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Aug
24

Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2012/13 – Teil 5

Die 50. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Der fünfte und letzte Teil der Aktives Abseits-Saisonvorschau 2012/13 gehört ganz allein den beiden Top-Favoriten im Kampf um die Deutsche Meisterschaft, Bayern München und Borussia Dortmund.

Bayern München

Zwei Jahre „koan Titel“, dazu die Demütigung der drei zweiten Plätze in der Vorsaison – der FC Bayern wird in dieser Saison mehr denn je investieren, um sich seinen Status als Nummer eins in Deutschland zurückzuerobern. Den Champions League-Sieg kann man nicht planen, der DFB-Pokal-Sieg ist bei den eigenen Ansprüchen nur ein Trostpreis. Der Titel, den es zu gewinnen gilt, ist eindeutig die Deutsche Meisterschaft.

Der spektakulärste Neuzugang ist natürlich Matthias Sammer (44). Der einstige Meistertrainer von Borussia Dortmund und langjährige DFB-Sportdirektor soll in seiner Funktion als Sportvorstand das „Sieger-Gen“ – „Bayern-Gen“ kann man es nach den Pleiten der Vergangenheit kaum noch nennen – wieder in die Mannschaft implementieren. Sammer soll die Strukturen im Verein auf Herz und Nieren prüfen und den Club in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Die Spielertransfers zur neuen Saison gingen weitgehend noch ohne den Sportvorstand über die Bühne. Mario Mandzukic (26, Angriff), Claudio Pizarro (33, Angriff), Xherdan Shaqiri (20, Rechts- bzw. Linksaußen), Dante (28, Innenverteidiger), Tom Starke (31, Ersatztorwart) und Mitchell Weiser (18, rechter Flügel), die zusammen für rund 30 Millionen Euro an die Isar gewechselt sind, waren allesamt schon vor Sammers Amtsantritt am 2. Juli „eingetütet“. Auch am Kaugummi-Transfer von 40-Millionen Mann Javi Martinez (23, defensives Mittelfeld) ist Matthias Sammer nur am Rande involviert. Sammers Feuerprobe werden die Transfers zur Saison 2013/14 oder ggf. im kommenden Winter sein.

Bedarf hätte der FC Bayern vor allem in der Abwehr. In der Innenverteidigung ist nur Holger Badstuber (23) gesetzt. Um den Platz neben ihn streiten die etwas schwächer einzuschätzenden Jerome Boateng (23) und Dante. Oldie Daniel van Buyten (34) dürfte in seiner vermutlich letzten Bayern-Saison kaum mehr sein als ein Stand by-Profi.

Auch auf den Außenpositionen ist noch Luft nach oben: Zwar ist Kapitän Philipp Lahm (28) links wie rechts ein Top-Mann. Der gelernte Mittelfeldspieler David Alaba (20), der ab März 2012 hinten links brillierte, ist aber ebenso verletzt wie Linksverteidiger Diego Contento (22) und Rechtsverteidiger Rafinha (26). So muss zum Bundesligastart der gelernte Sechser Emre Can (18) hinten links aushelfen. Jerome Boateng, der im Verein wie in der Nationalmannschaft schon hinten links und rechts spielt, ist im Zentrum besser aufgehoben.

Der Sturm ist im Vergleich zum Vorjahr, als Ivica Olic und Nils Petersen kaum Druck auf Mario Gomez (27) ausübten, einen Tick stärker geworden. Vor allem in Mario Mandzukic hat der zuletzt gesetzte und konkurrenzlose Gomez einen ernsthaften Widersacher erhalten. Auch Claudio Pizarro ist immer noch einer der treffsichersten Stürmer der Bundesliga.

Im zentralen Mittelfeld, wo Bastian Schweinsteiger (28) trotz seiner verletzungsbedingt schwachen Rückrunde fest eingeplant ist, will man sich mit Javi Martinez einen Top-Mann holen, der vor allem die Herren Luiz Gustavo (25) und Anatoliy Tymoshchuk (33) in die Röhre schauen lässt. Auch für Toni Kroos (22) bzw. Thomas Müller (22) würde es durch den Martinez-Transfer eng, weil nur noch für einen der beiden in der Startelf Platz wäre, wenn alle Mann an Bord sind.

