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Aug
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Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2012/13 – Teil 2

Die 50. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Im zweiten Teil der Aktives Abseits-Saisonvorschau 2012/13 widme ich mich dem Süden und den Chancen von Augsburg, Mainz, Freiburg und Hoffenheim.

FC Augsburg

Nicht wenige haben den FC Augsburg 2012/13 wieder in der 2. Liga erwartet. Die Schwaben haben aber vor allem in der Rückrunde der vergangenen Saison teilweise beeindruckende Leistungen gezeigt und den Klassenerhalt letztlich deutlich geschafft.

Im viel beschworenen „schwierigen zweiten Jahr“ ist vieles neu beim FCA. Erfolgstrainer Jos Luhukay hat nach internen Querelen einen Wechsel zu Zweitligist Hertha BSC einem Verbleib vorgezogen. Auch Manager Andreas Rettig betrachtete sein Projekt in Augsburg als abgeschlossen und nahm einen Posten bei der DFL an. Ersetzt wurden sie durch Trainer Markus Weinzierl (37), der vom Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg kam und dank seiner Referenzen dort gleich eine Klasse überspringen durfte. Rettigs Part fällt künftig ins Ressort von Peter Bricks (Finanzen) und Manfred Paula (Sport).

Neu ist auch die Mannschaft. Zwar vertraut man auch weiterhin der eingespielten Defensive, die nur 49 Gegentore zuließ. In der Offensive hat man jedoch kräftig aufgerüstet. Prominentester und vielversprechendster Neuzugang ist Aristide Bancé (27). Dem stets gut blondierten Stürmer aus Burkina Faso ist es in Dubai scheinbar langweilig geworden. Trotz gut dotierten Vertrags beim Scheich-Club Al-Ahli möchte Bancé es im besten Fußballeralter noch einmal in der Bundesliga wissen. Bereits in der Vorsaison ließ sich der 1,94 Meter-Hüne zu Samsunspor in die Türkei ausleihen, allerdings war seine Torquote dort mäßig. Ob zwei Jahre auf Drittliga-Niveau am Persischen Golf zu viel waren?

Bemerkenswert sind ferner die Transfers von Sechser Andreas Ottl (27, ablösefrei aus Berlin), des tschechischen EM-Teilnehmers Milan Petrzela (29, rechter Flügel) und des estnischen Abwehr-Asses Ragnar Klavan (26, Innenverteidigung). Auch die Leihen der Offensivspieler Giovannio Sio (23, Wolfsburg) und Knowledge Musona (22, Hoffenheim) ließen aufhorchen. Hinzu kommt mit Kevin Vogt (20, defensives Mittelfeld) aus Bochum noch ein deutscher U21-Nationalspieler.

Interessante Spieler: Der Koreaner Ja-Cheol Koo (23) hatte ein starkes Frühjahr 2012. Außenspieler Giovannio Sio, für den Wolfsburg im Winter 6 Mio. Euro hinlegte, kam bislang unter Felix Magath kaum zum Zuge. Augsburg ist seine Chance, sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Im Sommer 2013 geht es für ihn dann – wie auch für Koo – zurück nach Wolfsburg. Aristide Bancé ist der Sturmführer. In Offenbach und Mainz war der zuweilen divenhafte Stürmer ein Spielentscheider – im Positiven wie im Negativen. Gewöhnt er sich schnell wieder an das Tempo der Bundesliga, sind ihm zehn Tore zuzutrauen.

Prognose: Nur der Abgang von Axel „Bello“ Bellinghausen schmerzt, dafür ist der Kader auf jeden Fall in der Breite und womöglich auch in der Spitze besser besetzt. Allerdings hinterlassen Luhukay und Rettig auch ein schweres Erbe, die beiden haben in den letzten drei Jahren das Maximum aus dem Verein herausgeholt. Trotzdem geht der FCA beileibe nicht mehr als Topfavorit auf den Abstieg in die Saison – auch wenn der Gang in Liga zwei immer noch ein vorstellbares Szenario ist.

FSV Mainz 05

„Einmal Europacup und zurück“ lautete das Motto der 05er in der letzten Saison. Nach dem blamablen Aus in der Qualifikation für die Europa League und einer problematischen Bundesliga-Spielzeit will man 2012/13 eine deutlich ruhigere Saison erleben.

Hierbei vertraut man in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt weitgehend dem Personal der Vorsaison. Der Abgang von Mohamed Zidan (30), der nach seiner Rückkehr nach Rheinessen in seinen ersten sechs Spielen sechs Treffer erzielte, überraschte Außenstehende schon ein wenig. Gegenüber dem „kicker“ deutete Trainer Thomas Tuchel aber an, dass der Ägypter nicht der allergrößte Teamplayer war und deswegen eine Weiterbeschäftigung nicht mehr in Frage kam. Der Abgang von Sami Allagui, der in der vergangenen Saison oft nur Ersatz war, lässt sich zu einem guten Teil auf die hohe Ablöse von 1,6 Mio. Euro zurückführen, die Hertha BSC für den Tunesier springen ließ.

