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Aug
09

Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2013/14 – Teil 3

Die Bundesliga-Saison 2013/14 steht vor der Tür. Wie stehen die Chancen von Eintracht Frankfurt, SC Freiburg, Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und Bayern München? Welchem Europapokalteilnehmer gelingt der erneute Sprung in den internationalen Wettbewerb? Und wer kann die Bayern gefährden?

Eintracht Frankfurt: Das schwierige zweite Jahr?

Was die Eintracht im letzten Jahr geleistet hat, war schon sensationell. Mit zahllosen Spielern, die bis dato mit dem Stempel „guter Zweitligakicker“ versehen waren, zog der Aufsteiger in die Europa League ein. Das hatte zuletzt die große – wenn auch titellose – Mannschaft der frühen 90er um Uwe Bein und Anthony Yeboah geschafft. Zur Belohnung darf die Elf von Trainer Armin Veh (52) nun Europa bereisen. Sofern die SGE die Playoffs Ende August besteht, sind acht Europapokalnächte bis Weihnachten garantiert.

Doch nach der Traumsaison ist vor der neuen Spielzeit. Und Frankfurt hat in Vorstandsboss Heribert Bruchhagen einen Mann an der Klubspitze, der wahrscheinlich auch dem Kölner Karneval die Fröhlichkeit rauben könnte. Mit seinem ausgeprägten Zweckpessimismus wird der 64-Jährige dafür sorgen, dass weder das Portemonnaie übermäßig geöffnet wird (zum Verdruss von Veh), noch die erneute Europapokalqualifikation als Ziel ausgegeben wird (zum Verdruss der Fans). „Stabilisierung“ lautet das Schlagwort im zweiten Erstligajahr.

Damit dies gelingt, wurde der Kader in der Breite verstärkt. Mit den Freiburgern Jan Rosenthal (27, ablösefrei) und Johannes Flum (25/2,2 Millionen Euro Ablöse) wurden für die vielseitige Kräfte geholt, die das Zeug zur Stammkraft haben. Der aus Hoffenheim ausgeliehene Angreifer Joselu (23) sollte gegenüber dem enttäuschenden Olivier Occean (31, zum 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen) ein Upgrade darstellen. Mit Stephan Schröck (26, 1899 Hoffenheim, beide Außenbahnen), Felix Wiedwald (23, MSV Duisburg, Ersatzkeeper) und Marvin Bakalorz (23, Borussia Dortmund, Mittelfeld) wurden günstige Alternativen verpflichtet. Zudem ist Innenverteidiger Marco Russ (27) nach vorheriger Leihe nun endgültig aus Wolfsburg zurückgekehrt. Der tschechische Stürmer Vaclav Kadlec (21, Sparta Prag) bleibt ein Wunschkandidat. Sollte der Transfer noch gelingen, wäre der Kader komplett.

Die Top-Personalien des Sommers sind aber Spieler, die schon länger im Verein sind: Dass die Eintracht trotz zahlungskräftiger Konkurrenz mit Rechtsverteidiger Sebastian Jung (23) bis 2015 verlängern konnte und die Mittelfeldzentrale mit Kapitän Pirmin Schwegler (26) und Sebastian Rode (22) zumindest noch ein weiteres Jahr am Main halten konnte, dürfte für Stabilität sorgen. Von einem echten Torjäger abgesehen – wobei der bis Saisonende aus Wolfsburg ausgeliehene Srdjan Lakic (29) das Zeug zu einem solchen hat – ist die Mannschaft ausgewogen besetzt. Dass man sich mit Nicklas Bendtner (25/FC Arsenal) keinen Großverdiener in den Adlerhorst geholt hat, dessen Leistungsfähigkeit obendrein infrage steht, dürfte der mannschaftlichen Geschlossenheit nicht geschadet haben.

Interessante Spieler: Keeper Kevin Trapp (23) hatte herausragende Leistungen gezeigt, bis er sich im März bei Werbeaufnahmen für den DFB die Hand brach. Weil Bundestrainer Jogi Löw nicht gerade ein Faible für Dortmunds Schlussmann Roman Weidenfeller hat, könnte Trapp sich mit einer weiteren guten Saison vor ter Stegen und Zieler noch das WM-Ticket als dritter Keeper schnappen. Alex Meier (29) erzielte in der Vorsaison mit 16 Toren seinen Bundesliga-Bestwert. Die Messlatte liegt für ihn in der neuen Saison also sehr hoch. Die Schlüsselspieler Schwegler und Rode wurden (zu Recht) mit Lob überhäuft. Wenn sie ihre Leistungen bestätigen, sollte das Gerüst stehen. Ein Absturz wäre dann kein Thema mehr.

