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Aug
23

Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2012/13 – Teil 4

Die 50. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Im vierten Teil der Aktives Abseits-Saisonvorschau 2012/13 widme ich mich dem VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und dem FC Schalke 04.

VfB Stuttgart

Alle Jahre wieder: Seit der Meistersaison 2006/07 sammelt der VfB in der Rückrunde deutlich mehr Punkte als im ersten Halbjahr. Nicht auszudenken, was für die Schwaben möglich wäre, wenn sie zwei gleichmäßig starke Halbserien hinbekämen… Zumindest ein Gesetz der Serie wurde in der Vorsaison gebrochen: Erstmals in seiner Trainerkarriere konnte Bruno Labbadia seine Mannschaft länger als sieben, acht Monate auf Kurs halten. Der Lohn: Die Europa League-Qualifikation.

Auf dem Transfermarkt sind die fetten Jahre vorbei. Nach vielen teuren Fehlgriffen, wie Ciprian Marica (kam 2007 für 7 Mio. Euro), Khalid Boulahrouz (kam 2008 für 5 Mio. Euro) oder Pavel Pogrebnyak (kam 2009 für 5 Mio. Euro) ist der VfB finanziell auf Konsolidierungskurs.

So ist man mit Khalid Boulahrouz (30) und Matthieu Delpierre (31) zwei Großverdiener losgeworden, die längst nicht mehr zu den Leistungsträgern zählten. Mit Julian Schieber (23) hat man zwar ein Eigengewächs und Sturmtalent an Borussia Dortmund verloren, aber ein Jahr vor Vertragsende noch eine ordentliche Ablösesumme in Höhe von knapp 6 Mio. Euro erzielt. Auch die Abgänge der Reservisten Timo Gebhart und Stefano Celozzi schmerzen kaum.

Aus diesem Grund bestand auch kaum Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt, weswegen die Neuzugänge Tim Hoogland (27, Rechtsverteidiger) und Tunay Torun (22, Offensivallrounder) eher der Kategorie „Ergänzungsspieler“ zuzuordnen sind. Hinzu kommen ein paar Kräfte aus der eigenen Jugend, von denen Abwehrkante Antonio Rüdiger (19) der vielversprechendste Mann ist.

Interessante Spieler: Keeper Sven Ulreich (24) hat in der letzten Saison endgültig den Durchbruch geschafft. Eine Nationalmannschaftseinladung würde niemanden mehr überraschen, zumal Jogi Löw ein Faible für Spieler seines Ex-Vereins hat. Innenverteidiger Serdar Tasci (25) hat sich wieder gefangen, ist mittlerweile sogar zum Kapitän aufgestiegen. Die Offensivkräfte Martin Harnik (25, Rechtsaußen, 11 Rückrundentore) und Vedad Ibisevic (28, Mittelstürmer, 8 Rückrundentore) haben ein überragendes Frühjahr hinter sich. Gelingt es ihnen mit ihren Toren, die traditionell schwache VfB-Hinrunde abzuwenden? Wird sich Cacau (31) seinen Stammplatz im Sturmzentrum zurückerobern? Und wenn nicht: Wie wird er mit dem Dauer-Reservistendasein umgehen? Spielmacher Tamas Hajnal (31) würde ein wenig Konkurrenz gut tun. Rückkehrer Daniel Didavi (22), der dem Ungarn Dampf machen sollte, wird allerdings die komplette Hinrunde verletzungsbedingt verpassen.

Prognose: Der VfB dürfte sich im Vergleich zum Vorjahr personell nicht verschlechtert haben. Die Mannschaft hat auf fast allen Position zwei gleichwertige Alternativen, kann sich u.a. den Luxus leisten, Spieler wie Cacau oder Zdravko Kuzmanovic bzw. Christian Gentner auf die Bank zu setzen. Allerdings fehlt auf einzelnen Positionen auch die individuelle Klasse für ganz oben. So wird der VfB am Ende um die Europa League-Plätze mitspielen – vermutlich wieder einmal mit einer katastrophalen Hin- und einer bärenstarken Rückrunde.

Bayer 04 Leverkusen

Das Missverständnis Michael Ballack ist ebenso beendet wie das Missverständnis Robin Dutt. Nach einer schwachen Saison, in der sich Bayer nur dank eines guten Schlussspurts und schwächelnder Konkurrenz noch in die Europa League gerettet hat, soll unter dem Trainer-Duo Sascha Lewandowski/Sami Hyypiä wieder alles besser werden. Die Rückkehr in die Champions League ist das Ziel.