Interessante Spieler: Sofern die Verantwortlichen von Bayern und Bilbao (und deren Anwälte) vor dem Transferschluss noch eine Lösung in Sachen Javi Martinez finden, werden alle Augen auf den Spanier gerichtet sein, der Mario Gomez als teuersten Transfer der Bundesliga-Geschichte ablösen würde. Gomez wiederum hat erstmals seit Jahren in Mario Mandzukic wieder einen echten Konkurrenten im Sturm. Der Kroate hat die Verletzungspause des Nationalstürmers genutzt und im Supercup sowie im Pokal mächtig Eigenwerbung betrieben. Trainer Jupp Heynckes (67) gibt seinem verlängerten Arm Bastian Schweinsteiger nach außen hin alle Zeit der Welt, um wieder in Form zu kommen. Doch die Öffentlichkeit wird mit „Schweini“ nicht so geduldig sein. Last but not least: Der von allen Seiten gelobte Xherdan Shaqiri startet als Premium-Backup für Franck Ribéry und Arjen Robben in die Saison. Hat er womöglich gar das Zeug, einen der beiden zu verdrängen? Und wie würde der Verdrängte dann reagieren?

Prognose: Tor: top. Abwehr: gut. Mittelfeld: top. Angriff: gut. Mit dieser Bewertung und dem Extra-Kick, nach einer weiteren titellosen Saison wie eine Sau durch die Stadt getrieben zu werden, muss man mit den Bayern definitiv rechnen. Auch das „Finale dahoam“, das den Fokus im Vorjahr ein wenig von der Bundesliga weggelenkt hat, sollte allmählich abgehakt sein. Sofern die Bayern alles abrufen, führt die Meisterschaft nur über sie. Lediglich ein Konkurrent kann den Münchnern in die Suppe spucken.

Borussia Dortmund

Der eine oder andere – vor allem im Süden der Republik – wird den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2011 durch den BVB noch als Betriebsunfall abgetan haben. Immerhin ist das Stuttgart 2007 sowie Wolfsburg 2009 auch passiert, und der Absturz ließ nicht lange auf sich warten. Das Double im Vorjahr und fünf Siege in Serie gegen den FC Bayern haben aber auch dem Letzten klargemacht, dass Borussia Dortmund die Münchner mindestens eingeholt hat. Einziger Schandfleck in der Vorsaison war das Aus in der Champions League-Gruppenphase.

Um national vor dem FC Bayern zu bleiben und international mindestens das Achtelfinale zu erreichen, hat der BVB mit Marco Reus (23) den begehrtesten Spieler Deutschlands verpflichtet. Die festgeschriebenen 17 Millionen Euro, für die der Rotschopf aus Mönchengladbach in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist, sind rückblickend sogar ein Schnäppchen. Bereits heute würde der BVB für den „Fußballer des Jahres“ locker das Doppelte auf dem Transfermarkt erzielen können.

Zugegeben, mit Shinji Kagawa (23) haben die Dortmunder auch einen Weltklassespieler an Manchester United verloren. Doch Reisende soll man nicht aufhalten, und durch die Kagawa-Ablöse von 16 Millionen Euro hat man Marco Reus gleich refinanziert. Von einem Qualitätsverlust kann ebenfalls keine Rede sein.

Auch den Abgang von Stürmer Lucas Barrios (27), der sich nicht in die Rolle des Backup-Stürmers fügen wollte, kann man verkraften. Zwar besitzt „El Pantera“ internationales Format, und seine Dienste wären gerade in der Champions League von Nutzen gewesen. Allerdings brachte der Verkauf des Paraguayers nach China immerhin knapp 9 Millionen Euro ein. Und die Tatsache, dass Barrios bereits nach zwei Monaten wieder nach Europa zurückmöchte, spricht wohl ebenfalls dafür, dass der BVB in dieser Personalie alles richtig gemacht hat. Geld allein macht eben nicht jeden Kicker glücklich.

