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Mai
29

Warum nicht austreten? Zur Rolle der UEFA im FIFA-Wahnsinn

Der Weltfußball versinkt im Chaos, und alle machen einfach weiter. FIFA-Präsident Sepp Blatter hat einen Persilschein, sein Gefolge hält dem Kopf der „Mafifa“ in verblendeter Dankbarkeit und blinder Ergebenheit die Stange.

Die UEFA in der Opposition hatte die Chance, durch eine Austrittsdrohung der korrupten FIFA mehr als nur einen Denkzettel zu verpassen. Sie hat es nicht getan – und macht sich damit mitschuldig.

Denn eines weiß auch Sepp Blatter: Er kann sich zwar ohne die 53 Verbände der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ein fünftes Mal zum FIFA-Präsidenten wählen lassen. Ohne die 53 Verbände Europas ist sein schönes Premium-Produkt „FIFA World Cup“ aber nur noch einen Rotz wert, weil die meisten der anderen 156 Verbände nur einen geringen Markenwert besitzen.

Weltmeisterschaft ist ohne Europa nichts wert

Die letzten drei Titelträger kamen vom „alten Kontinent“, dazu neun der letzten zwölf Halbfinalisten. Die UEFA besitzt damit eine ungeheure Macht. Sie könnte ohne weiteres mit der Abspaltung von der Mutter FIFA drohen, wenn der Laden am Zürichberg nicht endlich gründlich aufgeräumt wird.

Die UEFA könnte auch ohne weiteres quasi eine „EURO Open“ ausrufen, also eine Europameisterschaft, die beispielsweise um Rekordweltmeister Brasilien, Vize-Weltmeister Argentinien und die Meister der anderen Kontinentalverbände erweitert wird. Eine solche inoffizielle WM würde dem Original der FIFA ohne Europäer, bei der die Südamerikaner den Titel wohl unter sich ausmachen würden, in Windeseile den Rang ablaufen.

Selbst Dreck am Stecken?

Wenigstens aber hätte die UEFA die Präsidentenwahl boykottieren können. Ihr Kandidat Prinz Ali bin al-Hussein ist trotz der jüngsten Skandale, die einem Hollywood-Thriller entnommen scheinen, weiterhin chancenlos. Blatter ist also nicht zu verhindern.

Mit einem demonstrativen Wahlboykott hätte der Verband von Präsident Michel Platini das Kartenhaus FIFA weiter ins Wanken bringen können. Warum die UEFA es nicht getan hat? Offiziell, um weiter Einfluss üben zu können. Wie groß dieser ist, kann man angesichts des Wahlmodells mit einer Stimme je Landesverband und einer Quotenregelung im FIFA-Exekutivkomitee aber an einer Hand abzählen: nicht der Rede wert.

Das Problem der UEFA: Auch wenn ihre Funktionäre im Zwielicht der FIFA als die Guten da stehen, dürften auch einige von ihnen Dreck am Stecken respektive Geld auf einem geheimen Konto gehortet haben. Und welcher Hund pinkelt sich schon ans eigene Bein?

For the good of the game?!?

So bleibt alles beim Alten: Die Mächtigen ergehen sich in einer Wagenburgmentalität, verurteilen die Außenstehenden, sitzen die Krisen aus, und machen einfach weiter – der Verlierer ist der Fußball. Der Slogan der FIFA „For the good of the game“ wird so zu einem schlechten Witz.

Und Sepp Blatter darf sich weiter selbst persiflieren, indem er der Weltöffentlichkeit Sätze sagt wie: „Diese Ereignisse haben einen langen Schatten auf den Kongress und den Fußball geworfen. Versuchen wir, diesen Schatten verschwinden zu lassen! Wir können nicht zulassen, dass der Ruf des Fußballs, der FIFA in den Dreck gezogen wird.“ Er, der Kopf des Fisches, erntet für derartige Aussagen Applaus vom Torso und dem Schwanz. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man fast laut loslachen.

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