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Aug
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Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2013/14 – Teil 1

Die Bundesliga-Saison 2013/14 steht vor der Tür. Wie stehen die Chancen von Braunschweig, Berlin, Hoffenheim, Augsburg, Bremen und Mainz? Wartet auf sie der Abstiegskampf, oder führt ihr Weg in der 51. Bundesligasaison nach oben?

Eintracht Braunschweig: Against all odds

Vor vier Jahren entging der Deutsche Meister von 1967 nur knapp dem Abstieg in die Regionalliga. Nun sind die „Löwen“ nach 28 Jahren Abstinenz in die Bundesliga zurückgekehrt. Angesichts dieser Vorgeschichte ist klar, dass die Eintracht als großer Underdog in die Saison 2013/14 gehen wird.

Das Erfolgsgeheimnis der Braunschweiger liegt in der Kontinuität. Gemeinsam mit Manager Marc Arnold ist es Trainer Torsten Lieberknecht (40) in den vergangenen fünf Jahren gelungen, aus Talenten auf der einen Seite und im Profifußball gescheiterten Akteuren auf der anderen Seite eine funktionierende Mannschaft zu bauen.

Zu letzterem Typus gehören die beiden Kapitäne Dennis Kruppke (33) und Domi Kumbela (29), die einst in Freiburg bzw. Kaiserslautern nicht über die Reservistenrolle hinauskamen, in Braunschweig aber von der 3. bis in die 1. Liga leistungsmäßig mitgewachsen sind und die Mannschaft geführt haben. Das Team behält auch im Oberhaus sein (unbekanntes) Gesicht, der Kader wurde nur punktuell verstärkt. Prominenteste Neuzugänge: der Ex-Mainzer Marco Caligiuri (29) und der Ex-Augsburger Torsten Oehrl (27).

Interessante Spieler: Da nur Caligiuri, Kruppke und Oehrl mehr als zehn Bundesligaspiele absolviert haben, steht jeder Akteur angesichts der Herausforderung Bundesliga im Fokus. Gespannt sein darf man aber vor allem auf Abwehrchef Ermin Bicakcic (23) und Rechtsverteidiger Omar Elabdellaoui (22).

Prognose: Nicht wenige sehen in der Eintracht schon jetzt den logischen Nachfolger von Greuther Fürth und damit den ersten sicheren Absteiger. Dass die Mannschaft der Star bleibt, scheint der einzig erfolgversprechende Weg zu sein. Braunschweig kann die Klasse nur über Homogenität halten. Dennoch bedarf es dazu wohl eines kleinen Fußballwunders. Das 0:4 gegen Bilbao und das 0:3 gegen West Ham United in der Endphase der Vorbereitung sowie das Pokal-Aus bei Arminia Bielefeld unterstreichen diesen Eindruck. Tipp: Braunschweig steigt als Schlusslicht sofort wieder ab.

Hertha BSC: Stagnation als Fortschritt

Nach den Abstiegen 2010 und 2012 sowie den direkten Wiederaufstiegen 2011 und 2013 kann das Ziel der Berliner nur lauten, einen erneuten Ligawechsel zu verhindern. Das nötige Rüstzeug für den Klassenerhalt bringt das Team von Trainer Jos Luhukay (50) mit. Der Zweitligameister ist eingespielt, hat keinen Leistungsträger verloren und die Mannschaft auf vier Positionen punktuell verstärkt.

Sämtliche Neu-Herthaner haben bereits unter Luhukay gearbeitet: Mittelfeldspieler Hajime Hosogai (27) und Innenverteidiger Sebastian Langkamp (25) beim FC Augsburg, Linksverteidiger Johannes van den Bergh (26) und Spielmacher Alexander Baumjohann (26) bei Borussia Mönchengladbach.

Alle Positionen sind mindestens doppelt besetzt. Im Angriff tobt der härteste Konkurrenzkampf um den einzigen Platz im 4-2-3-1-System zwischen Adrian Ramos (27), Pierre-Michel Lasogga (21), Sami Allagui (27) und Sandro Wagner (25). Überdurchschnittlich gut besetzt ist das zentrale defensive Mittelfeld mit Hosogai, Peer Kluge (32), Peter Niemeyer (29) und Fabian Lustenberger (25).

