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Jan
24

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern – Die Verlierer des 19. Spieltags

In der vergangenen Woche hat Fußball-Deutschland Borussia Dortmund schon zur Meisterschaft gratuliert. Einen Spieltag später kam, was kommen musste: Die Gratulanten der Vorwoche erklären die Meisterschaft wieder für offen – zumindest bis zum nächsten Spieltag.

Was so ein Punktverlust alles bewirken kann. Obwohl bei Borussia Dortmunds 1:1 gegen den VfB Stuttgart einzig das Ergebnis zu wünschen übrig ließ, wittert die Konkurrenz aus Leverkusen und München nach ihren Siegen wieder einen Hauch von Morgenluft. Zwar nur zaghaft, aber immerhin. Anders die Presse: Gerade im Boulevard macht erwartungsgemäß die These die Runde, dass es nach diesem Unentschieden mit der Dortmunder Herrlichkeit zu Ende gehen könnte.

Und in der Tat wird der arme Jürgen Klopp angesichts von nur noch 11 bzw. 14 Punkten Vorsprung auf die mit Siebenmeilenstiefeln heraneilende Konkurrenz sicher kein Auge mehr zutun… Aber so ist es nun mal schon seit Jahren, und bis der BVB nicht endgültig die Schale in der Hand hat, wird uns dieses Hü-Hott-Spiel noch begleiten. Womit die Berichterstattung schon einer der ersten Verlierer des 19. Spieltags ist – aber beileibe nicht der einzige.

Nicht, dass es mich besonders grämen würde, aber bei der Elf vom Niederrhein sind nach dem 1:3 gegen Leverkusen die Hoffnungen auf eine Siegeserie schon wieder geschwunden. Auch im 10. Heimspiel der Saison klappte es nicht mit dem ersten Sieg. Damit ist man immer noch im Rennen um einen zweifelhaften Bundesligarekord, eine ganze Saison ohne Heimsieg hat nämlich noch keine Mannschaft zu Stande gebracht. Es ist Zeit, Geschichte zu schreiben!

Obwohl als einziger Bundesligist mit zwei Siegen in die Rückrunde gestartet, ist der Hamburger SV aber der größte Verlierer. Beim Sammer-Theater hat der Verein eine ganz schlechte Figur abgegeben – und das nicht zum ersten Mal. Seit dem Abgang von „Dukaten-Didi“ Beiersdorfer im Sommer 2009 hat es der Bundesliga-Dino nicht geschafft, die Position des Sportdirektors adäquat zu besetzen. Erst musste sich Trainer Bruno Labbadia mehr oder weniger nebenbei um die Aufgaben eines Managers bzw. Sportdirektors kümmern, dann Nachfolger Armin Veh. Der erhielt und erhält zwar Unterstützung von Bastian Reinhardt, doch der ist vom Image und der Akzeptanz her völlig verbrannt. Mit dem Stempel eines „Praktikanten“ versehen, kämpft Reinhardt seit der ersten Minute im Amt gegen Windmühlen.

Aber Moment! Hatte der HSV nicht eigentlich schon einen Sportdirektor verpflichtet? Richtig, mit DFB-Chefscout Urs Siegenthaler schien der richtige Mann gefunden. Doch der geriet noch vor seinem geplanten Amtsantritt im August 2010 in Kompetenzstreit mit HSV-Sonnenkönig Bernd Hoffmann – das gab es doch auch schon mal bei Beiersdorfer – und verzichtete dankend auf den Sportdirektor-Posten.

Jetzt also war in Matthias Sammer der nächste Fachmann vom DFB auserkoren. Das scheint System zu haben. Nach dem Durchstöbern der DFB-Angestelltenliste würde ich daher einen Tipp abgeben, wer in den kommenden Wochen vom HSV als Wunschkandidat für den Sportdirektorposten gehandelt werden wird: Pressesprecher Harald Stenger in Kalenderwoche 4, der IT-Chef in Kalenderwoche 5, die neue Putzfrau in Kalenderwoche 6 und schließlich Oliver Bierhoff in Kalenderwoche 7.

Auch der 1. FC Köln zählt zu den Verlierern. Wobei man hier unterscheiden muss zwischen der Mannschaft, die Werder Bremen im vermutlich besten Saisonspiel mit 3:0 geschlagen hat, und dem Vorstand (bzw. Elferrat) um Wolfgang Overath. Der sieht sich seit Monaten heftigem Gegenwind ausgesetzt und muss sich gerade mit der Initiative „FC-reloaded“ auseinandersetzen, die nicht weniger als seinen Kopf fordert.

Der eitle Präsident handelte in dieser Sache so, wie man es von ihm erwartet: Overath verweigerte der Initiative die Aushändigung von Mitgliederlisten, zu der er verpflichtet gewesen wäre. Stattdessen macht Overath seinerseits mit aller Macht Politik gegen FC-reloaded. Kostprobe gefällig? Der TV-Sender „Liga Total“ mühte sich nach dem Abpfiff des Bremen-Spiels vergebens, FC-Spieler zum Interview zu kriegen. Der Grund: Overath missfiel, dass Liga-Total in der Halbzeitpause FC-Reloaded-Frontmann Stefan Müller-Römer zu Wort kommen ließ…

Als gäbe es an diesem 19. Spieltag ein Gesetz, zählt auch der auf dem Platz siegreiche FC Bayern zu den Verlierern. Wieder einmal fliegen beim Noch-Meister verbal die Pfeile auf höchster Ebene. Neu ist allerdings, dass mittlerweile auch der brave Christian Nerlinger beim verbalen Kräftemessen mit Präsident Uli Hoeneß und Trainer Louis van Gaal mitmacht.

So lustig das Ganze anfangs war, so sehr nervt es allerdings mit der Zeit, jeden Tag in der Zeitung das Gleiche zu lesen. Es scheint , als würde nur der Gewinn der Champions League das Verhältnis zwischen Hoeneß und van Gaal kitten zu können – und dann auch nur auf unbestimmte Zeit. Auf lange Sicht scheint das Verhältnis zerstört, weil beide auf ihren Standpunkten beharren und es nicht gewohnt sind, klein beizugeben. Wie van Gaal einst sagte: Tod oder Gladiolen. Am Ende wird er schon etwas Großes gewinnen müssen, sonst hat Uli Hoeneß genug Argumente, den Niederländer spätestens im Sommer abzusägen.

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