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Jan
31

Fair Play?!? – Wechselfrist endet nicht überall am 31. Januar

Arsenal-Coach Arsène Wenger ist wohl der prominenteste Verfechter der Forderung, die Winter-Transferperiode aus Gründen der Chancengleichheit komplett abzuschaffen. Was Wenger wohl davon hält, dass das Winter-Transferfenster in mehr als einem Dutzend Länder teilweise noch bis in den April hinein offen ist?

Am heutigen Freitag schließt in Deutschland das Transferfenster im Winter 2013/14. Bis Punkt 12 Uhr müssen alle wechselwilligen Spieler auf der DFL-Transferliste stehen. Bis 18 Uhr müssen die Transferunterlagen bei der DFL vorliegen. Danach sind nur noch Wechsel in ausländische Ligen möglich, in denen das Transferfenster länger geöffnet ist.

Hierzu gehören u.a. die Türkei (3. 2.), Argentinien (11. 2.), Serbien (14. 2.), Schweiz (17. 2.), Ungarn (21. 2.), Russland (27. 2.), Polen (28. 2.), die Ukraine (1. 3.), Japan (29. 3.), Brasilien, Schweden (31. 3.) und die USA (15. 4.). Nun mag man einwenden, dass ein heiß gehandelter Spieler wie beispielsweise Julian Draxler kaum in eines dieser Länder wechseln würde. Dennoch bleibt die Frage nach der Chancengleichheit.

Einheitliche Fristen eigentlich ein Muss

Zunächst einmal herrscht im internationalen Fußball die Schwierigkeit, dass die meisten Ligen im Rhythmus August bis Mai und manche Ligen von März bis November spielen. Eine Spielzeit nach dem Kalenderjahr hat in der Regel klimatische Gründe – oder geht auf eine Schnapsidee der FIFA zurück #WM 2022. Allein aus diesem Grund kann Einheitlichkeit bei den Transferfristen eigentlich nicht gegeben sein, weil man nicht alle Ligen im gleichen Rhythmus starten und beenden kann.

Dennoch sollten die FIFA, die Kontinentalverbände und die Vertreter der Ligen einheitliche Bestimmungen treffen. Das gilt nicht nur für das Wintertransferfenster, sondern für den gesamten Transfermarkt, der auch (und vor allem) im Sommer besonders heiß ist.

Sommerfenster früher schließen? Winterfenster abschaffen?

Eine „faire“ Lösung in einer Zeit, in der sich die UEFA zumindest in finanzieller Hinsicht das „Fairplay“ auf die Fahne geschrieben hat, bestünde darin, auch die Transfermärkte in ihrer Dauer zu reglementieren und beispielsweise Transfers nur noch im Sommer zuzulassen. So würde man am Ende einer Saison tatsächlich ein Abbild der Leistungen über eine Saison sehen.

Ein Beispiel: In der Saison 2010/11 hat der VfL Wolfsburg zwecks Kurskorrektur im Winter noch einmal fünf Spieler für mehr als 13 Millionen Euro Ablöse gekauft. Ein kleiner Verein, der im Keller steht, kann dagegen in diesem Maße nicht mehr nachbessern, um seine Saisonziele noch zu erreichen. Hier könnte man auch sagen: Wer im Sommer gut oder schlecht einkauft, sollte bis zum nächsten Sommer mit den Konsequenzen leben.

Dass bei einigen Klubs eine generelle Reformbereitschaft gegeben ist, hat der UEFA-Kongress der Elitetrainer im vergangenen September in Nyon gezeigt. Damals gab sich beispielsweise der damalige Tottenham-Trainer André Villas-Boas durchaus offen für eine Verkürzung der Transferfenster: „Einige von uns möchten, dass das Fenster früher schließt. Mit Blick auf die Planung und einen fairen Wettbewerb wäre das besser.“

Drei Monate offene Fenster führen zu Durchzug

In der Tat sind beispielsweise in den fünf großen Ligen Primera Division, Premier League, Bundesliga, Serie A und Ligue 1 die Transferfenster zwischen dem 1. Juli und dem 31. August sowie zwischen dem 1. Januar und dem 31. Januar geöffnet. De facto kommt der Markt aber erst in der letzten Woche einer Wechselperiode richtig ins Rollen.

Das Ganze erinnert eklatant an das Einkaufsverhalten vieler Menschen in Supermärkten. Als die früher „schon“ um 20 Uhr geschlossen hatten, war es in der letzten Stunde an vollsten. Heute haben Supermärkte oft bis 22 Uhr oder gar bis Mitternacht geöffnet. Die Folge? Die Rush Hour hat sich ebenfalls nach hinten verschoben. Ein früherer Transferschluss würde Verhandlungen zwar nicht unbedingt beschleunigen, aber die Vereine zu einem zeitigeren Gang in den Transfer-Supermarkt veranlassen.

Den eigenen Gegner für die Saison fit machen

Gerade in der Sommer-Transferperiode besteht noch ein weiterer guter Grund für eine Verkürzung der Transferzeit. Napoli-Coach Rafael Benitez hat es in Nyon schön erklärt. Der Spanier machte sich für einen früheren Stichtag stark, „weil man sich nach der aktuellen Regelung mit Profis auf die Saison vorbereitet, die dann am Ende vielleicht gegen dich spielen.“

Darum folgender Vorschlag: Macht den „Laden“ im Sommer bereits am 31. Juli oder spätestens am 15. August dicht. So verhindert man auch das elende Gepoker mancher Profis, die ihren Verbleib bei ihrem Verein vom Erreichen der Champions-League-Gruppenphase abhängig machen. Bislang geht das, weil die Qualifikation in der letzten Augustwoche endet.

Das Winter-Fenster könnte man komplett geschlossen halten oder bei der Zahl der Transferbewegungen bzw. der Höhe der Transfersummen Limits festsetzen. Drei Transfers pro Klub oder ein gewisser Prozentsatz des Etats bei den Ablösesummen könnten ein Ansatzpunkt zu mehr sportlicher Fairness und weniger Theater sein.

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