Interessante Spieler: In der Kreativzentrale wird viel von Ronny (27) abhängen. Der Brasilianer war in der abgelaufenen Zweitligasaison mit 18 Toren und 14 Vorlagen der Topscorer des Teams. Seine Erstligatauglichkeit muss der Linksfuß, der fast schon traditionell mit erheblichem Übergewicht aus dem Urlaub kam, aber noch nachweisen. John Brooks (20) bildete mit Lustenberger das beste Innenverteidiger-Duo der 2. Liga. Wie wird sich Deutsch-Amerikaner im Oberhaus zurechtfinden?

Prognose: Auch wenn die Stimmung in Berlin besonders in der Krise schnell extreme Züge annimmt, sollte die Mannschaft um ihren besonnenen Trainer Luhukay die nötige Qualität und Ruhe mitbringen, um mindestens drei Mannschaften hinter sich zu lassen. Doch das dachte man vor zwei Jahren auch schon. Tipp: Platz 12 bis 16.

1899 Hoffenheim: Wurzelbehandlung

Eigentlich waren sie schon abgestiegen. Mehrfach sogar. Doch dank der nötigen Schützenhilfe und der Rückbesinnung auf traditionelle Stärken hat die TSG über die Relegation doch noch den Klassenerhalt geschafft. In den beiden Partien gegen den 1. FC Kaiserslautern hat die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol (43) dabei unterstrichen, zu welch spielerisch und taktisch reifen Leistungen sie imstande ist.

Alte Zöpfe wurden in der Sommerpause radikal abgeschnitten, die so genannte „Trainingsgruppe zwei“ um die zum Verkauf stehenden Fehlgriffe Tim Wiese (31) und Eren Derdiyok (25) wurde von den Spielern isoliert. Den Kraichgauern ist eine sehr junge Mannschaft geblieben, in der Sejad Salihovic (28), David Abraham (27) und Andreas Beck (26) die „Senioren“ sind.

Anders als in den vergangenen Jahren sind die Neuzugänge eher der Kategorie Talent als Star zuzuordnen. Dem norwegischen Nationalspieler Tarik Elyounoussi (25, Rosenborg Trondheim) und dem französischen Mittelstürmer Antony Modeste (25, Girondins Bordeaux) ist am ehesten der Sprung in die erste Elf zuzutrauen. Aus der zweiten Reihe drängen Youngster wie Robin Szarka (21), Jeremy Toljan (18) oder Niklas Süle (17) nach.

Interessante Spieler: U-21-Nationalstürmer Kevin Volland war in der abgelaufenen Saison mit sechs Toren und zwölf Vorlagen einer der wenigen Lichtblicke. In seinem zweiten Bundesligajahr ist der nächste Schritt zu erwarten. Keeper Koen Casteels (21) geht als klare Nummer eins in die Saison. In der abgelaufenen Spielzeit steigerte sich der Belgier kontinuierlich und war gerade in den entscheidenden Partien ein Rückhalt. Innenverteidiger Jannick Vestergaard (21) hat sich in der abgelaufenen Saison zur Stammkraft entwickelt. Auch der Deutsch-Däne hat noch jede Menge Entwicklungspotenzial.

Prognose: Auch wenn Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach in der jüngeren Vergangenheit bewiesen haben, dass eine Last-Minute-Rettung schnurstracks in den Europapokal führen kann, sollte man eine solche Entwicklung von der TSG nicht erwarten. Die jüngste Mannschaft der Liga kann bei einem guten Start aber sehr wohl eine ruhige Saison hinlegen. Tipp: Platz 9 bis 13.

FC Augsburg: Aller guten Dinge sind drei?

Auch der FC Augsburg konnte sich erst in allerletzter Minute retten. Einer historisch schwachen Hinrunde mit neun Punkten folgte eine starke Rückserie, in der die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl (38) 24 Zähler erringen und am letzten Spieltag noch auf Platz 15 springen konnte. Damit konnte der FCA auch im zweiten Erstligajahr der Vereinsgeschichte gerade noch den Kopf aus der Schlinge ziehen. Auf einen dritten Kraftakt dieser Art wollen es die Schwaben nicht ankommen lassen.

Mit Simon Jentzsch (37) hat die langjährige Nummer eins die Handschuhe an den Nagel gehängt, zudem konnten die beiden starken Südkoreaner Ja-Cheol Koo (24, VfL Wolfsburg) und Dong-Won Ji (22, AFC Sunderland) nach abgelaufener Leihe nicht gehalten werden. Manager Stefan Reuter hat mit Hamit Altintop (30, Trabzonspor) und dem talentierten Leihspieler Raphael Holzhauser (20, VfB Stuttgart) allerdings kostengünstig guten Ersatz verpflichtet.