Hierzu hat man den Kader aufgeräumt: Mit Michael Ballack, Eren Derdiyok, Tranquillo Barnetta und René Adler hat man vier ehemalige Leistungsträger und Großverdiener abgegeben. Der neue Innenverteidiger Philipp Wollscheid (23, kam für 5 Mio. Euro aus Nürnberg) soll künftig den Laden zusammenhalten und seinen zuletzt oft schwächelnden Kollegen Daniel Schwaab, Ömer Toprak und Oldie Manuel Friedrich Halt geben. Rechtsverteidiger Daniel Carvajal (20) kommt wie auch Hoffenheims Joselu aus der Zweiten Mannschaft von Real Madrid, hat wie Hoffenheims Joselu eine ganze Stange Geld gekostet (5 Mio. Euro), gilt aber als großes Talent. Schlägt er ein, darf Gonzalo Castro künftig wohl des Öfteren im defensiven Mittelfeld ran. Ein Unbekannter ist der chilenische Stürmer Junior Fernandes (23, kam für 3,5 Mio. Euro von Club Universidad de Chile). Er dürfte sich als Vertreter von Stefan Kießling (28) einreihen, der nach starker Rückrunde (13 Tore) im Sturmzentrum gesetzt ist.

Interessante Spieler: Obwohl er bei der EM nur ein Spiel bestritt und dabei auch nicht immer glänzte, ist Lars Bender (23) der neue Star im Bayer-Mittelfeld. Flügelstürmer André Schürrle (21), für den wöchentlich neue Millionen-Offerten aus England und Italien ins Haus flattern, muss in seinem zweiten Jahr zulegen. Ansonsten dürften die Bayer-Verantwortlichen bald bereuen, ihn nicht verkauft zu haben. Die unbekannten Neuen Carvajal und Fernandes müssen ihre hohen Ablösen rechtfertigen. Bislang hatte Bayer oft ein gutes Händchen bei Spielern aus dem spanischsprachigen Raum. Renato Augusto (24), der sich kurz vor Saisonbeginn mal wieder verletzt hat, stagniert seit zwei Jahren. Noch dazu haben die Trainer im neuen 4-3-3-System mit drei defensiven Mittelfeldspielern „seine“ Zehner-Position abgeschafft.

Prognose: Das Trainergespann Lewandowski/Hyypiä scheint den Nerv der nicht immer ganz pflegeleichten Mannschaft zu treffen, die in der Vergangenheit schon den Übungsleitern Labbadia und Dutt den Gehorsam verweigerte. Im Mittelfeld gibt es Qualität im Übermaß, Angriff und Abwehr wirken dagegen etwas dünn besetzt. So fehlen ein zweiter überdurchschnittlicher Innenverteidiger und eine starke Alternative zu Stürmer Stefan Kießling. Für eine erneute Europa League-Teilnahme sollte die Qualität aber allemal reichen. Darüber hinaus erscheint Platz 4 erreichbar, bei optimalem Saisonverlauf sogar Platz 3. Ein zweiter Platz ist für „Vizekusen“ angesichts der enteilten Konkurrenz aus Dortmund und München aber nicht drin.

Borussia Mönchengladbach

Auch wenn man am Niederrhein in der Saisonvorbereitung bewusst tiefgestapelt hat und das 1:3 gegen Kiew im Champions League-Play off ein herber Dämpfer war, unterliegt auch der „Transfermeister 2012“ den Mechanismen des Marktes. Und die lauten: Erfolg = Geld. Geld = Erfolgsdruck. Mindestens die Europa League-Qualifikation sollte 2012/13 schon herausspringen, sonst droht die schöne neue Welt schnell wieder einzustürzen.

Um dies zu realisieren, hat man teuer und prominent eingekauft. Innenverteidiger Alvaro Dominguez (23), Mittelfeldspieler Granit Xhaka (19) und Stürmer Luuk de Jong (21), deren Dienste sich die Borussia 27 Millionen Euro kosten ließ, sollen die Lücken von Marco Reus, Roman Neustädter und Dante füllen, die immerhin 22 Millionen Euro in die Vereinskasse gespült haben. Die jungen Peniel Mlapa (21, zunächst verletzt) und Branimir Hrgota (19) sollen dem Kader in der Offensive mehr Breite verleihen.

Obwohl die erfolgreiche Elf der Vorsaison auf acht Positionen unverändert ist, wird sich das Spiel massiv verändern, weil Luuk de Jong kein 1:1-Ersatz für Marco Reus ist. Der Niederländer muss von den Kollegen vor dem Tor bedient werden. Reus ließ sich dagegen oft zurückfallen und initiierte viele Angriffe mit Tempodribblings oder Doppelpässen.

