting, der es beim HSV über Jahre nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinausgebracht hat. Besser geworden ist der Kader auf den ersten Blick also nicht. Man hat eher in die Breite investiert.

Die Vorbereitung verlief holprig, auch in den ersten Pflichtspielen im Pokal und in der Europa League-Qualifikation war noch viel Luft nach oben. Kam man im Pokal mit Hängen und Würgen noch weiter, hieß es in Europa bereits in der Quali bye-bye. Mit einem solchen Negativerlebnis in die Saison zu starten, nimmt nicht gerade den Druck von der Mannschaft.

Interessante Spieler: Vor allem die genannten Neuzugänge mit Startelf-Potenzial sollte man im Blick haben. Letzten Endes wird es aber interessant sein zu sehen, wie sich der FSV als Ganzes präsentieren wird und auf das frühe Aus im Europacup reagiert.

Prognose: Mit einem halben Jahr Verspätung wurde soeben die neue Coface Arena mit 34.000 Plätzen bezogen. Mainz wäre nicht der erste Verein, der sich nach einem Umzug in ein neues Stadion zunächst schwer tut. Die Mannschaft muss sich zudem mit der Fluktuation im Kader und der gestiegenen Erwartungshaltung auseinandersetzen. Jede Menge Holz also. Die Saison 2011/12 wird zur Bewährungsprobe für Trainer Thomas Tuchel und sein Team, das sich bislang vor Schulterklopfern kaum retten konnte. Findet sich der FSV schnell, dann ist ein Platz um 7-9 drin. Ich glaube aber eher, dass die Europa League-Blamage die Mannschaft schwer belastet und dass ein Absturz bevorsteht. Tipp: Der FSV beendet die Saison in der unteren Tabellenhälfte, Abstiegsnöte nicht ausgeschlossen.

Hannover 96

Lange musste Deutschland zittern, erst nach dem 33. Spieltag der letzten Saison war klar, dass Hannover 96 sich doch nicht für die Champions League qualifizieren würde. Doch selbst Platz vier bedeutete für die Niedersachsen die beste Bundesliga-Platzierung in der Vereinsgeschichte.

Bis weit in die Rückrunde der letzten Saison hinein sind die 96er von vielen Seiten belächelt und unterschätzt worden. Tenor: Mit so einer Truppe kommt der Einbruch irgendwann von alleine. Kam er aber nicht. Letztes Jahr haben viele Gegner den humorlosen, aber effektiven Konterfußball noch zugelassen, 2011/12 sollten sich aber die meisten Teams auf Hannover eingestellt haben und den 96ern das Leben erschweren.

Die Mannschaft ohne Stars ist zusammengehalten worden, was als Pluspunkt zu werten ist. Die Truppe wurde nur punktuell ergänzt, um das funktionierende Gefüge nicht durcheinander zu bringen. Der bekannteste Neuzugang ist der ablösefreie Ex-Nationalspieler Christian Pander. Wäre er nicht so verletzungsanfällig, wäre der exzellente Standardschütze mit dem mächtigen linken Huf vermutlich noch heute bei Schalke 04 oder gar einem noch prominenteren Verein unter Vertrag. Ebenfalls neu sind das polnische Stürmertalent Arthur Sobiech (21), der den Druck auf Mittelstürmer Mo Abdellaoue erhöhen soll, sowie der norwegische Mittelfeldspieler Henning Hauger.

Interessante Spieler: Da die Mannschaft fast identisch ist mit dem Überraschungsteam der Vorsaison, ist nun jeder einzelne auf dem Prüfstand. War das, was jeder 2010/11 gezeigt hat, das normale Niveau oder hat man am obersten Rand seiner Möglichkeiten gespielt? Torwart Ron-Robert Zieler, Stürmer Didier Ya Konan und die Mittelfeldspieler Manuel Schmiedebach und Konstantin Rausch waren die auf dem Transfermarkt begehrtesten Kräfte in den letzten Monaten. Sie sind das Tafelsilber von 96 und spielen in der kommenden Saison auch darum, ihren Wert zu erhalten.

Prognose: Unterschätzen wird die 96er in dieser Saison niemand mehr. Wer clever ist, spielt gegen Hannover genau so humorlos wie die Niedersachsen es selbst tun. Interessant wird auch zu sehen sein, wie sich die „Kür“ Europapokal auf die „Pflicht“ Bundesliga auswirkt. Auf der anderen Seite ist die Mannschaft eingespielt, einen zweiten Fall Hertha BSC (2009 4., 2010 18.) wird es wohl nicht geben. Hannover wird sich dort einfinden, wo es hingehört: im Mittelmaß.

