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Mrz
30

Was machen eigentlich… die U21-Europameister von 2009?

Gleich sieben U21-Titelträger von 2009 standen im Aufgebot für die Spiele gegen Kasachstan und Australien. Vor allem Manuel Neuer, Sami Khedira und Mesut Özil sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Erfahre hier, was aus allen Helden des „Mittsommermärchens“ geworden ist.

Am vergangenen Freitag gewann die deutsche U21 in einem Freundschaftsspiel gegen Holland mit 3:1. „Super“, dachte ich mir. Doch als ich einen Blick auf den deutschen Kader geworfen hatte, musste selbst ich als selbsternannter Fußballexperte den Vornamen und den Arbeitgeber des einen oder anderen deutschen U21-Nationalspielers nachschlagen. Oder könnt Ihr auf Anhieb die Herren Neumann, Radjabali-Fardi, Vogt, Ostrzolek, Hornschuh oder Sobiech zuordnen?

Was waren das noch Zeiten, als die deutsche U21 vor zwei Jahren noch vor Erstliga-Stammspielern strotze, dachte ich mir da. Und so stellte sich mir die fast logische Frage, wie sich unsere Europameister von 2009 entwickelt haben.

Manuel Neuer (Tor/Schalke 04/EM 2009: 5 Spiele/0 Tore):
2009 der große Rückhalt beim deutschen Nachwuchs, 2010 schon Stammtorhüter der A-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika. Gilt mittlerweile als einer der besten Torhüter der Welt. Ein Wechsel zu Bayern München bahnt sich an.

Florian Fromlowitz (Tor/Hannover 96/0/0):
War 2009 gar nicht einmal so weit von Manuel Neuer entfernt, spielte aber nach dem Tod von Robert Enke in Hannover eine schwache Saison 09/10 als Nummer eins, hat mittlerweile seinen Stammplatz an U19-Europameister Ron-Robert Zieler verloren. Wird sich im Sommer wohl „neu orientieren“, wie es so schön heißt.

Tobias Sippel (Tor/1. FC Kaiserslautern/0/0):
Rückhalt beim Kaiserslauterner Bundesliga-Aufstieg 2010. In seiner ersten Bundesliga-Saison mit Licht und Schatten. Verlor nach einer Grippe seinen Stammplatz (vorübergehend?) an den neuen U21-Nationalkeeper Kevin Trapp.

Dennis Aogo (Abwehr/Hamburger SV/5/0):
2009 mal als linker Außenverteidiger, mal im defensiven und mal im linken Mittelfeld eingesetzt. Machte seine Sache solide, aber nicht überragend. Dabei ist es bis heute geblieben. Profitierte bei seiner WM-Nominierung vom Verletzungspech Heiko Westermanns, war in Südafrika aber nur Edel-Reservist. Derzeit aus nicht ganz ersichtlichen Gründen Löws Nummer eins auf der Linksverteidiger-Position.

Andreas Beck (Abwehr/1899 Hoffenheim/5/1):
Spielte, wie all seine Hoffenheimer Teamkollegen, eine traumhafte Hinserie 2008, wurde in dieser Zeit auch A-Nationalspieler (9 LS). Stagniert aber seit dem U21-EM-Titel von 2009. Mittlerweile in Hoffenheim zwar Kapitän, verpasste aber den Sprung in den WM-Kader 2010 und spielt in den Planungen von Jogi Löw derzeit keine allzu große Rolle.

Benedikt Höwedes (Abwehr/Schalke 04/5/1):
2009 in Schweden in der Innenverteidigung kaum zu überwinden, galt danach als Hoffnungsträger. Zwar mehrfach für die A-Elf nominiert, aber bislang nicht eingesetzt. Spielt gerade eine dezente Saison in Schalke, ist wohl auch deswegen derzeit keine echte Option für die schwächelnde deutsche Innenverteidigung.

Jerome Boateng (Abwehr/Hamburger SV, jetzt Manchester City/5/0):
War 2009 in der Innenverteidigung noch einen Tick besser als Nebenmann Höwedes. Hat es mittlerweile auf 12 A-Länderspiele (inkl. WM-Teilnahme 2010) gebracht, wurde aber immer auf einer der ungeliebten Außenpositionen eingesetzt. Bundestrainer Löw hatte zunächst einen regelrechten Narren an Boateng gefressen, seit der WM setzt er aber kaum noch auf den England-Legionär. Derzeit verletzt, fällt wohl bis Saisonende aus.

Daniel Schwaab (Abwehr/SC Freiburg, jetzt Bayer Leverkusen/1/0):
2009 nur Reservist. Mittlerweile als Rechtsverteidiger Stammspieler beim Tabellenzweiten Bayer Leverkusen. Solide, aber niemand, der ernsthaft in die Nationalmannschaft drängt.

Fabian Johnson (Abwehr/1860 München, jetzt VfL Wolfsburg/2/0):
2009 Ergänzungsspieler, aufgrund von personellen Engpässen aber mit Startelf-Einsatz im Finale. Wechselte nach der EM zum frischgebackenen Deutschen Meister VfL Wolfsburg, konnte sich aber unter keinem seiner bislang fünf Vereinstrainer einen Stammplatz erkämpfen.

Sebastian Boenisch (Abwehr/Werder Bremen/3/0):
War 2009 in Schweden als Linksverteidiger einer der Schwachpunkte im deutschen Team. Seitdem oft verletzt, hat sich aber auch sonst kaum weiterentwickelt. Entschied sich 2010, für sein Geburtsland Polen zu spielen, obwohl die DFB-Elf nach wie vor auf der Suche nach der Idealbesetzung hinten links ist. Boenisch wäre sie aber wohl kaum gewesen.