Interessante Spieler: Auf Luuk de Jong ruhen nicht nur Hoffnungen. Der junge Niederländer hat im Grunde die Pflicht, eine ähnliche Torquote zu erzielen wie Marco Reus in der Vorsaison, zumal seine Nebenleute Hanke, de Camargo oder Mlapa nicht gerade als Knipser verschrien sind. Granit Xhaka soll und kann mehr Spielmacheraufgaben erfüllen als sein Vorgänger Roman Neustädter. Alvaro Dominguez hat wegen des Olympischen Fußballturniers einen Großteil der Vorbereitung verpasst. Braucht er Zeit, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen, steht mit Roel Brouwers ein verlässlicher Ersatzmann parat.

Prognose: Die Vorsaison verlief nahezu perfekt. Das glückliche 1:0 bei Bayern am 1. Spieltag bescherte der Mannschaft einen Traumstart. Als auch die folgenden Spiele gut verliefen, war die Saison fast ein Selbstläufer. So einfach wird es dieses Mal nicht. Gladbach hat zwar prominent eingekauft, aber auch Qualität verloren. Bayern, Dortmund und Schalke sind ein bis zwei Klassen besser und abgezockter. Leverkusen und Wolfsburg drängen in die Champions League. Für die Wiederholung von Platz 4 bräuchte es also ein zweites Wunder. Tipp: Gladbach landet auf Platz 5 bis 8.

FC Schalke 04

Die Aufräumarbeiten sind so gut wie abgeschlossen. 17 Monate nach dem Ende der Ära Magath auf Schalke hat Manager Horst Heldt den ehemals über 40 Spieler umfassenden Kader auf 27 Mann reduziert. Einzig Fußball-Legende und Sympathieträger Raul (35) musste man nach zwei starken Jahren schweren Herzens ziehen lassen. Zugleich wurde die Mannschaft nur punktuell verstärkt: Leihspieler Chinedu Obasi (26) aus Hoffenheim wurde für 5 Millionen Euro fix verpflichtet, Flügelspieler Tranquillo Barnetta (27) und Sechser Roman Neustädter (24) kamen ablösefrei. Alle drei haben das Zeug zum Stammspieler, doch auch im ungünstigsten Fall dürften sie durch Einwechslungen auf einige Einsätze kommen.

Besonderheiten: Durch den Abgang Rauls wird sich das Schalker Spiel verändern. Lewis Holtby (21) oder Julian Draxler (18), denen Trainer Huub Stevens die Position hinter der einzigen Spitze Klaas-Jan Huntelaar (29) zutraut, strahlten in der Vergangenheit zu selten Torgefahr aus. Der gelernte Zehner José Manuel Jurado (26) ist an Phlegma kaum zu überbieten und dürfte nur dann zum Einsatz kommen, wenn Holtby und Draxler dauerhaft enttäuschen. Weil auch die offensiven Außen Jefferson Farfan (27) und Tranquillo Barnetta oder Chinedu Obasi eher Vorbereiter als Vollstrecker sind, wird sehr viel (zu viel?) von der Form Klaas-Jan Huntelaars (29) abhängen.

Interessante Spieler: Der „Hunter“ pokert gerade um den letzten großen Vertrag seiner Karriere. Man hat ein wenig den Eindruck, dass er nur dann auf Schalke verlängert, wenn er ein schwaches Jahr hat – weil ihn dann kein anderer Top-Verein haben möchte. Für Julian Draxler ist trotz seiner jungen 18 Jahre der „Welpenschutz“ bereits abgelaufen. Timo Hildebrand (33) scheint im Tor die Nase hauchdünn vor Lars Unnerstall (22) zu haben, der wiederum knapp vor Ralf Fährmann (23) liegt.

Prognose: Eigentlich ist Schalke glasklar auf Platz 3 gesetzt. Bayern und Dortmund dürften eine Nummer zu groß sein, die Konkurrenz aus Leverkusen, Wolfsburg oder Gladbach müssten die Königsblauen klar im Griff haben. Einzige Gefahrenquelle: Linksverteidiger Christian Fuchs und Mittelstürmer Klaas-Jan Huntelaar dürfen sich nicht verletzen oder in ein Formtief fallen. Beide sind auf ihren Positionen unersetzlich und nahezu konkurrenzlos, seit Raul bzw. Hans Sarpei (sic!) das Feld geräumt haben.

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