Julian Schieber (23) ist der neue Lewandowski-Backup. Nach einer starken Saison 2010/11 in Nürnberg kam Schieber im Vorjahr in Stuttgart verletzungsbedingt erst spät ins Rollen. Mit seiner starken Physis und einem großen Potenzial ist er jedoch genau der Spielertyp, den Trainer Jürgen Klopp nur zu gerne unter seine Fittiche nimmt. Nicht auszuschließen, dass Schieber zu mehr Starteinsätzen kommt, als man zunächst annimmt. Leonardo Bittencourt (18, offensives Mittelfeld) ist der dritte Neue beim BVB. Das Talent aus Cottbus (Sohn des Ex-Cottbusers und -Leipzigers Franklin Bittencourt) scheint im top besetzten offensiven Mittelfeld des BVB zunächst nur die Option Nummer 6 oder 7 zu sein. Doch ähnlich wie der 19-jährige Moritz Leitner, der als Zugang der Vorsaison anfangs ebenfalls hintendran schien, wird auch Bittencourt seine Chancen erhalten.

Stärken und Schwächen: Roman Weidenfeller (32) ist ein Top-Keeper. Die erste Abwehrreihe mit Marcel Schmelzer (24), Mats Hummels (23), Neven Subotic (23) und Lukasz Piszczek (27) ist die beste der Liga. Innen hat der BVB mit Felipe Santana (26) einen fast gleichwertigen Ersatz für Subotic. Auf den Außenbahnen wird es allerdings personell etwas dünn. Das defensive Mittelfeld verfügt sowohl über Kämpfer (Kehl, Bender) wie auch über spielstarke Sechser (Gündogan, Leitner, ggf. Götze). Das offensive Mittelfeld ist in der Breite das beste der Liga. Reus ist zentral gesetzt, links kämpfen der Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz (24) und Scharfschütze Ivan Perisic (23) auf hohem Niveau um einen Platz in der Startelf. Rechts hat Jürgen Klopp aber die eigentliche Qual der Wahl zwischen Jakub „Kuba“ Blaszczykowski (26) und Mario Götze (20). Franz Beckenbauer würde zum Dortmunder Mittelfeld sagen: „Da kannst‘ ajeden nehmen.“ In der Spitze ist Robert Lewandowski (24) nach seiner 22-Tore-Saison gesetzt. Der Pole wird allerdings seit Monaten heftig umworben, und sein Berater bremst die Gerüchte um seinen Klienten nicht gerade ein. Gut möglich, dass uns das Thema noch eine Weile beschäftigt und dass Lewandowski der nächste Dortmunder Spieler nach Nuri Sahin und Shinji Kagawa ist, der dem Ruf des Auslands erliegt.

Interessante Spieler: Bereits in der Vorbereitung hat Marco Reus gezeigt, dass er sich nahtlos ins Dortmunder Spiel einfügt. Mit ziemlicher Sicherheit wird er national wieder brillieren. Spannend wird vor allem, die „Rakete“ bald in der Champions League im Vergleich mit den Besten zu sehen. Nach eineinhalb Jahren, in denen es nur steil nach oben ging, hat Mario Götze ein rabenschwarzes erstes Halbjahr 2012 hinter sich. Wegen einer hartnäckigen Schambeinentzündung verlor er seinen Stammplatz beim BVB an den bärenstarken „Kuba“, auch bei der EM spielte er nicht die erhoffte Rolle. Nun steht Mario Götze ein wenig im Schatten seines Kumpels Reus und muss sich zudem seinen Stammplatz zurückerkämpfen. Vielleicht findet der Supertechniker ja auf dem linken Flügel seinen Platz in der Startelf – zum Leidwesen von Großkreutz und Perisic.

Prognose: Davon ausgehend, dass der BVB sich in der Champions League nicht noch einmal so abkochen lässt wie im Vorjahr, wird sich im Frühjahr 2013 ein gewisser Kräfteverschleiß bemerkbar machen. Ohnehin dürfte es eine weitere Rekordsaison mit 81 Zählern und 28 Spielen in Folge ohne Niederlage so schnell nicht mehr geben. Trotzdem: Der BVB ist eingespielt, besitzt eine enorme Qualität, 9 der 11 Stammspieler sind noch deutlich unter 30 und haben immer noch Entwicklungspotenzial. Hinzu kommt, dass der Druck in der Meisterschaft eindeutig beim FC Bayern liegt. Tipp: Der BVB macht es den Münchnern extrem schwer. Nur großes Verletzungspech oder ein Formtief ungeahnten Ausmaßes können verhindern, dass Dortmund die Meisterschaft bis zum Schluss offenhält.

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