Prognose: Die Eintracht kann nun niemanden mehr überraschen, doch die eingespielte Mannschaft scheint gut und tief genug aufgestellt, um die Dreifachbelastung wegstecken und die Liga souverän halten zu können. Um erneut oben mitzuspielen, müsste sich wohl erneut ein Lauf wie in der Hinrunde der Vorsaison einstellen. Tipp: Platz 7 bis 11.

SC Freiburg: Alles neu – auch alles gut?

Kein Bundesligaverein wurde von der Konkurrenz so „leergekauft“ wie der SC Freiburg, der in der Saison 2012/13 vielen Arrivierten eine lange Nase zeigen und als Fünfter in die Europa League einziehen konnte. Die Breisgauer müssen nun aber fast ihre komplette Offensivabteilung ersetzen. Auf dem Papier hat das gut geklappt. Trotzdem sind so viele Fragezeichen geblieben, dass sich kaum eine seriöse Prognose über das Abschneiden der Mannschaft treffen lässt.

Der Verlust von fünf wichtigen Speilern wiegt schwer. Aufgrund von Ausstiegsklauseln verabschiedeten sich Mittelfeldstratege Cedrick Makiadi (29, Werder Bremen), Sechser Johannes Flum (25, Eintracht Frankfurt), Linkaußen Daniel Caligiuri (25, VfL Wolfsburg) und Elf-Tore-Mann Max Kruse (25, Borussia Mönchengladbach). Zusammen spülten sie 10,2 Millionen Euro in die Klubkasse. Ablösefrei wechselte zudem Jan Rosenthal (27) nach ausgelaufenem Vertrag zu Eintracht Frankfurt.

Ihre Ersatzleute verfügen allesamt über großes Potenzial, doch jeder von ihnen hat auch einen „Haken“: Für den Schweizer Nationalspieler Gelson Fernandes (26, kam für 400.000 Euro von Sporting Lissabon) ist Freiburg bereits die siebte Profistation im sechsten Land. Er kann ebenso auf der Sechs spielen wie der gelernte Außenverteidiger Francis Coquelin (22, bis 2014 vom FC Arsenal ausgeliehen), der in den letzten beiden Spielzeiten unter Arsène Wenger zu 39 Einsätzen kam. Auf den offensiven Außenpositionen sollen Vaclav Pilar (24, bis 2014 vom VfL Wolfsburg ausgeliehen) und Felix Klaus (20, kam für 1,3 Millionen von Greuther Fürth) die Konkurrenz beleben. Einer von beiden wird wohl das Caligiuri-Erbe antreten. Mit dem in Gladbach aussortierten Angreifer Mike Hanke (29, ablösefrei) ist dem SC im Preis-Leistungs-Verhältnis ein echter Coup geglückt. In Admir Mehmedi (22, Dynamo Kiew) stößt ein weiterer Leihspieler zum SC Freiburg, der in der Offensive fast jede Position bekleiden kann. Der Schweizer besitzt großes Talent, nur fehlt ihm die Spielpraxis. Last but not least hat sich der SC mit dem Franzosen Christopher Jullien (20, ablösefrei von AJ Auxerre) einen frischgebackenen U-20-Weltmeister geangelt, der den etablierten Innenverteidigern Matthias Ginter, Fallou Diagne und Immanuel Höhn Druck machen soll.

Wenn Trainer Christian Streich (48) ein Problem hat, dann ist es die weglaufende Zeit. Fünf von sieben Positionen in Mittelfeld und Angriff neu zu besetzen, ist eine gewaltige Herausforderung. Die vielen Spiele durch die Europapokalteilnahme können hierbei helfen, weil Wettkampf das beste Training ist. Bleiben die Ergebnisse jedoch aus, könnte sich ein Negativstrudel in Gang setzen wie schon nach den Europacupteilnahmen 1995 (im Folgejahr knapper Klassenerhalt) und 2001 (Abstieg in der Folgesaison).

Interessante Spieler: Alle Neuen müssen sich beweisen. Herauszuheben ist Pilar, der bei der EM 2012 im Trikot der Tschechen auftrumpfte, seit einem Jahr aufgrund von Verletzungen aber kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. Von den Arrivierten stehen der umworbene Verteidiger Matthias Ginter (19) und Rechtsaußen Jonathan Schmid (23) im Fokus. Der Franzose schoss im Vorjahr wie Kruse elf Tore. Umgeben von lauter Neuen kommt ihm in der Offensive eine wichtige Rolle zu.

