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Aug
22

Was machen eigentlich… Solbakken, Varvodic, Mondragon, Womé und Maniche

Zwei Ex-Kölner sind heute in den Schlagzeilen: Abstiegstrainer Stale Solbakken ist zum FC Kopenhagen zurückgekehrt. Der einstige Ersatzkeeper Miro Varvodic fordert heute im Dress von Qarabag Agdam die Frankfurter Eintracht im Playoff um die Europa League. Grund genug, um auf diese und weitere „Ikonen“ der jüngeren Vereinsgeschichte zu blicken.

Stale Solbakken: In Kopenhagen schellt das Telefon

„Stale, Stale, Stale Solbakken. Er hät en Pläät, watt uns nix määt, Stale Solbakken!“ Ein sympathischer Typ war er ja, der 2011 verpflichtete Trainer des FC Kopenhagen. Der Glatzkopf mit dem Herzschrittmacher war nie um einen guten Spruch verlegen – und davon hatte der Norweger viele.

Doch nach einem ordentlichen Start in die Saison 2011/12 mit 21 Hinrunden-Punkten stürzte der in sich zerrissene Klub unter seiner Führung ab. Solbakken, der sich in einem von Eitelkeiten geprägten Kampf mit Sportdirektor Volker Finke aufrieb, vertrieb diesen zwar aus dem Amt, verlor aber auch die Kontrolle über die Mannschaft. Nach einem 0:4 beim in Mainz und dem Abrutschen auf Platz 16 war nach dem 30. Spieltag Schluss. Nachfolger Frank Schaefer konnte die Talfahrt nicht mehr stoppen.

Danach heuerte Solbakken, der vor seinem Engagement in Köln bereits einen Vertrag als norwegischer Nationaltrainer unterschrieben hatte und vom FC für einen hohen sechsstelligen Betrag aus dem Vertrag gekauft werden musste, beim englischen Erstliga-Absteiger Wolverhampton Wanderers an. Doch auch dort hatte der 45-Jährige nur eine kurze Halbwertzeit: Der Klub stand zur Halbzeit der Saison im Tabellenkeller. Eine Pleite im FA-Cup gegen den Fünftligisten Luton Town kostete Solbakken im Januar 2013 schließlich den Job. Im vergangenen halben Jahr arbeitete er als Experte für den norwegischen Sender „TV2“.

Am 21. August wurde bekannt, dass Solbakken wieder beim FC Kopenhagen einsteigt. Der dänische Klub hatte sich nach einem Fehlstart in die Meisterschaft mit zwei Punkten aus den ersten fünf Spielen von Trainer Ariel Jacobs getrennt. Solbakken soll in Kopenhagen an seine erfolgreiche erste Amtszeit (2006 bis 2011) anknüpfen, in der er den Verein zu vier Meistertiteln und ins Achtelfinale der Champions League geführt hatte.

Miro Varvodic: Dem Adler den Kampf angesagt

Neunmal hütete „der schöne Miro“ zwischen 2008 und 2012 das Tor des FC. Zunächst als Ersatz von Faryd Mondragon, dann als Vertreter von Michael Rensing. Bei seinen wenigen Auftritten wirkte der einstige kroatische U-21-Nationalkeeper oft so unglücklich, dass ihm nur wenige Fans nachtrauerten, als er sich im August 2012 dem aserbaidschanischen Klub FK Qarabag Agdam anschloss.

Dort hat sich Varvodic im Verlauf der abgelaufenen Saison, die Qarabag auf Rang zwei beendete, den Platz zwischen den Pfosten erkämpft. Zur Belohnung darf der Keeper heute im Playoff-Hinspiel der Europa League gegen Eintracht Frankfurt im Tor stehen. In den bisherigen sechs Spielen im Wettbewerb hielt der 24-Jährige viermal die Null. Aus deutscher Sicht bleibt zu hoffen, dass keine weiteren weißen Westen mehr hinzukommen.

Faryd Mondragon: Wie guter Wein

„Mega-Mondy“ war schon ein echter Typ. Der Kolumbianer mit dem stechenden Blick war gewiss nicht der beste Keeper der Liga, doch dank seiner mitreißenden Art gewann er schnell die Herzen der Fans. Dreieinhalb Jahre hielt Mondragon es in Köln aus, ehe er im Dezember 2010 auf einer Pressekonferenz, zu der er selbst geladen hatte, die Missstände im Klub anprangerte und seinen Wechsel in die Major League Soccer zu Philadelphia Union zum 1. Januar 2011 forcierte.

