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Jun
11

Was machen eigentlich die U21-Europameister von 2009?

Am 16. Juni beginnt die U21-Europameisterschaft in Polen. Die deutsche Mannschaft um Serge Gnabry und Max Meyer will nicht weniger als den Titel – und es damit der Generation vom „Mittsommermärchen“ vor acht Jahren in Schweden gleichtun. Doch was machen sie eigentlich, die U21-Europameister von 2009?

Manuel Neuer (Tor/Verein 2009: Schalke 04/EM 2009: 5 Spiele/0 Tore)
2009 der große Rückhalt beim deutschen Nachwuchs, 2010 schon Nummer eins der A-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika. 2011 wechselte Neuer unter einigem Brimborium zu Bayern München, wo er auf Vereinsebene seither alles gewann. Seine Nationalmannschafskarriere krönte der längst beste Torhüter des Planeten mit einem überragenden Turnier als mitspielender Schlussmann („Sweeper Keeper“) beim WM-Titelgewinn 2014 in Brasilien.

Florian Fromlowitz (Tor/Hannover 96/0/0)
War 2009 gar nicht einmal so weit von Neuer entfernt, spielte aber nach dem Selbstmord von Stammkeeper Robert Enke in Hannover eine schwache Saison 2009/10 als Nummer eins. Es war der Impuls für Fromlowitz‘ schleichenden Abstieg, der in der Regionalliga Südwest beim FC Homburg endete. Dort setzte Fromlowitz 2017 mit gerade einmal 30 Jahren den Schlussstrich unter seine aktive Laufbahn.

Tobias Sippel (Tor/1. FC Kaiserslautern/0/0)
Klare Nummer drei bei der EM 2009, danach großer Rückhalt beim Kaiserslauterner Bundesliga-Aufstieg 2010. Wurde allerdings bereits 2011 von Kevin Trapp, mittlerweile A-Nationalkeeper, aus dem FCK-Tor verdrängt. Seit 2015 die Nummer zwei bei Borussia Mönchengladbach hinter dem unumstrittenen Yann Sommer.

Dennis Aogo (Abwehr/Hamburger SV/5/0)
2009 mal als linker Außenverteidiger, mal im defensiven und mal im linken Mittelfeld eingesetzt. Machte seine Sache solide, aber nicht überragend. Fuhr mit zur WM 2010, bestritt bis 2013 zwölf Länderspiele. Wurde beim HSV zu einem der Sündenböcke für den Niedergang gemacht. Wechselte zu Schalke 04, wo er seine Karriere allerdings auch nicht mehr richtig in Schwung brachte.

Andreas Beck (Abwehr/1899 Hoffenheim/5/1)
Spielte, wie alle seine damaligen Hoffenheimer Teamkollegen, eine traumhafte Hinserie 2008/09, wurde in dieser Zeit auch A-Nationalspieler (insgesamt 9 Länderspiele). Stagnierte aber nach dem U21-EM-Titel erheblich. Wechselte 2015 zu Besiktas Istanbul, wo er immerhin zwei Meistertitel in Folge feierte.

Benedikt Höwedes (Abwehr/Schalke 04/5/1)
2009 in Schweden in der Innenverteidigung kaum zu überwinden, galt danach als Hoffnungsträger – und wurde diesen Vorschusslorbeeren nach leichten Anlaufschwierigkeiten gerecht. Obwohl er in der Innenverteidigung nicht am Traumduo Boateng/Hummels vorbeikam, hat die Schalker Identifikationsfigur seit seinem Länderspieldebüt im Jahr 2011 stattliche 44 Länderspieleinsätze auf dem Buckel. Sieben davon bei der WM 2014 als zweikampfstarker Ochse auf der linken Außenbahn. Bis heute ein überaus zuverlässiger Ersatz, wenn Boateng oder Hummels im Abwehrzentrum fehlen.

Jerome Boateng (Abwehr/Hamburger SV/5/0)
War 2009 in der Innenverteidigung bereits einen Tick besser als Nebenmann Höwedes. Debütierte kurz darauf in der A-Nationalmannschaft. War anfangs ein Mann mit Licht und Schatten, spätestens seit der WM 2014 verkörpert der schnelle und physische enorm starke Boateng aber schiere Weltklasse auf der Position des Innenverteidigers. 2016 zum Fußballer des Jahres gewählt, „Lieblingsnachbar“ der meisten Deutschen. Einziges Manko: seine Verletzungsanfälligkeit.

Daniel Schwaab (Abwehr/SC Freiburg/1/0)
2009 nur Reservist, nach der U21-EM wagte er den Sprung vom SC Freiburg zu Bayer Leverkusen. Dort konnte sich der Rechtsverteidiger aber ebenso wenig für höhere Weihen empfehlen wie ab 2013 beim VfB Stuttgart. Nach dem Abstieg der Schwaben 2016 wechselte Schwaab in die Niederlande zur PSV Eindhoven.