Prognose: Der Mannschaft ist im Positiven wie im Negativen viel zuzutrauen. Nach Europa dürfte die Reise auch im günstigsten Fall nicht mehr führen, auf der anderen Seite ist (eigentlich) zu viel Potenzial für den Abstiegskampf vorhanden. Tipp: Platz 10 bis 13.

FC Schalke 04: Eine Frage der Mentalität

Nach der abgelaufenen Saison, die der FC Schalke 04 trotz unzähliger Turbulenzen noch auf dem Champions-League-Qualifikationsplatz vier abschließen konnte, erklärte Vorstandsboss Clemens Tönnies, dass man bei der Kaderzusammenstellung für die Saison 2013/14 vermehrt auf den Charakter der Spieler achten wolle. Damit hat er in einem (unbedacht geäußerten?) Satz erklärt, woran es im Verein in den vergangenen Jahren gekrankt hat.

Der FC Schalke 04 der Vorsaison hatte nicht aufgrund fehlender Klasse ein schwieriges Jahr. Qualität war sogar in hohem Maße vorhanden. Doch Spieler vom Schlage eines Ibrahim Afellay oder Michel Bastos, die zu sehr auf ihr eigenes Spiel bedacht waren und den Mannschaftserfolg hintenanstellten, haben der Mannschaft nicht immer gut getan. Dass die beiden Leihspieler nun weg sind, bedauern in Gelsenkirchen wenige. Neben ihnen hat der Verein vor allem Spieler aus der zweiten Reihe abgeben, die größtenteils mit gut dotierten Arbeitspapieren ausgestattet waren, allen voran José Manuel Jurado (26, nach Leihe fix zu Spartak Moskau).

Viele der Schalker Neuzugänge sind auf den ersten Blick keine Schnäppchen, doch aufgrund von Ausstiegsklauseln hat Sportvorstand Horst Heldt (43) immer noch zu einem überschaubaren Preis einkaufen können. Der teuerste Neuzugang ist Adam Szalai (25, für 8 Millionen Euro vom FSV Mainz 05 gekommen), der in der abgelaufenen Saison 13 Tore erzielte und nun den Ein-Mann-Sturm um Klaas-Jan Huntelaar (29) ergänzen bzw. entlasten soll. Auch Linksaußen Christian Clemens (22, 1. FC Köln/2,3 Millionen Euro), Supertalent Leon Goretzka (18, VfL Bochum/2,5 Millionen Euro) und Abwehrrecke Felipe Santana (27, Borussia Dortmund/1 Million Euro) wurden zu vorher fixierten Beträgen geholt. Mit ihnen hat der Verein vier potenzielle Startelfspieler hinzugewonnen. Und selbst wenn das Quartett nicht zur ersten Elf gehören sollte, ist S04 in der Breite so gut aufgestellt wie lange nicht mehr.

Schwachstellen sind die Torhüterposition, weil Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand (34) zuletzt nicht mehr die Klasse früherer Jahre erreicht. Diskussionen könnten auch in der neuen Saison immer mal wieder aufkommen. Hinten rechts muss der gelernte Mittelfeldspieler Marco Höger (23) oft aushelfen, weil Atsuto Uchida (25) hin und wieder einen „Wackelfuß“ hat. Durch den plötzlichen Abgang von Michel Bastos (30) in die Vereinigten Arabischen Emirate ist zudem eine Vakanz auf dem linken offensiven Flügel aufgetreten. Dafür ist die Mannschaft von Jens Keller (42), der sich gegen alle Widerstände seit im Amt gehalten hat und nun vermeintlich sicher im Sattel sitzt, gerade auf den Schlüsselpositionen Innenverteidigung, zentrales Mittelfeld und Angriff top besetzt.