FC Bayern München

Alles andere als der 23. Meistertitel wäre für den Rekordmeister eine Katastrophe. Der Verein mit dem größten Festgeldkonto, dem teuersten Kader und dem höchsten Selbstanspruch MUSS 2011/12 Meister werden. Umso mehr, weil man in der vergangenen Saison in allen Wettbewerben hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben ist. Jupp Heynckes, der zum dritten Mal auf der Bayern-Bank Platz nimmt, soll es richten. Er genießt – wie seine Vorgänger Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal zunächst auch – das volle Vertrauen des Vorstands. Die letzten Jahre haben gelehrt, dass das nur solange der Fall sein wird, wie die Ergebnisse stimmen. Also: Bitt‘ schön, Herr Heynckes!

Für die Verwirklichung seiner Ziele hat der FCB mal wieder die Geldschatulle aufgemacht. Manuel Neuer (mindestens 20 Mio. Euro Ablöse) soll und wird die Baustelle Tor auf lange Sicht schließen, Rafinha (ca. 5 Mio. Euro Ablöse) wird Philipp Lahm, der wieder nach hinten links wechselt, auf der Rechtsverteidiger-Position adäquat ersetzen. Jerome Boateng, nach zähen Verhandlungen für 13,5 Mio. Euro von Manchester City geholt, soll die Probleme in der Innenverteidigung beheben. Hinzu kommen als preissympathische Ergänzungen der japanische Flügelspieler Takashi Isumi und der Mittelstürmer Nils Petersen.

Alles in allem haben die Bayern gut eingekauft, aber nicht überragend. Manuel Neuer wird dem Verein sicherlich viele sorgenfreie Jahre im Tor bescheren. Rafinha ist vom Preis-Leistungsverhältnis her einer der besten Rechtsverteidiger, die auf dem Markt waren. Jerome Boateng hat sicherlich das Zeug zu einem guten Innenverteidiger, hat auf seiner erklärten Lieblingsposition aufgrund von Verletzungen und unterschiedlichen Vorstellungen seiner Trainer jedoch bislang kaum gespielt.

Interessante Spieler: Jerome Boateng soll die Abwehrprobleme beheben. Aus den oben genannten Gründen ist da eine gewisse Portion Skepsis angebracht. Von Boatengs vermeintlichem Nebenmann Holger Badstuber muss dieses Jahr mehr kommen, ansonsten wird man ihn irgendwann mit dem Stempel „Durchschnitt“ versehen müssen und ihm einen Vereinswechsel nahelegen. Toni Kroos, Jupp Heynckes‘ Lieblingsschüler aus gemeinsamen Leverkusener Zeiten, gilt als Gewinner der Vorbereitung. Er ist auf mehreren Positionen dicht dran an der Startelf, könnte aber genauso gut am Ende in die Röhre schauen. Gespannt sein darf man auch, wie sich die hochgelobten Youngster Alaba, Usami und Petersen unter Heynckes entwickeln. Last but not least: Wie wird sich das Verhältnis zwischen Manuel Neuer und den Bayern-Ultras entwickeln? Auch Oliver Kahn wurde 1994 nicht mit offenen Armen empfangen, am Ende seiner Bayern-Zeit war er fast ein Heiliger.

Prognose: Insgesamt ist die Mannschaft für Bundesliga-Verhältnisse herausragend besetzt. Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Robben, Ribéry und Gomez sind auf ihren Positionen in der Liga die Nummer eins und müssen sich auch international nicht verstecken. Doch gerade die Verletzungsanfälligkeit der Flügelzange „Robbery“, der dünn besetzte Kader und die vielen passablen, aber nicht überragenden Innenverteidiger sind als Schwachstellen auszumachen. Pluspunkt gegenüber der Vorsaison: Die Stars haben kein großes Turnier in den Beinen und sind auch mental ausgeruhter. Das könnte der entscheidende Pluspunkt sein. Der nicht ganz überraschende Tipp lautet daher: Bayern wird zum 23. Mal Meister.