Mats Hummels (Abwehr, Mittelfeld/Borussia Dortmund/2/0):
Auch wenn er es im gestrigen Länderspiel gegen Australien nicht bewiesen hat, ist Mats Hummels derzeit der beste deutsche Innenverteidiger. 2009 nur Edel-Reservist, weil er in der Innenverteidigung nicht an Boateng und Höwedes vorbeikam. Wenn, dann kam er auf seiner Zweitposition im defensiven Mittelfeld zum Einsatz.

Marcel Schmelzer (Abwehr, Borussia Dortmund/4/0):
Derzeit der konstanteste und offensivstärkste deutsche Linksverteidiger. Ähnlich wie sein Dortmunder Kollege Hummels konnte aber auch Schmelzer den Bundestrainer noch nicht vollends von sich überzeugen.

Sami Khedira (Mittelfeld/VfB Stuttgart, jetzt Real Madrid/4/0):
2009 in Schweden Kapitän und Kopf der Mannschaft. Erlebte bei der WM 2010 als Ballack-Vertreter einen Blitzaufstieg. Mittlerweile Stammspieler bei Real Madrid und in der Nationalmannschaft (19 LS).

Mesut Özil (Mittelfeld/Werder Bremen, jetzt Real Madrid/5/1):
War bereits vor zwei Jahren der überragende deutsche Offensivspieler. Spielt mittlerweile bei Real Madrid und in der Nationalmannschaft regelmäßig auf internationalem Top-Niveau. Wird der nächste deutsche Weltstar – wenn er es nicht schon ist.

Daniel Adlung(Mittelfeld/VfL Wolfsburg, jetzt Energie Cottbus/0/0):
Eher als Kaderauffüller im Aufgebot. Gehörte jahrelang dem VfL Wolfsburg, wurde aber immer wieder verliehen. Mittlerweile fix bei Zweitligist Energie Cottbus, dort Leistungsträger.

Patrick Ebert (Mittelfeld/Hertha BSC/3/0):
Der Flügelspieler stagniert seit dem U21-EM-Titel. Machte seitdem eher durch eine Anklage wegen Vandalismus von sich reden. Erlitt 2010 einen Kreuzbandriss, ist mittlerweile aber wieder Stammspieler bei Zweitliga-Spitzenreiter Hertha BSC. A-Nationalspieler wird er aber wohl nicht mehr.

Marko Marin (Mittelfeld/Borussia Mönchengladbach, jetzt Werder Bremen/4/0):
Die „Zaubermaus“ von einst, die mittlerweile nur noch „Dribbelkönig“ genannt werden will, befindet sich seit einem Jahr in einer Schaffenskrise. Bei der WM 2010 versagte er in der ihm zugedachten Jokerrolle hinter Lukas Podolski, auch im Verein läuft es nicht für Marin (15 LS), dem mittlerweile in der Nationalmannschaft (noch) jüngere, wie André Schürrle oder Kevin Großkreutz, den Rang abgelaufen haben.

Dennis Grote (Mittelfeld/VfL Bochum, jetzt RW Oberhausen/0/0):
Ohne Einsatz beim EM-Gewinn. Spielt mittlerweile bei einem Abstiegskandidaten in der Zweiten Liga, das sagt alles über seine Entwicklung.

Änis-Ben Hatira (Mittelfeld/MSV Duisburg, jetzt Hamburger SV/3/0):
Jahrelang ein ewiges Talent, derzeit erlebt er jedoch beim Hamburger SV seine beste Zeit als Profi. Hat den Flügel verlassen, zeigt als Halbstürmer durchaus gute Anlagen.

Gonzalo Castro (Mittelfeld/Bayer Leverkusen/5/2):
2009 als rechter Mittelfeldspieler mit zwei Treffern gemeinsam mit Sandro Wagner bester deutscher Torschütze. Hat auch im Verein mittlerweile seinen Platz im Mittelfeld gefunden, wenn auch auf der linken Seite. Spielt eine gute Saison, ist enorm vielseitig. Wurde dennoch (oder gerade deswegen) vom Bundetrainer seit fast vier (!) Jahren nicht mehr für die A-Nationalmannschaft nominiert.

Ashkan Dejagah (Mittelfeld, Sturm/VfL Wolfsburg/4/1):
In Ermangelung guter gelernter Stürmer im Jahrgang spielte Dejagah bei der U21-EM oft in der Sturmspitze. Kommt bei seinem Verein in Wolfsburg weder dort noch auf seiner angestammten Position auf dem Flügel sonderlich oft zum Einsatz.

Sandro Wagner (Sturm/MSV Duisburg, jetzt Werder Bremen/3/2):
Der einzige „echte“ Stürmer im Euro-Aufgebot 2009. Spielte ein dezentes Turnier, auch wenn seinen beiden Tore zum 3:0 und 4:0 im Finale gegen England darüber hinwegtäuschen. Ist derzeit bei Werder Bremen zwar der Sturmpartner von Claudio Pizarro (Kampfname „Wagner Pizza“), wird aber vermutlich nie den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen.

Chinedu Ede (Sturm/MSV Duisburg, jetzt Union Berlin/0/0):
Als Verlegenheitsstürmer nominiert, blieb ohne Einsatz. Heute Stammspieler beim Zweitligisten Union Berlin.

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