Interessante Spieler: Jeder spricht in diesen Tagen von Julian Draxler. Der 19-Jährige hätte im Sommer zu Real Madrid oder zum FC Chelsea wechseln können, doch er hat sich zum Bleiben entschieden, um zu reifen. Gelingt ihm das, wird der Nationalspieler, der neuerdings mit der Nummer „10“ aufläuft, ziemlich sicher im kommenden Sommer seine Koffer packen. Torjäger Huntelaar hat, auch aufgrund von Verletzungen, ein Katastrophenjahr hinter sich. Vom Torschützenkönig der Saison 2011/12 ist wieder eine deutliche Steigerung zu erwarten. Um Goretzka kämpfte Schalke über Wochen mit dem VfL Bochum. Fast wäre der Fall vor dem Arbeitsgericht gelandet. Nun ist das Talent da – und muss sich in der Mittelfeldzentrale gegen Kaliber wie Jermaine Jones (31) und Roman Neustädter (25) durchsetzen.

Prognose: Schalke steht personell besser da als vor einem Jahr. Für alle Neuzugänge ist der Verein der nächste Schritt in der Karriere, und nicht wie bei beispielsweise bei Afellay eine Zwischenstation. Zugleich heizen Szalai, Clemens & Co. den Konkurrenzkampf an. Das Umfeld war im Sommer fast beängstigend ruhig. Gelingt die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League, wird diese Ruhe erst einmal anhalten. Jens Kellers Aufgabe wird es sein, die Mannschaft auf Zug zu halten. Gelingt ihm das, ist Platz vier Pflicht, Platz drei ein realistisches Ziel und Platz zwei das höchste der Gefühle. Der Tipp lautet daher: Platz 2 bis 4.

Bayer Leverkusen: Die Unsichtbaren

Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist ein Mann, der seinem Frust gern Luft macht. Das war zu Bundestrainerzeiten so, das hat sich bis heute nicht geändert. Und so ist niemand mehr wirklich aufgeschreckt, als der 53-Jährige vor wenigen Wochen bemerkte, dass der FC Bayern den Rest der Liga erdrücke und dass neben dem Branchenführer allenfalls noch Borussia Dortmund wahrgenommen werde.

Letztlich hat Völler damit etwas ausgesprochen, was absolut der Wahrheit entspricht: Sein Verein, der im Vorjahr die ach so geliebte Vizemeisterschaft nur um einen Punkt verfehlt hat, zieht kaum jemanden mehr in seinen Bann. Der fußballerische Glanz, den Bayer um die Jahrtausendwende ausstrahlte, ist trotz immer noch ordentlichen Spiels verflogen. Die „Werkself“ polarisiert nicht – doch in dieser Nische lässt sich auf der anderen Seite auch ruhiger arbeiten als in Gelsenkirchen, Hamburg oder Berlin. Und das könnte den Leverkusenern sportlich zum Vorteil gereichen.

Allerdings hat die Elf von Trainer Sami Hyypiä (39), der seit dieser Saison von seinem gleichberechtigten Partner Sascha Lewandowski „befreit“ ist, in Linksaußen André Schürrle (22, für 23 Millionen Euro zum FC Chelsea) und Rechtsverteidiger Daniel Carvajal (21, per Rückkaufklausel für 6,5 Millionen Euro zu Real Madrid) zwei echte Stützen verloren. Mit Michal Kadlec (28, Fenerbahce), Hajime Hosogai (27, Hertha BSC), Daniel Schwaab (24, VfB Stuttgart) und Manuel Friedrich (33, Ziel unbekannt) ließ der Klub außerdem vier Spieler ziehen, die zwischen Startelf und Bank pendelten – ein nicht unerheblicher Aderlass.

Getreu ihrer Philosophie der letzten Jahre haben die Rot-Schwarzen vor allem in Talente investiert. Heung-Min Son (20, für 10 Millionen Euro vom HSV gekommen) soll Schürrle möglichst schnell vergessen machen. Defensivallrounder Emre Can (19, für 5 Millionen Euro vom FC Bayern gekommen) sowie die Außenverteidiger Giulio Donati (23, rechts, für 3 Millionen Euro von Inter Mailand gekommen) und Konstantinos Stafylidis (19, links, für 1,5 Millionen Euro von PAOK Saloniki gekommen) waren allesamt nicht billig und sollen schnell reifen. Für den Fall, dass ihre Entwicklung auf sich warten lässt, stießen mit Roberto Hilbert (28, Rechtsverteidiger, Besiktas) als Donati-Konkurrent und Bosniens Nationalmannschaftskapitän Emir Spahic (32, Innenverteidiger, FC Sevilla) auch zwei erfahrene Recken zur Mannschaft. Weiter vorne wurde Flügelflitzer Robbie Kruse (24) per Ausstiegsklausel für 1,5 Millionen Euro von Absteiger Fortuna Düsseldorf geholt. Hinzu kommen weitere Talente wie Seeler-Enkel Levin Öztunali (17), dem man alle Zeit geben wird.