Die wichtigsten Neuzugänge sind Offensivallrounder Chinedu Ede (25, kam für 1,2 Mio. Euro von Union Berlin) und der costa-ricanische Linksverteidiger Junior Diaz (28, kam für 0,1 Mio. Euro vom FC Brügge). Die Mainzer spielen somit beinahe in identischer Besetzung wie in der Rückrunde der Vorsaison, als man sich durch eine solide Serie letztlich souverän den Klassenerhalt sicherte.

Interessante Spieler: Im Angriff hängt viel von Adam Szalai (24) ab. Der Ungar hat mit Zidan und Allagui seine härtesten Konkurrenten um den Platz in der Startformation verloren und hat nun deutlich die Nase vorn gegenüber Anthony Ujah (21), der im zweiten Jahr allmählich seine Ablöse von 2,3 Millionen Euro rechtfertigen sollte. Eric-Maxim Choupo-Moting (23), der vorwiegend auf den offensiven Außen zum Einsatz kommt, hat in der vergangenen Rückrunde einen Sprung gemacht. Jan Kirchhoff (21), der sowohl innen verteidigen als auch im defensiven Mittelfeld abräumen kann, wurde bereits im Frühjahr von der halben Liga umworben. Entwickelt er sich „normal“ weiter, dürfte er seine letzte Saison für die 05er bestreiten.

Prognose: Unspektakulär wie nie kommen die Mainzer vor der Saison 2012/13 daher. Und genauso wollen sie abschneiden: Ein Platz im Mittelfeld, frei von jeder Abstiegssorge ist das Ziel. Die junge Mannschaft, die in dieser Zusammenstellung in ihr zweites Jahr geht, hat das Zeug dazu. Zu mehr allerdings nicht. Mainz landet auf Platz 11 bis 13.

SC Freiburg

Neben Dortmunds Jürgen Klopp und Gladbachs Lucien Favre war der Freiburger Christian Streich (47) der Trainer der vergangenen Saison. Der Mann aus Freiburger Nachwuchsschule reanimierte im Januar eine dem Abstieg entgegen taumelnde Mannschaft und führte sie dank einer starken Rückrunde (27 Punkte im ersten Halbjahr 2012, genauso viele wie Mönchengladbach) noch auf den 12. Platz.

Man mag viele Gründe für den Erfolg der Breisgauer in der Rückrunde anführen. Der Verkauf von Papiss Demba Cissé für 12 Millionen Euro an Newcastle United im Januar war aber gleich in mehrerlei Hinsicht wichtig: Ein unzufriedener Spieler durfte gehen; die Vereinskassen der sparsamen Freiburger wurden auf unbestimmte Zeit gefüllt; vor allem aber verteilte sich ohne die „Lebensversicherung“ die Verantwortung wieder auf 11, wenn nicht gar auf 14 oder 18 Schultern. Und Trainer Streich, der mit seiner kauzig-emotionalen Art dem SCF erstmals seit der Ära Finke wieder so etwas wie Flair verleiht, konnte scheinbar all seinen Spielern klar machen, dass geteilte Verantwortung eine Mannschaft stärker machen und Spielfreude wecken kann.

Die erfolgreiche Mannschaft der Rückrunde mit vielen Kräften aus dem eigenen Nachwuchs (u.a. Ginter, Höhn, Sorg, Schmid) wurde nur punktuell verstärkt. „Königstransfer“ ist Max Kruse (24, offensives Mittelfeld, kam für 0,75 Mio. Euro aus St. Pauli), der in der letzten Zweitligasaison 13 Treffer erzielt hat. Chancen auf einen Stammplatz hat auch der norwegische Rechtsverteidiger Vegar Edden Hegenstad (21, kam für 0,5 Mio. Euro von Stabaek IF). Auf den offensiven Außenbahnen sollen Marco Terrazzino (21) und der Spanier Ezequiel Calvente (21) den Konkurrenzdruck erhöhen. Im Kern bleibt die Mannschaft also fast identisch mit der erfolgreichen Rückrundenmannschaft.

Interessante Spieler: Max Kruse unternimmt seinen zweiten Anlauf in der 1. Liga. In der Saison 2010/11 kam er im Trikot des FC St. Pauli nicht über gute Ansätze hinaus. Mittelfeldspieler Daniel Caligiuri blühte unter Christian Streich ebenso auf wie seine jungen Kollegen Sorg und Ginter. Wird ihre positive Entwicklung anhalten? Chefs in der Mittelfeldzentrale sind Cedrick Makiadi (28) und Kapitän Julian Schuster (27), die vor allem in der Schlussphase der letzten Saison brilliert haben.