Hinter der Leistungsfähigkeit des mittlerweile 30-jährigen Altintop, der einst ein Top-Angreifer der Bundesliga war, steht allerdings nach mehreren schwächeren Jahren ein Fragezeichen. Probleme gibt es im Tor, wo Stammkeeper Alex Manninger (36) zum Start verletzt fehlen wird. Im linken Mittelfeld muss Antreiber Tobias Werner (28) zunächst passen. Von den Angreifern hat nur Sascha Mölders (28) zuletzt Bundesligaformat nachgewiesen.

Interessante Spieler: Für Altintop ist Augsburg wohl die letzte Chance auf höchstem Level. Mölders ist Publikumsliebling und Kultfigur. Im Vorjahr erzielte der Malocher zehn der 33 Augsburger Tore. André Hahn (22), der im Januar von Drittligist Offenbach kam, fügte sich zwei Klassen höher gleich gut ein und lässt auf einen weiteren Sprung hoffen.

Prognose: Die für Augsburger Verhältnisse prominenten Transfers des Vorjahres (Ottl, Bancé, Sio, Petrzela, Musona) spalteten das Team. In der Rückrunde setzte Trainer Markus Weinzierl auf einen verschworenen Kern, der die Trendwende schaffte. Dieser muss 2013/14 wieder genauso funktionieren, damit der FCA erneut über dem Strich landet. Mittlerweile weiß auch die Konkurrenz, dass man Augsburg nie abschreiben sollte. Nicht zuletzt deswegen wird es eine schwere Saison. Tipp: Platz 14 bis 17.

Werder Bremen: Balanceakt am Abgrund

Vor drei Jahren noch in der Champions League und einer der Top-Klubs in Deutschland, hat Werder Bremen in den letzten Jahren einen radikalen Absturz erlebt. Der Klassenerhalt in der Vorsaison wurde nur dank des großen Punktepolsters aus der Hinrunde bewerkstelligt – und weil die Konkurrenz sich noch dümmer anstellte.

Mittlerweile sind die Grün-Weißen gewarnt: Wollte man im Vorjahr noch einen Umbruch auf hohem Niveau vollziehen und mit Glück auf einem Europa-League-Platz landen, wurden die Erwartungen im Jahr eins nach Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs bewusst klein gehalten. Neu-Trainer Robin Dutt (48) und der seit Februar amtierende Thomas Eichin (46) wissen nicht erst seit der schwachen Vorbereitung mit vier Pleiten in Folge und dem Pokalaus bei Drittligist Saarbrücken, dass ohne Geld und mit vielen unerfahrenen Spielern nur der Klassenerhalt zählen kann.

Zwar scheint ein Verkauf von Dauer-Problemkind Marko Arnautovic (24) noch im Bereich des Möglichen, doch selbst mit ein paar Millionen Euro „Spielgeld“ könnte Werder sich maximal auf ein bis zwei Positionen deutlich verstärken. Die Probleme sind jedoch vielschichtig: Mit Sokratis (25, Borussia Dortmund) und Kevin de Bruyne (22, nach Leihe zurück zum FC Chelsea) haben der Defensiv-Stabilisator und der beste Offensivspieler den Verein verlassen. Besonders die Abwehr um den umstrittenen Torhüter Sebastian Mielitz (24) bereitet Sorgen. Nur Kapitän und Rechtsverteidiger Clemens Fritz (32) strahlte zuletzt Sicherheit aus. Dazu fehlt ein zweiter Torgarant neben Nils Petersen (24).

Mit Luca Caldirola (22, Inter Mailand, zuletzt an Brescia Calcio ausgeliehen) wurde ein Innenverteidigertalent verpflichtet, das abgesehen von zahlreichen Junioren-Länderspieleinsätzen für Italien nur über Serie-B-Erfahrung verfügt. Im Mittelfeld soll der für drei Millionen Euro aus Freiburg geholte Dutt-Schüler Cedrick Makiadi (29) für die zuletzt fehlende Stabilität sorgen. In der Offensive muss es das Personal der Vorsaison richten, wobei Dutt große Hoffnungen in den nach seiner nächtlichen Autofahrt begnadigten Eljero Elia (26) setzt.