Die Mannschaft ist zumindest auf kurze Sicht nicht besser geworden. Gerade die Viererabwehrkette ist fast komplett neu zusammengestellt, Donati und Stafylidis sind jung und ohne Bundesligaerfahrung. Außerdem fehlt weiterhin ein adäquater Vertreter für Torschützenkönig Stefan Kießling. Tragisch bis peinlich war auch das Leverkusener Abschneiden auf dem Transfermarkt, wenn es um die „dicken Fische“ ging: Sokratis und Aubameyang gingen lieber nach Dortmund, Ajax-Star Christian Eriksen winkte sofort ab. Laut Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hält der Klub weiterhin die Augen, doch dass bis zum Transferschluss noch ein Kracher kommt, ist eher zu bezweifeln.

Stärkster Mannschatsteil bleibt das zentrale Mittelfeld mit den Sechser-/Achtertypen Lars Bender (24), Stefan Reinartz (24), Simon Rolfes (32), Gonzalo Castro (26/zuletzt vornehmlich auf dem offensiven Flügel tätig) und Jens Hegeler (25). Das seit dem Vorjahr praktizierte 4-3-3-System mit einem echten Sechser und zwei Achtern bietet sich aufgrund dieser Besetzung auch weiterhin an.

Interessante Spieler: Son wurde von der halben Bundesliga und einer Handvoll Klubs aus der Premier League gejagt. Anders als in Hamburg, hat er nun eine funktionierende Mannschaft um sich herum. Kießling hat seit fast zwei Jahren durchgespielt. Wie lange steckt der bald 30-Jährige diese Belastung ohne Formverlust oder Verletzung noch weg? Kruse überzeugte in Düsseldorf nur eine Halbserie lang, in der Rückrunde war er einer der Schwächsten seiner Elf. Kann er Neu-Nationalspieler Sidney Sam (25), der nach dem Schürrle-Abgang in der Hierarchie einen Sprung gemacht hat, ernsthaft gefährden?

Prognose: Die Mannschaft besitzt viel Talent, doch wird es Zeit brauchen, bis sich die Neuen integriert haben. In der Europa League war die Hyypiä-Elf in der Vorsaison für die K.O.-Runde zu grün. Die Champions League erfordert aber bereits ab der Gruppenphase große Cleverness. Meister Bayern ist leistungsmäßig meilenweit weg, Vize Dortmund in Normalform ebenfalls. Auch der FC Schalke sollte die Werkself bei konstanter Form hinter sich lassen können. Bayers Glück: Der Rest der Liga dürfte es schwer haben, vorbeizuziehen. Tipp: Platz 4.

Borussia Dortmund: Den Appetit wiedergefunden

Nach zwei Meistertiteln und einem Pokalsieg ist es ganz normal, dass eine Mannschaft ein paar Prozent weniger auf den Rasen bringt. Wenn es dann noch einen Widersacher wie den FC Bayern in der Verfassung der Vorsaison gibt, der vom 1. bis zum 34. Spieltag keine Schwäche zeigt, muss man schon mal akzeptieren, wenn eine erneute Titelverteidigung nicht realisierbar ist. Dafür hat der BVB in der Champions League alle überrascht, vor allem die Spitzenteams von Real Madrid oder Manchester City, die gegen die Klopp-Elf auf deren Weg ins Finale die Waffen strecken mussten. Nur der FC Bayern war eine Nummer zu groß – und zwar in allen drei Wettbewerben. Das muss nun nicht zwingend anders werden aus BVB-Sicht, darf es aber gerne.

Auch ohne Mario Götze (21), den die Bayern per Ausstiegsklausel für 37 Millionen Euro verpflichtet haben, stellt Borussia Dortmund zumindest auf den Positionen 1 bis 14 wieder eine Truppe, die es in Bestform mit dem Triple-Sieger aufnehmen kann. Die Neuzugänge Henrikh Mkhitaryan (24, offensives Mittelfeld, kam für 27,5 Millionen Euro von Schachtjor Donezk), Pierre-Emerick Aubameyang (24, offensive Außenbahnen/Angriff, kam für 13 Millionen Euro von AS St. Etienne) und Sokratis (25, Innenverteidigung, kam für 9,5 Millionen Euro von Werder Bremen) haben dem Kader mehr Qualität verliehen. Einen Mario Götze in Bestform kann die Mannschaft allerdings nur gemeinsam ersetzen.