Seit Cissé weg ist, hat sich vieles beim SCF zum Positiven entwickelt. Allerdings fehlt dem Verein ein echter „Killer“ vor dem Tor. Das Spiel ist zwar variabler geworden, doch gerade den Stürmern geht die Kaltschnäuzigkeit ein wenig ab. Sebastian Freis etwa, der im Moment die Nase vor Ivan Santini, Erik Jendrisek und Garra Dembélé hat, ist eher als Lücken reißender Dauerläufer als ein Knipser. Spielt er, muss das nachrückende Mittelfeld beim Tore schießen mithelfen. Vor allem Kruse, Rosenthal und Makiadi sollen und können diese Lücken nutzen.

Prognose: Die Mannschaft funktioniert und darf in dieser Konstellation über die Saisongrenze zusammenbleiben. So etwas hat es in Freiburg selten gegeben. Das lässt eine sorgenfreie Saison erhoffen. Allerdings: Die Situation ist nun eine komplett andere als in der vergangenen Rückrunde. Damals war der SCF fast schon abgeschrieben, die Spieler konnten befreit aufspielen und wurden von einigen Gegnern vermutlich auch unterschätzt. Diese Faktoren fallen nun weg. Freiburg ist wie in jedem Jahr ein Abstiegskandidat. Tipp: Der SCF landet auf Platz 13 bis 17.

TSG 1899 Hoffenheim

Normalerweise ist die Fußballnation immer dann besonders schadenfroh, wenn sich der FC Bayern bis auf die Knochen blamiert hat. Doch der Spott, den die Hoffenheimer nach dem 0:4 bei Viertligist Berliner AK über sich ergehen lassen mussten, hatte eine ähnliche Qualität. Zumindest in dieser Beziehung sind die Kraichgauer also ganz nah dran am Branchenprimus…

Sportlich hat Markus Babbel, Trainer und Manager in Personalunion, im fünften Hoffenheimer Erstligajahr die Qualifikation für die Europa League als (ambitioniertes) Ziel ausgegeben. Die Neuen Eren Derdiyok (24, Angriff, 5 Mio. Euro Ablöse), Joselu (22, Angriff, 6 Mio. Euro Ablöse) sowie die ablösefreien Tim Wiese (30, Tor), Mathieu Delpierre (31, Innenverteidigung), Stephan Schröck (25, Außenbahn defensiv/offensiv), Chris (33, Defensivallrounder), Kevin Volland (19, Angriff) und Leihspieler Takashi Usami (20, offensives Mittelfeld) sollen der Mannschaft ein neues, kantiges Gesicht verleihen und zugleich die Qualität heben.

Finanziert wurden sie durch den Verkauf diverser „Altlasten“: Gylfi Sigurdsson ging für 10 Millionen Euro nach Tottenham, Chinedu Obasi wird für 5 Millionen Euro endgültig Schalker, Peniel Mlapa wechselt für 2,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach. Mit Ryan Babel und Edson Braafheid will man zwei teure Fehlgriffe bis zum Transferschluss noch an den Mann bringen.

Nach zuletzt dreimal Platz 11 hat man das Gefühl, dass in dieser Saison der Durchbruch kommen MUSS, wenn man nicht endgültig zur „grauen Maus“ mutieren will. Der „Dorfclub“ hat mittlerweile fast alle Sympathien der fulminanten Bundesliga-Hinrunde 2008/09 eingebüßt. Bieder kommt Hoffenheim daher, nur die markigen Ansagen von Trainer Markus Babbel lassen immer mal wieder aufhorchen, doch sie wirken oft nur wie ein Strohfeuer. Nach dem leblosen 0:4 von Berlin muss sich die Mannschaft bereits vor dem 1. Spieltag in der Bundesliga die Charakterfrage stellen lassen.

Interessante Spieler: Tim Wiese wollte zu einem internationalen Top-Club, nun ist er in Hoffenheim. Eren Derdiyok hat bei Bayer Leverkusen zuletzt stagniert. In Hoffenheim ist er zunächst einmal gesetzt. Gelingt ihm der nächste Entwicklungsschritt? Kevin Volland gilt als das größte Talent unter den (wenigen) deutschen Nachwuchsstürmern. Gelingt dem 19-jährigen der Durchbruch in der Bundesliga? Joselu hat schlanke sechs Millionen Euro gekostet. Viel Geld für einen Spieler, der zuletzt bei Real Madrid II in der dritten spanischen Liga gekickt hat.

Prognose: „Weder Fich noch Fleich“, wie Berti Vogts sagen würde. Hoffenheim ist nominell sicherlich gut besetzt, doch Talent und ein guter Ruf allein haben die TSG in vier Erstligajahren nie über Platz sieben hinauskommen lassen. Die Hinrunde der Kraichgauer ist traditionell stärker als die Rückrunde. Doch so stark, dass es für Europa langt, kann Hoffenheim bis zum Winter kaum spielen. Der Hopp-Club landet zwischen Platz 8 und 11.

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