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Okt
24

Was nun, 1. FC Köln?

Kein Sieg, klares Schlusslicht der Fußball-Bundesliga – vier Jahre Aufwärtstrend beim 1. FC Köln von der 2. Bundesliga in die Europa League scheinen binnen drei Monaten zerstört. Nun die Trennung von Sportchef Jörg Schmadtke „in beiderseitigem Einvernehmen“, wie es offiziell hieß. Der erste Meister der Bundesliga-Geschichte steht wieder einmal am Scheideweg.

„Man kann mit vielen Kölnern super feiern, wenn alles läuft. Aber wenn es mal schwierig wird, dann gibt es in dieser Stadt einige, die zünden einem die Füße an, während man dabeisteht.“ Wer will, kann in diesem rund vier Wochen alten Satz von Jörg Schmadtke die Gründe erahnen, warum der Düsseldorfer am Montag – wie schon auf seinen früheren Stationen Aachen und Hannover – seinen Abgang wie aus dem Nichts vollzogen hat.

Schmadtke, der neben Trainer Peter Stöger und Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle als einer der Architekten der Wiederauferstehung des Geißbock-Klubs gilt, ist bei aller Kompetenz ein schwieriger Charakter. Und die Tatsache, dass Stöger in der sportlichen Talfahrt immer noch quasi sakrosankt ist, während ihm selbst die (allerdings wirklich unterdurchschnittliche) Transferpolitik der letzten vier Wechselperioden angelastet wurde, wird Schmadtke kaum gefallen haben.

Die Spatzen im Kölner Grüngürtel pfeifen es von den Dächern, dass Schmadtke am Montag wohl den FC-Vorstand zur Entlassung von Stöger drängen wollte. Als die Oberen um Präsident Werner Spinner und Vize Toni Schumacher aber weiter fest zum Trainer standen, soll Schmadtke hingeworfen haben.

Dank eines erst im Mai bis 2023 verlängerten Vertrags dürfte der frühere Bundesliga-Torwart allerdings mit 3 bis 5 Millionen Euro im Gepäck das Geißbockheim verlassen. Und dank seiner über weite Strecken guten Arbeit ist ihm eine hochkarätige Folgebeschäftigung bei einem anderen Erstligisten quasi sicher. Er verlässt Köln also als Gewinner.

Wie aber geht es mit dem Verein weiter?

Stögers Position ist nun trotz zwei Punkten aus neun Bundesliga-Spielen eindeutig gestärkt. Die Bosse scheinen unerschöpfliches Vertrauen in den Österreicher zu haben, der aus der Mannschaft trotz der historischen Krise immer wieder vollste öffentliche Rückendeckung erfährt. Aber: Wenn Stöger auch die nächsten zwei, drei Spiele verliert, wird der neue Sportchef womöglich als erste Amtshandlung den langjährigen Erfolgscoach (Vertrag bis 2021) vor die Tür setzen müssen.

Vielleicht aber ist Stöger bis auf Weiteres sein eigener Chef, gewissermaßen ein Teammanager nach englischem Vorbild. Ab sofort ist der Trainer nämlich in enger Zusammenarbeit mit Sportdirektor Jörg Jakobs und der Scouting-Abteilung damit betraut, den Kader in der Winter-Transferperiode zu verstärken. Hier besteht Potenzial, denn Schmadtke hinterlässt gewiss kein unbestelltes Feld.

Zudem ist die Kriegskasse des FC noch gut gefüllt. „Nur“ die Rekord-Ablösesumme für Torjäger Anthony Modeste von 35 Millionen Euro wurde bislang investiert, die Einnahmen aus der ersten Europapokal-Teilnahme seit 1992 liegen quasi noch unter dem Kopfkissen. Und Stöger kann selbst auf Erfahrungen als Sportdirektor zurückblicken. In dieser Funktion holte er mit der Wiener Austria 2005 ist Meisterschaft, den First FC Vienna führte er in die 2. österreichische Liga.

Stögers dringlichste Aufgabe ist aber unverändert die als Trainer: Der 1. FC Köln muss dringend Punkte einfahren. Gelingt dies nicht, dürfte sich die Trennung von Jörg Schmadtke sehr schnell als womöglich größter Fehler der letzten Jahre herausstellen – so wie seine Verpflichtung im Sommer 2013 einer der größten Glücksgriffe der letzten Jahre war. Und beim FC waren die Jahre 2013 bis 2017 keine Ära, sondern nur eine wohltuende Erholungspause für einen Chaos-Klub. Gewissermaßen das Auge des Hurricans.

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