Bayer Leverkusen

„Vizekusen“ tatsächlich Deutscher Meister? Ganz Bayer-unlike hat der neue Trainer Robin Dutt gleich bei seinem Amtsantritt angekündigt, dass das Ziel nur der Titelgewinn sein kann. Forsche Worte, wie man sie in Leverkusen zuletzt in der Ära Daum gehört hat. Das Ergebnis ist bekannt: Um den „Trophäenraum“ mit einem DFB- und einem UEFA-Pokal zu besichtigen, braucht man nach wie vor nicht mehr als 10 Sekunden. Der Vergangenheit und dem Loser-Image ungeachtet, geht Bayer aber tatsächlich als einer der drei realistischen Meisterschaftsanwärter in die Saison.

Beim Erreichen dieses Ziels soll vor allem André Schürrle helfen. Der pfeilschnelle und kaltschnäuzige Linksaußen kam für 8 Millionen Euro aus Mainz, wo er sich binnen zwei Jahren zu einem Top-Mann entwickelt hat. Aus Freiburg hat Robin Dutt seinen Lieblingsschüler Ömer Toprak mitgebracht. Der 21-jährige ist in der Innenverteidigung als Nachfolger von Sami Hyypiä vorgesehen. Der dritte nennenswerte Neuzugang ist Karim Bellarabi. Der marrokanische Neu-Nationalspieler kommt aus Braunschweig und soll die Konkurrenz auf den ohnehin schon stark besetzen Außenpositionen noch einmal beleben.

Womit wir schon bei den Stärken von Bayer wären: Trotz des Abgangs von Arturo Vidal ist das Mittelfeld qualitativ und quantitativ top besetzt. Im Zentrum balgen sich mit Michael Ballack, Simon Rolfes, Gonzalo Castro, Lars Bender, Hanno Balitsch und Renato Augusto sechs Top-Leute um zwei bis drei freie Plätze in der Startelf – je nach System. Auf den offensiven Außenbahnen geht es nicht viel ruhiger zu: Zu dem auf links vermutlich gesetzten André Schürrle gesellen sich Tranquillo Barnetta, Sidney Sam, Karim Bellarabi und abermals die vielseitigen Renato Augusto und Gonzalo Castro.

Nur unwesentlich dünner ist Bayer in Abwehr und Sturm aufgestellt. Aufgrund der Vielseitigkeit der Akteure ist der Kader von Robin Dutt auf jeder Position mindestens doppelt besetzt. Logische Konsequenz: Es gibt nur wenige Schwachpunkte im Team. Eine ist nach dem Ausfall vom überaus verletzungsanfälligen René Adler das Tor. Fabian Giefer und David Yelldell, die beiden Ersatzleute der deutschen Nummer 2, konnten in der Vorbereitung nur bedingt die Werbetrommel für sich rühren. Offen, wem Dutt bis mindestens Oktober das Vertrauen schenkt. Denkbar ist auch, dass Bayer noch einmal aktiv wird auf dem Torhütermarkt. Schließlich endet das Sommertransferfenster erst nach dem vierten Spieltag.

Die Innenverteidigung ist mit Ömer Toprak, Stefan Reinartz, Manuel Friedrich und Daniel Schwaab ordentlich, aber nicht wirklich eines Meisters würdig besetzt. Im Sturm heißt es vermutlich Derdiyok oder Kießling. Die beiden gemeinsam wird es bei Dutt kaum geben. In der vergangenen Saison sind beide Stürmer aber hinter ihren Möglichkeiten geblieben.

Interessante Spieler: Ballack, Ballack, Ballack. Wird der Ex-Capitano seine vermutlich letzte Saison als Leistungsträger oder als bemitleidenswerter Reservist bestreiten? Am besten Robin Dutt fragen! Der hat nach eigener Aussage ja gleich sechs, sieben Ballacks im Kader… André Schürrle steht nicht nur bei Jogi Löw hoch im Kurs. Er könnte der neue Star beim ewigen Zweiten werden.

Prognose: Trotz des blamablen Pokal-Aus in Dresden geht Bayer als Meisterschafts-Mitfavorit in die Saison. Den (fußballerischen) Verlust von Arturo Vidal dürfte man als Team auffangen können. Schlechter als Platz drei dürfte man auch dann nicht abschneiden, wenn das Ballack-Theater in ein zweites Jahr gehen sollte. Tipp: Platz 2-3.

Borussia Dortmund

Stuttgart: 2007 Meister, 2008 Sechster. Wolfsburg: 2009 Meister, 2010 Achter. Die Überraschungsmeister der letzten Jahre haben in der Saison nach dem Titel einen gewaltigen Einbruch erlebt. Das wird dem BVB in dieser Form nicht passieren. Denn anders als die Schwaben und die Niedersachsen sind die Westfalen eine über Jahre gewachsene Einheit, die sich kontinuierlich gesteigert hat. Auch wenn es schwer wird mit der Titelverteidigung, wäre ein Einbruch eine größere Sensation als die abermalige Qualifikation für die Champions League.