Fabian Johnson (Abwehr/1860 München/2/0)
2009 Ergänzungsspieler, aufgrund von personellen Engpässen aber mit Startelf-Einsatz im Finale. Wechselte nach der U21-EM zum Deutschen Meister VfL Wolfsburg, von dort zwei Jahre später zu 1899 Hoffenheim. Seit 2014 in Mönchengladbach, wo er im defensiven Mittelfeld mittlerweile gesetzt ist. Entschied sich 2011, für das Heimatland seines Vaters zu aufzulaufen. Seither bestritt Johnson 54 Länderspiele für die USA.

Sebastian Boenisch (Abwehr/Werder Bremen/3/0)
War 2009 in Schweden als Linksverteidiger einer der Schwachpunkte im deutschen Team. Entschied sich 2010, künftig für sein Geburtsland Polen zu spielen. Boenischs Karriereleiter führte seither abwärts: Nach zwischenzeitlicher Vereinslosigkeit war er Lückenbüßer bei Bayer Leverkusen, 2016 ging es in die 2. Bundesliga zu 1860 München. 2017 der Abstieg mit den Löwen. Boenischs Zukunft ist offen.

Mats Hummels (Abwehr, Mittelfeld/Borussia Dortmund/2/0)
2009 nur Edel-Reservist, weil er in der Innenverteidigung nicht an Boateng und Höwedes vorbeikam. Wenn, dann kam Hummels auf seiner Zweitposition im defensiven Mittelfeld zum Einsatz. Nach dem Turnier verlief Hummels‘ Entwicklung aber rasant. Als einer der spielstärksten Innenverteidiger der Welt bildet er mit dem wuchtigen Boateng seit Jahren ein kongeniales Duo in der DFB-Abwehr, seit 2016 auch bei Bayern München. Beim WM-Gewinn 2014 erinnerte die Leichtigkeit und Souveränität des zweifachen Torschützen Hummels bisweilen an die Nonchalance von „Kaiser“ Franz Beckenbauer.

Marcel Schmelzer (Abwehr, Borussia Dortmund/4/0)
2009 oft erste Wahl auf der linken Abwehrseite. Mit dem Aufstieg von Borussia Dortmund zur Spitzenmannschaft ab 2010 ging allerdings nur zwischenzeitlich auch der Aufstieg von Schmelzer einher. Auch wenn die Alternativen auf der Linksverteidigerposition rar waren, konnte der gebürtige Magdeburger den Bundestrainer nie vollends von sich überzeugen. Bestritt lediglich 16 Länderspiele, verpasste die WM 2014 und die EM 2016. Mittlerweile ist der Kölner Jonas Hector im Nationalteam die klare Nummer eins auf der linken Abwehrseite.

Sami Khedira (Mittelfeld/VfB Stuttgart/4/0)
2009 in Schweden Kapitän und Kopf der Mannschaft. Erlebte bei der WM 2010 als starker Vertreter des verletzten Kapitäns Michael Ballack einen Blitzaufstieg in der A-Nationalmannschaft. Khedira ist in seiner Karriere von einigen Verletzungen heimgesucht worden, aber wenn er spielen kann, ist der Mittelfeldchef von Real Madrid (2010 bis 2015) und seither von Juventus Turin mit seiner Präsenz und seiner Wucht für Löw unersetzlich.

Mesut Özil (Mittelfeld/Werder Bremen/5/1)
War bei der EM 2009 der überragende deutsche Offensivspieler. Nationalmannschaftsdebüt im Spätsommer 2009. Für Löw seitdem ein Fixstern, auch wenn Özil aus seinen gigantischen Möglichkeiten unter dem Strich zu wenig gemacht hat. Für eine Weltkarriere reichte es trotzdem: Von 2010 bis 2013 war der gebürtige Gelsenkirchener Spielmacher von Real Madrid, seitdem ist Özil der Schlüsselspieler beim FC Arsenal. Beim WM-Gewinn 2014 war der Deutsch-Türke allerdings eher Mitläufer als treibende Kraft.

Daniel Adlung (Mittelfeld/VfL Wolfsburg/0/0)
2009 eher als Kaderauffüller im Aufgebot. Gehörte jahrelang dem VfL Wolfsburg, wurde aber immer wieder ausgeliehen. Seit 2010 ausschließlich in der 2. Liga unterwegs, erst für Energie Cottbus, zuletzt für 1860 München. An der Seite von Boenisch stieg er 2017 mit den Löwen ab.

Patrick Ebert (Mittelfeld/Hertha BSC/3/0)
Berliner Junge mit großem Talent, aber einigen Flausen im Kopf. Nach dem U21-EM-Titel machte der Flügelspieler eher durch eine Anklage wegen Vandalismus und einige Verletzungen von sich reden als durch überragende Spiele. Verließ Hertha BSC 2012. Gute Leistungen bei Real Valladolid brachten ihm 2014 einen fetten Vertrag bei Spartak Moskau ein, nur ein Jahr später ging Ebert aber schon wieder zurück nach Spanien zum Madrider Vorortklub Rayo Vallecano.