Für den FC sollte sich diese Eskapade als Glücksgriff erweisen, denn Nachfolger Michael Rensing war gegenüber dem in die Jahre gekommenen Kolumbianer ein deutliches Upgrade. Anders als Rensing, der aktuell in Düsseldorf auf der Bank versauert, steht Mondragon übrigens immer noch zwischen den Pfosten. Im selbst für Torhüter stolzen Fußballeralter von 42 Jahren läuft Mondy in der Heimat für Deportivo Cali auf und gehört sogar wieder zum erweiterten Kreis der kolumbianischen Nationalmannschaft. Einfach ein Denkmal, dieser Mann!

Pierre Womé: Mehr netto vom brutto

Wer für Inter Mailand und Werder Bremen gespielt hat, muss für den 1. FC Köln doch eine Verstärkung sein, sollte man meinen. Nein, die Rede ist nicht von Marko Arnautovic, sondern von Pierre Womé. Der damals 29-jährige Linksverteidiger schloss sich 2008 für drei Jahre dem Aufsteiger aus der Domstadt an. Bei der Vertragsverhandlungen mit dem damaligen Manager Michael Manager wurde schnell klar, worauf Womé gesteigerten Wert legte. Meier: „Was motiviert dich?“ Womé: „Netto!“

Sportlich hat Womé in Köln kaum mehr zu Wege gebracht als seine fast schon legendäre „Einwurfflanke“, die er am 6. Spieltag der Saison 2008/09  auf den Kopf von Youssef Mohamad zum 1:0-Siegtor gegen Schalke servierte. Ansonsten war der Kameruner oft verletzt und sorgte durch zur Schau gestellte Unlust im Spiel wie im Training regelmäßig für Negativschlagzeilen. Nach dem Abgang seines Mentors Christoph Daum im Sommer 2009 geriet Womé in seiner zweiten Saison unter Zvonimir Soldo schnell auf’s Abstellgleis.

Dort bewies er eine Hartnäckigkeit, die man sich auf dem Rasen häufiger gewünscht hätte. Denn den gut bezahlten Womé loszuwerden, erwies sich als äußerst diffizil. So blieb den Verantwortlichen im Sommer 2010 keine andere Wahl, als den Kameruner mit einer üppigen Abfindung aus seinem Kontrakt zu entlassen. „Netto“ hielt die Augen nach weiteren hochdotierten Angeboten offen, doch weil die unverständlicherweise ausblieben, ging er 2011 zum FC Sapins nach Gabun. Mittlerweile kickt Womé wieder in seiner kamerunischen Heimat bei Hauptstadtklub Canon Yaoundé. Keine Ahnung, wie der Steuersatz in Kamerun ist, aber allzu viel netto sollte für da nicht übrig bleiben…

Maniche: Doppelt hält besser

Als echter „Kracher“ wurde der damals 31-jährige Portugiese im Sommer 2009 beim 1.FC Köln vorgestellt. Einziges Problem: Der EM-Allstar von 2004 galt als schwieriger Charakter, der auf seinen vorherigen Stationen (u.a. Porto, Chelsea, Inter, Atletico) wiederholt mit seinen Trainern aneinandergeraten war. Nicht von ungefähr wurde Maniche aufgrund seiner Suspendierung in Madrid überhaupt erst für den 1. FC Köln verfügbar.

Auf dem Platz präsentierte sich Maniche zumeist divenhaft und lustlos. Sein Übergewicht, welches sich nicht zuletzt in einem markanten Doppelkinn manifestierte, wurde er unter Trainer Zvonimir Soldo nie los. Das wiederum dürfte nicht zuletzt an Maniches limitiertem Trainingsfleiß gelegen haben. So soll er im Winter 2009/10 die Aufforderung seines Trainers zu einem Waldlauf mit den Worten „I pay what you want, it’s too cold“ quittiert haben. Gespielt hat Maniche trotz solcher Respektlosigkeiten fast immer, 2009/10 kam er auf 30 Einsätze (3 Tore). Nach dieser einen Saison wurde das Missverständnis allerdings mit einer Abfindung in Millionenhöhe beendet.

Danach zog es den Techniker zurück in die Heimat. Bei Sporting Lissabon spielte er noch eine mittelprächtige Spielzeit mit 17 Ligaeinsätzen, ehe er 2010 seine Karriere beendete. Mittlerweile ist Maniche Co-Trainer bei Champions-League-Qualifikant Pacos de Ferreira. Den Überraschungsdritten der abgelaufenen portugiesischen Meisterschaft dürften wir aber kaum in der Gruppenphase der Königsklasse wiedersehen: Das Team verlor sein Playoff-Hinspiel daheim mit 1:4 gegen Zenit St. Petersburg.

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