Phasenweise musste man rund um das Westfalenstadion Angst haben vor dem Ausverkauf. Halb Europa machte Jagd auf Hummels, Subotic, Sahin, Kagawa, Götze oder Barrios. Am Ende hat man bis auf Taktgeber Sahin alle Leistungsträger halten können. Dadurch hielt sich auch die Zahl der Neuzugänge in Grenzen: Ilkay Gündogan (20) könnte 1:1 den Sahin-Part übernehmen. Der Kroate Ivan Perisic (22) kann in der Dreierkette hinter der einzigen Sturmspitze alle Positionen einnehmen und erhöht den Konkurrenzdruck auf Großkreutz & Co. Chris Löwe, von Drittliga-Aufsteiger Chemnitz gekommen, zeigte in der Vorbereitung, dass er Marcel Schmelzer ordentlich vertreten kann. Der Verlust des nach 13 Jahren abgewanderten Dede könnte durch ihn sportlich aufgefangen werden.

Ähnlich wie Leverkusen und Bayern, ist der BVB im Mittelfeld am besten besetzt. Mit Sebastian Kehl, Sven Bender, Ilkay Gündogan und Antonio da Silva besitzt man vier starke Alternativen für das Zentrum. Für die offensive Dreierreihe davor kommen gleich acht Akteure in Frage (Kevin Großkreutz, Shinji Kagawa, Mario Götze, Robert Lewandowski, Ivan Perisic, Mohammed Zidan, Kuba Blaszczykowski, Moritz Leitner), wobei Lewandowski durch den verletzungsbedingten Ausfall von Lucas Barrios bis mindestens September zunächst in der Spitze gesetzt sein dürfte.

Die beste Abwehr der Liga ist in ihrer Konstellation unverändert. Mats Hummels, Neven Subotic und Marcel Schmelzer könnten sich mit ihren jungen Jahren durchaus nochmals steigern. Im Tor ist man mit Roman Weidenfeller absolut sorgenfrei.

Schwachstellen gibt es wenige – wenn die erste Mannschaft fit bleibt. Gerade in Abwehr und Angriff kommt jedoch wenig hinter den Arrivierten: In Felipe Santana hat man nur einen echten Ersatz für die Innenverteidiger Hummels/Subotic. Die Back-ups von Lukasz Pisczek hinten rechts, Patrick Owomoyela und Julian Koch, sind beide derzeit verletzt. Hinten links fehlt Marcel Schmelzer zum Liga-Auftakt. Zu seinem Vertreter Chris Löwe gibt es keine Alternative. Ganz schwer trifft den BVB aber der Ausfall von Lucas Barrios, dem einzigen „echten“ Stürmer im Kader. Die Alternativen (Lewandowski, Zidan, Le Tallec) fühlen sich jedenfalls allesamt als hängende Spitze wohler.

Interessante Spieler: Die Shooting-Stars Mario Götze und Shinji Kagawa stehen vor der viel zitierten schweren zweiten Saison, in der es die Leistungen des Vorjahres zu bestätigen gilt. Der gesteigerten Erwartungshaltung müssen sich jedoch alle in der Mannschaft stellen. Interessant wird auch zu sehen sein, ob Trainer Jürgen Klopp aufgrund der Mehrbelastung durch die Champions League tatsächlich mehr rotieren wird, oder ob er doch wieder an einem Stamm von 12, 13 Feldspielern festhält.

Prognose: Der BVB kann dem FC Bayern am ehesten in die Suppe spucken. Diesen Ruf hat man sich durch seine Vorstellungen im DFB-Pokal, beim LigaTotal-Cup und – trotz Niederlage nach Elfmeterschießen – im Supercup erarbeitet. Allerdings haperte es mal wieder an der Chancenauswertung. Weiterer Minuspunkt: Der Kader könnte sich als zu dünn besetzt erweisen bzw. tut es bereits (Engpässe in Verteidigung und Sturmspitze). Hält das Verletzungspech an, könnte die Champions League die Mannschaft so viel Kraft kosten, dass es schwer wird mit der Titelverteidigung. Tipp: Dortmund wird auch 2012/13 gegen Barcelona, Manchester oder Mailand spielen. Die Frage ist nur, ob man sich als Meister, Vizemeister oder Dritter für die Champions League qualifiziert.

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