Neben der Torhüterposition, auf der Roman Weidenfeller im beinahe biblischen Fußballeralter von 33 Jahren den Schritt zur Weltklasse vollzogen hat, bleibt das Mittelfeld das Prunkstück der Borussia. Wer als Trainer die Wahl zwischen Sebastian Kehl (33), Sven Bender (24), Ilkay Gündogan (22), Kevin Großkreutz (25), Jakub Blaszczykowski (27), Marco Reus (24), Nuri Sahin (24), Henrikh Mkhitaryan (24) und Pierre-Emerick Aubameyang (24) hat, ist wahrlich zu beneiden. Auch die BVB-Innenverteidigung mit Mats Hummels (24), Neven Subotic (24) und Sokratis (25) besitzt gehobene Klasse. Der Clou: Von Kehl abgesehen, haben sie alle ihre besten Jahre noch vor sich.

Doch es gibt auch Dortmunder „Problembezirke“: Hinter Linksverteidiger Marcel Schmelzer (25) fehlt erfahrener Ersatz, Stamm-Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek (28) fehlt nach seiner Hüft- und Leisten-OP bis zum Winter. Und in der Sturmspitze hängt alles vom nach wie vor wechselwilligen Robert Lewandowski (24) ab. Dass die Kluboberen den Polen noch in diesem Jahr nach München ziehen lassen, gilt dabei als ausgeschlossen. Jürgen Klopp (46) sieht in den vermeintlich dünn besetzten Mannschaftsteilen indes überhaupt kein Problem. Der Startrainer schwört darauf, in dieser Phase auf die nächste Generation von Talenten (Koray Günter/18, Marian Sarr/18, Erik Durm/21, Jannik Bandowski/19, Jonas Hoffmann/21, Marvin Duksch/19) zu setzen – so wie er es schon bei seinem Amtsantritt 2008 gemacht hat. Nur war der BVB damals ein Mittelklasseklub in Deutschland, heute zählt er zur Elite Europas. Bislang hat Klopp in solchen Fragen aber ein beängstigend gutes Händchen gehabt. Behält er dieses auch im sechsten Jahr, muss sich die Konkurrenz warm anziehen.

Der Coach hat sich im Vorfeld der Saison kein genaues Saisonziel entlocken lassen, sondern in bekannter Manier darüber schwadroniert, dass man auf sich selbst schauen und das Bestmögliche erreichen wolle. Ein Punkt lag dem 46-Jährigen allerdings am Herzen: Der BVB soll 2013/14 in allen Wettbewerben wieder zum unbarmherzigen (Ball-)Jäger werden. 42 Bundesliga-Gegentore waren für „Kloppo“ zu viel. Er hat sie nur verschmerzt, weil gegen den FC Bayern kein Kraut gewachsen war und weil seine Mannschaft zum Ausgleich in der Champions League die Konzentration gezeigt hat, die der Trainer sehen wollte. In der neuen Saison wird Klopp diese Nachsicht nicht mehr üben. Die Konsequenz: Dortmund wird wieder marschieren.

Interessante Spieler: Lewandowski steht vor einer Charakterprobe. Wenn er fit und motiviert ist, kann kein anderer Stürmer in der Liga dem Polen das Wasser reichen. Doch der Goalgetter hat in den letzten Monaten auch ein ausgeprägtes Faible zum Schmollen offenbart. Dieses dürfte nicht nur dem unnachgiebigen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke missfallen, sondern auch bei Bayern München, Lewandowskis voraussichtlichem Arbeitgeber ab dem Sommer 2014, registriert worden sein. Für den Polen ist die Devise eigentlich simpel: professionell auftreten und knipsen wie in den letzten beiden Jahren. Aubameyang und Mkhitaryan besitzen Qualitäten, die es so in der Liga nicht gibt. Der Gabuner ist mit Sicherheit der antrittsschnellste Spieler im Lande. In der Vorbereitung hakte es „nur“ am Abschluss beim 19-fachen Torschützen der abgelaufenen Ligue-1-Saison. Mkhitaryan war bis zu seiner Knöchelverletzung in den Vorbereitungsspielen ein ständiger Gefahrenherd: immer in Bewegung, handlungsschnell, torgefährlich. Auf ihn kann sich die Liga freuen. Der Ur-Dortmunder Großkreutz ist neuerdings der „Mann für alle Fälle“. Zwar hat er seine Stammposition im linken Mittelfeld längst verloren, doch für Klopp ist der 25-Jährige als Backup für beide Außenbahnen immer noch ein wichtiger Spieler. Weil Rechtsverteidiger Piszczek ein halbes Jahr lang fehlt, darf sich Großkreutz auf dessen Position austoben – und vielleicht sogar festspielen. Nur zur Erinnerung: Auch Piszczek wurde von Klopp erst vom Offensivspieler zum Rechtsverteidiger umgeschult. Zuletzt war der Pole auf seiner Position einer der Besten in Europa.

