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Apr
18

Warum der 1.FC Köln auf Jahre hinaus kein Spitzenklub wird

Beim 1.FC Köln ist nach dem 1:3 gegen Stuttgart mehr als nur die Serie von sieben Heimsiegen gerissen. Die negative Entwicklung der letzten Wochen ist auch ein Verdienst der Berichterstattung.

Vor wenigen Wochen noch war alles eitel Sonnenschein beim 1.FC Köln. Seit Frank Schaefer das Traineramt übernommen hatte, stimmten auf einmal nicht nur die Ergebnisse (vor allem zu Hause). Nein, auch der Fußball war in der Regel durchaus ansehnlich. Selbst die Verbindung Trainer Schaefer/Sportdirektor Finke schien zu funktionieren. Das wussten auch die lokalen und überregionalen Medien zu würdigen. Nach Monaten, wenn nicht gar Jahren oder Jahrzehnten des Chaos, schien der FC wieder auf dem Weg in ruhigere Fahrwasser zu sein.

Seit ein paar Wochen hat sich der Wind jedoch gedreht. Bereits in der Phase der Erfolge, noch vor den Pleiten gegen Hamburg, Mönchengladbach und Stuttgart, wurde in der Berichterstattung der Ton wieder schärfer. Tenor: Worüber soll man schreiben, wenn alles gut läuft? Lobeshymnen auf Lukas Podolski, Pedro Geromel oder die Arbeit des Trainers sind ja zur Abwechslung mal ganz nett, doch so etwas trägt eben nur für ein paar Wochen. Wer sein Blatt verkaufen möchte, braucht Themen mit Sprengstoff.

Die Causa Schaefer, oder: Wie man aus keiner Geschichte eine Geschichte macht

Zum Glück sind die Medien bei einem Thema fündig geworden, das bis dato eigentlich keines war: die Zukunft von Trainer Frank Schaefer. Der hatte bereits im Winter angekündigt, über seine Zukunft erst dann entscheiden zu wollen, wenn der Klassenerhalt gesichert ist. Was im Januar und Februar noch akzeptiert oder sogar gut geheißen wurde, verkam im März zum Top-Thema rund um das Geißbockheim.

Seitdem mussten alle, von Präsident Overath über Vize Glowacz bis hin zu Geschäftsführer Horstmann, Sportdirektor Finke, Mannschaftskapitän Podolski und natürlich Frank Schaefer himself immer wieder Stellung beziehen. All dies führte zu einer Vielfalt von Aussagen, die medial in verschiedenste Richtungen interpretiert wurden. Allein über den Glauben des Trainers wurden beinahe ethische Diskussionen geführt.

Mittlerweile ist aus all den Berichten und Spekulationen (u.a. über einen Bruch zwischen Finke und Schaefer oder über das vermeintlich schlechte Standing des Trainers bei Präsident Overath) eine regelrechte Lawine geworden, die einen Verbleib von Frank Schaefer als Cheftrainer eigentlich ausschließt. Der bisherige Höhepunkt wurde heute erreicht, als die Bild-Zeitung Frank Schaefer indirekt unterstellte, dem Verein mit seinem Verhalten sogar zu schaden. So heißt es u.a.:

„So gut wie sicher: Im Sommer ist auf jeden Fall Schluss – so viel steht fest! […] BILD meint: Zwei Tage Bedenkzeit müssen reichen. Schaefer ist am Zug. Liegt ihm der FC am Herzen, verkündet er jetzt eine Entscheidung!“ (http://www.bild.de/sport/fussball/frank-schaefer/zieht-sich-zurueck-17469702.bild.html)

Ich finde dieses Prozedere furchtbar – so alltäglich und „normal“ es auch geworden ist.
Dummerweise ist der FC einer der Vereine in Deutschland, die unter einem enormen medialen Einfluss stehen. Allenfalls beim FC Bayern wird das Tagesgeschäft noch stärker von der Berichterstattung tangiert. Kombiniert man diesen Faktor mit einem streitbaren Vorstand (Overaths Elferrat), einem nicht immer erkennbaren sportlichen Konzept und einer oftmals unglücklichen Außendarstellung, dann sollte eigentlich jedem klar sein, warum der 1.FC Köln seit 20 Jahren unter ferner liefen „performt“. Und ebenso wenig darf man sich wundern, wenn jeder Ansatz auf Besserung bereits frühzeitig im Keim erstickt wird – von welcher Seite auch immer…

1 Kommentar

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  1. Heibel sagt:

    So, jetzt ist es amtlich: Frank Schaefer hört am Saisonende als Trainer auf. Offiziell allein aus privaten Gründen, aber es würde mich nicht wundern, wenn da auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben.

    Der neue Trainer – wer auch immer es sein wird – ist jedenfalls nicht zu beneiden. Vor allem die Akzeptanz der Fans wird der Neue sich hart erarbeiten müssen. Auch der „Schattentrainer“ Finke ist eher eine Bremse als eine Hilfe.

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