Marko Marin (Mittelfeld/Borussia Mönchengladbach/4/0)
2009 wurde Marin noch als „Zaubermaus“ und „German Messi“ gefeiert, doch der hochveranlagte Flügelspieler ist längst nur noch ein Wandervogel des internationalen Fußballs, der aus seinem Talent zu wenig gemacht hat. Wechselte nach der U21-EM 2009 zu Werder Bremen. Einem starken ersten Jahr an der Weser folgten zwei schwache, der FC Chelsea schlug 2012 dennoch für mehr als 10 Millionen Euro zu – und verlieh Marin ein paar Mal quer durch Europa: nach Sevilla, Anderlecht, Florenz und Trabzon. Mittlerweile ist Marin beim griechischen Serienmeister Olympiakos Piräus eine Gelegenheitskraft. Sein letztes von 16 Länderspielen bestritt der Linksfuß im November 2010.

Dennis Grote (Mittelfeld/VfL Bochum/0/0)
Ohne Einsatz beim EM-Gewinn. Die Karrierestationen des Flügelspielers lesen sich wie die Vita eines Durchschnittsprofis: VfL Bochum, RW Oberhausen, Preußen Münster, MSV Duisburg, Chemnitzer FC.

Änis Ben-Hatira (Mittelfeld/MSV Duisburg/3/0)
Wie Ebert ein Berliner Junge, allerdings mit noch größeren Problemen. Fand sich weder bei der Hertha, noch in Duisburg, beim HSV, bei Eintracht Frankfurt oder Darmstadt 98 lange zurecht. Weil er eine salafistische Gruppe finanziell unterstützte, setzte Darmstadt den Mittelfeldspieler – Typ Straßenköter – im Januar 2017 vor die Tür. Ben-Hatira spielt mittlerweile für Gaziantepspor in der Türkei.

Gonzalo Castro (Mittelfeld/Bayer Leverkusen/5/2)
2009 als rechter Mittelfeldspieler mit zwei Treffern gemeinsam mit Sandro Wagner bester deutscher EM-Torschütze. Einer der vielseitigsten deutschen Fußballer, weil er jede Mittelfeldposition und beide Außenverteidigerpositionen besetzen kann. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Trikot von Leverkusen wechselte Castro 2015 nach Dortmund, überzeugt seitdem auch dort. Bei Löw steht er aber offenbar auf der schwarzen Liste. Sein letztes von fünf Länderspielen bestritt Castro im November 2007.

Ashkan Dejagah (Mittelfeld, Sturm/VfL Wolfsburg/4/1)
Mangels guter gelernter Stürmer im Jahrgang spielte der Flügelakteur Dejagah bei der U21-EM oft in der Sturmspitze. Entschied sich 2012 für die Nationalmannschaft des Iran, war WM-Teilnehmer 2014. Dejagahs Vereinsvita verlief wechselhaft: 2012 verließ der Flügelspieler die Wölfe, um über die Zwischenstationen Fulham und Al-Arabi/Katar im Januar 2017 in die Autostadt zurückzukehren.

Sandro Wagner (Sturm/MSV Duisburg/3/2)
Der einzige „echte“ Stürmer im EM-Aufgebot 2009. Spielte ein insgesamt unauffälliges Turnier, auch wenn seinen beiden Tore zum 3:0 und 4:0 im Finale gegen England darüber hinwegtäuschen. Der gebürtige Münchner war eigentlich schon in der Karriere-Sackgasse angekommen, als er 2015 nach erfolglosen Stationen in Kaiserslautern, Bremen und Berlin beim Underdog Darmstadt 98 anheuerte. Seither macht Wagner aber mit vielen Toren und klarer Kante in Interviews auf sich aufmerksam. 2016 der Wechsel zu 1899 Hoffenheim, wo er mit fast 30 Jahren noch einmal einen deutlichen Entwicklungssprung machte. Anfang Juni 2017 Länderspieldebüt gegen Dänemark, im zweiten Einsatz gegen San Marino mit Dreierpack. Längst ist der Mittelstürmer der alten Schule ein Fußballer mit Kultstatus.

Chinedu Ede (Sturm/MSV Duisburg/0/0)
Als Verlegenheitsstürmer nominiert, blieb ohne Einsatz. Der fünfte gebürtige Berliner und Hertha-Schüler im 2009er-Kader (neben Boateng, Ebert, Ben-Hatira und Dejagah) schaffte nie den Sprung nach oben. Über Duisburg ging es zu Union Berlin, Mainz, Kaiserslautern und Famagusta/Zypern in die Niederlande zu Twente Enschede.

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