Prognose: Sollte Bayern München angreifbar sein, kann der BVB zum Nutznießer werden. Das gelingt allerdings nur, wenn die Schwarz-Gelben sich an den ersten Spieltagen keine Blöße geben und dem großen Rivalen zeigen, dass dieser sich keine Schwäche erlauben darf. Sollten die Bayern dabei nicht mitspielen, wird es für Dortmund wohl die erneute Vizemeisterschaft – 25 Zähler Rückstand werden es aber definitiv nicht noch einmal. Tipp: Platz 2.

Bayern München: Auf dem Weg zur Maschine

Selbst nach einer Saison der Superlative mit mehr als zwei Dutzend Bundesliga-Rekorden und dem Gewinn des Triple gibt es in München kein Zurückstecken. Zufriedenheit wird nicht geduldet. Wer nicht alles für die Wiederholung von Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Titel sowie den Gewinn des Europäischen Supercups und der Klub-WM tut, hat die längste Zeit ein schönes Leben in München gehabt. „La Bestia Negra“, wie der Klub in Spanien ehrfürchtig genannt wird, mutiert mehr und mehr zu einer unbarmherzigen Maschine. Versagen wird nicht geduldet. Das neue Ziel heißt Perfektion. Für diese sorgen soll der – trotz Mario Götze (21) – prominenteste Neuzugang: Trainer Pep Guardiola. Der Katalane hat bereits zu seiner Zeit beim FC Barcelona (2008 bis 2012) eine Erfolgsmaschine gebaut, wie es sie seit dem großen Milan der frühen 90er Jahre nicht mehr gegeben hat. Der Anspruch der Bayern-Granden Hoeneß, Rummenigge und Sammer an den Superstar der Trainerszene lautet daher: „Eine Ära der Dominanz schaffen, bitt‘ schön.“

Dass dies mit dem vorhandenen Spielermaterial möglich ist, das mit Götze (21, für 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund gekommen) und Guardiolas Wunschspieler Thiago Alcantara (22, für 25 Millionen Euro vom FC Barcelona gekommen) weiter veredelt wurde, bedarf wohl keiner Diskussion. Zwar hat der FCB mit Mario Gomez (27) für 20 Millionen Euro auch einen Hochkaräter an den AC Florenz abgegeben, doch der Goalgetter war trotz 113 Toren in vier Spielzeiten nach Meinung der Chefetage nicht mehr unabkömmlich. Das Personal soll in Zukunft ohnehin nicht mehr die oberste Rolle spielen. Die Mannschaft verfügt über rund 20 Hochkaräter, die auch noch auf vielen Positionen einsetzbar sind. Ausgehend von einem 4-1-4-1-System, welches das erfolgreiche 4-2-3-1 der Vorsaison abgelöst hat, wollen die Bayern noch mehr Dominanz ausüben.

Dass dabei fast jeder Spieler auf fast jeder Position zum Einsatz kommen kann, hat zuletzt Philipp Lahm (29) erfahren. Der Kapitän, der seit Menschengedenken entweder den linken oder den rechten Verteidiger gegeben hat, wurde zuletzt des Öfteren im zentralen Mittelfeld getestet, weil er als kleiner, wendiger und technisch starker Spieler in der Guardiola’schen Philosophie dort mindestens genauso gut spielen kann wie in der Außenverteidigung. Eine Wiederholung in einem Pflichtspiel scheint nicht ausgeschlossen. Und das gilt nicht nur für Lahm, sondern für weite Teile der Mannschaft. Früher wusste man Tage vor einem Spiel, wer beim FCB auflaufen wird. Heute mögen einem die Namen vielleicht noch klar sein, die Positionen sind es nicht. Das macht Guardiola unberechenbar. Und zwar nicht nur für den Gegner, sondern auch für die eigenen Spieler.