Interessante Spieler: Wer ist in der kommenden Saison nicht interessant bei Werder? Elia steht (abermals) vor seiner vermeintlich letzten Chance, ebenso wie der nun defensiver eingesetzte Techniker Mehmet Ekici (23). Mielitz muss im zweiten Jahr als Nummer eins seine Fehler abstellen. Die auf Schlüsselpositionen eingesetzten Neuzugänge Caldirola und Makiadi müssen sofort funktionieren. Aaron Hunt (26) wurde zum Schlüsselspieler in der Offensive auserkoren, nach Mesut Özils Weggang 2010 war diese Aufgabe aber meist eine Nummer zu groß für den Nationalspieler. Die hochgelobten Youngster aus der zweiten Reihe (Hartherz, Füllkrug, Kroos) müssen den nächsten Schritt machen.

Prognose: Das Momentum spricht vor dem Saisonstart ganz eindeutig gegen Werder Bremen. Der Schwung des Trainerwechsels scheint nach den Darbietungen der letzten Wochen schon wieder verflogen. Misslingt der Start gegen die potenziellen Mitbewerber um den Klassenerhalt aus Braunschweig und Augsburg, ist Werder gleich wieder unten drin – dass sich in diesem Fall kein Negativstrudel entwickelt, fällt schwer zu glauben. Doch auch bei gutem Start landet Bremen in der unteren Tabellenhälfte. Tipp: Platz 12 bis 17.

FSV Mainz 05: Raus aus dem Mittelmaß?

Die letzten beiden Spielzeiten der Mainzer waren unspektakulär. Irgendwie spielte der FSV immer ganz gut mit, ohne allerdings zu glänzen. Und wenn die Elf von Thomas Tuchel (39) den Zug nach oben hätte nehmen können, folgte in schöner Regelmäßigkeit ein Rückschlag. Am Ende stand zweimal Rang 13 – doch dieses Jahr könnte mehr gehen.

Zwar wiegt der Verlust von Defensivallrounder Jan Kirchhoff (22, ablösefrei zu Bayern München) und Torjäger Adam Szalai (25, für acht Millionen Euro nach Schalke) schwer, doch dessen Ablöse sowie die Vier-Millionen-Nachschlag aus dem Schürrle-Transfer von Leverkusen zum FC Chelsea hat den 05ern einen erheblichen Spielraum verschafft. Diesen nutzte Manager Christian Heidel, indem er die Mannschaft für etwas mehr als fünf Millionen Euro in der Breite verstärkte: Defensivallrounder Julian Koch (22, Dortmund), Linksverteidiger Joo-Ho Park (26, FC Basel), die Mittelfeldspieler Christoph Moritz (23, Schalke) und Johannes Geis (19, Fürth) sowie die flexibel einsetzbaren Angreifer Shinji Okaziaki (27, Stuttgart), Sebastian Polter (22, Wolfsburg) und Dani Schahin (23, Düsseldorf) haben allesamt das Zeug zur Stammkraft – im persönlich ungünstigsten Fall verstärken sie Mainz in der Breite. Damit dürfte der FSV alles in allem besser aufgestellt sein als in der Vorsaison.

Allerdings bleiben auch Defizite: Im Tor scheint Thomas Tuchel weder Heinz Müller (35) noch Christian Wetklo (33) so recht zu vertrauen. Die Oldie-Abwehr um Zdenek Pospech, Nikolce Noveski und Bo Svensson (alle 34) braucht dringend eine Verjüngung. Von Neu-Nationalspieler Nicolai Müller (25) abgesehen, fehlen außerdem Spieler mit Wow-Effekt. Doch der FSV geht den Weg, sich als Team ohne Flair Player zu definieren, ganz bewusst.

Interessante Spieler: Für sämtliche Neuzugänge ist Mainz der Schritt zu mehr Spielzeit – und damit die Chance, sich (wieder) für größere Vereine interessant zu machen. Für solche ist Nicolai Müller spätestens seit seinem Nationalmannschaftsdebüt interessant geworden. Gleiches gilt für Sechser Julian Baumgartlinger (beide 25). Sie könnten die nächsten sein, für die Mainz eine Nummer zu klein wird.

Prognose: Trotz der vielen Veränderungen wirkt die Mannschaft homogen. Das Fehlen eines sicheren Rückhalts wie auch eines Knipsers könnten zum Problem werden. Typisch für Mainz wäre, diese Defizite als Team aufzufangen. Die Tuchel-Elf hat Luft nach oben, um die Europapokalplätze kämpfen aber ganz andere Kaliber. Tipp: Platz 9 bis 13.

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