Die Ära Guardiola hat bereits vor dem ersten Bundesligaspiel einige Gewinner und Verlierer hervorgebracht: Verlierer sind die Spieler, die in der Vorsaison die „Sechs“ bekleidet haben. Für sie ist im neuen System nur noch einer anstatt zwei Plätzen vorhanden. Während Javi Martinez (24) das Schlupfloch Innenverteidigung bleibt und Bastian Schweinsteiger (29) ebenso wie Thiago auch in der offensiven Viererreihe spielen kann, schaut der „klassische“ Abräumer Luiz Gustavo (26) in die Röhre. Sein Verkauf ist wohl nur eine Frage von Tagen. Verlierer sind auch die Innenverteidiger, weil sie mit Martinez unverhofft einen neuen Konkurrenten bekommen haben. Ebenfalls nicht uneingeschränkt glücklich dürfte Stürmer Mario Mandzukic (27) sein, weil sein Trainer des Öfteren ohne echten Angreifer spielen lässt. Die Tatsache, dass sich mit Gomez Mandzukic‘ härtester Rivale verabschiedet hat, verpufft so. Vor Fragezeichen stehen auch die vielen Stars, die für die offensive Viererreihe im Mittelfeld infrage kommen. In Franck Ribéry (30), Arjen Robben (29), Toni Kroos (23), Thomas Müller (23), Xherdan Shaqiri (21) sowie Schweinsteiger, Thiago und Götze sind das acht Spieler – Nachwuchskräfte und „Überraschungskandidaten“ wie Lahm nicht eingerechnet. Doch es gibt auch schon einen klaren Gewinner: Rafinha (27), unter Jupp Heynckes ein klassischer Lahm-Backup, scheint das Vertrauen Guardiolas zu genießen. Wäre dem nicht so, hätte der 42-Jährige Lahm nicht des Öfteren so weit nach vorne beordert. Auch im Pokal durfte Rafinha ran, während der Platzhirsch geschont wurde.

Nichts Genaues weiß man nicht bei den Bayern. Durch die vielen Veränderungen in der Grundordnung wie auch in der Interpretation des Systems fordert Guardiola jeden Spieler aufs Extremste. Schlendrian wird sich so kaum einstellen. Eher besteht die Gefahr, dass der eine oder andere Akteur sich von seinem Trainer überfordert fühlt. Ist dies bei mehreren Spielern der Fall, wird das gesamte System instabil und angreifbar. Risikofaktor zwei ist die Harmonie: Im Vorjahr haben sich auch die Reservisten dem großen Ziel Triple untergeordnet. Guardiola muss es genauso gelingen wie seinem Vorgänger Jupp Heynckes, alle Akteure bei Laune zu halten.

Interessante Spieler: Stareinkauf Götze hat aufgrund seines Muskelbündelrisses fast die gesamte Vorbereitung versäumt. Er wird eine ganze Weile brauchen, um in Form zu kommen. Bis dahin könnten sich aber schon Hierarchien auf dem Rasen gebildet haben. Thiago war der Wunschspieler seines Trainers. Guardiola wird ihn kaum verpflichtet haben, wenn er ihm nicht eine zentrale Rolle zugedacht hat. Schweinsteiger war im letzten Jahr der Schlüsselspieler. Auch er hatte das Pech, aufgrund einer Verletzung lange pausieren zu müssen. Öffentlich wurde sein Status bereits infrage gestellt. Trainer und Vorstand stellen sich allerdings hinter ihn. Doch auch der Fußballer des Jahres unterliegt dem Leistungsprinzip und wird kritisch beäugt.

Prognose: Der FC Bayern besitzt alle Voraussetzungen, aus einer titelreichen Saison eine ganze Ära von Triumphen zu machen. Das Momentum spricht auch international für den FCB. Potenzielle Gegner wie ManUnited, ManCity, Chelsea, Real, Barcelona und Paris haben zwar den Trainer gewechselt, die Münchner bringen zudem einen Vorsprung aus dem letzten Jahr mit. Allerdings hat man manchmal das Gefühl, dass besonders Sportvorstand Matthias Sammer mit seinen Aussagen und Forderungen über das Ziel hinausschießt. Die Medien sind ohnehin „on fire“ und werden die kommende Bayern-Spielzeit zu einer Saison der Extreme machen – im Positiven oder im Negativen. Bayerns Fallhöhe ist gigantisch, doch wenn der Fokus auf dem Wesentlichen bleibt, kann die Meisterschaft nur über den Rekordmeister gehen. Tipp: Platz 1.

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