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Jul
18

Wer hat eigentlich das Elfmeterschießen erfunden?

Der 17. Juli 2011 war ein Tag der Elfmeter: Japan gewinnt die Frauenfußball-WM nach Elfmeterschießen. Brasilien versagt bei der Copa America gleich viermal vom Punkt. Doch wem haben wir das Elfmeterschießen, dieses tragi-komische Schauspiel, überhaupt zu verdanken?

Der Elfmeter ist fast so alt wie der Fußball selbst. Als Bestrafung für ein Foul oder ein Handspiel im Strafraum gibt es ihn bereits seit 1891. Doch erst 80 Jahre später wurde das heute so vertraute Elfmeterschießen eingeführt, um K.O.-Spiele in absehbarer Zeit zu entscheiden.

Vor dem Elfmeterschießen: Spielen bis es einen Sieger gibt

Der moderne Fußball ist mit Sicherheit so fordernd wie nie zuvor. Und doch: Wenn man bedenkt, dass bis 1967 keine Einwechslungen erlaubt waren und bei K.O.-Spielen so lange gespielt wurde, bis ein Tor fiel, muss man auch vor früheren Spielergenerationen den Hut ziehen.

Als Beispiel sei das WM-Viertelfinale 1934 zwischen Gastgeber Italien und Spanien angeführt. Am 31. Mai trennten sich beide Mannschaften nach Verlängerung mit 1:1. Bereits einen Tag später standen sie sich zum Wiederholungsspiel gegenüber. Italien gewann nach regulärer Spielzeit mit 1:0. Insgesamt waren also 210 Minuten nötig, um einen Sieger zu ermitteln. Und es hätten noch mehr werden können: Wenn auch das erste Wiederholungsspiel nach Verlängerung unentschieden ausgegangen wäre, hätte es ein zweites Wiederholungsspiel gegeben. Man hätte schlicht und einfach gespielt, bis eine Mannschaft gewonnen hätte.

Münzwurf gerechter als Elfmeterschießen?

Um zu verhindern, dass eine Flut an Wiederholungsspielen den Terminplan eines Wettbewerbs ins Wanken bringt, beschloss die FIFA in der Folge, im Falle eines unentschieden endenden Wiederholungsspiels das Glück entscheiden zu lassen. So wurde der Münzwurf durch den Schiedsrichter eingeführt, der beiden Mannschaften eine statistische 50:50-Chance einräumte. Und auch wenn so mancher Trainer oder Spieler nach einer Pleite im Elfmeterschießen gerne anführt, dass dieser Shoot-out vom Punkt nichts mit Gerechtigkeit zu tun habe, so trifft dieses Urteil mit Sicherheit noch mehr auf den Münzwurf zu.

So kam es in der Geschichte denn auch zu einigen dramatischen Entscheidungen: Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister 1964/65 zwischen dem FC Liverpool und dem 1. FC Köln etwa endete sowohl das Hin- als auch das Rückspiel mit 0:0. Auch im fällig gewordenen Wiederholungsspiel auf neutralem Platz stand es nach 120 Minuten 2:2. Die Münze musste die Entscheidung bringen. Doch auch hier ging es in die Verlängerung – nach dem Wurf des Schiedsrichters blieb sie nämlich senkrecht im nassen Rasen stecken. Erst in der Wiederholung fiel die Münze (und somit die Entscheidung) zu Gunsten des FC Liverpool.

Bei der Europameisterschaft 1968 entschied die Münze sogar über den Finaleinzug: Nach 120 torlosen Minuten im Halbfinale zwischen Italien und der Sowjetunion entschied Fortuna zu Gunsten der Südeuropäer. Spätestens hier musste auch der Letzte einsehen, dass man dem Fußball auf diese Weise einen riesigen Schaden zufügt. Wer kann sich schon über einen Sieg freuen, wenn er ihn dem Zufall zu verdanken hat?

Elfmeterschießen: Ein Schiedsrichter greift spielentscheidend ein

Es musste also eine Lösung her. Der ehemalige Schiedsrichter Karl Wald legte auf dem Bayerischen Verbandstag 1970 seine komplett ausgearbeitete Idee vor, Spiele durch Elfmeterschießen zu entscheiden – und traf auf große Zustimmung bei den Oberen. Schließlich hatte man so zumindest eine sportliche Lösung geschaffen und zugleich einen Weg gefunden, ein Spiel in absehbarer Zeit zu entscheiden.

Bereits 1971 übernahm der DFB als erster Verband die Idee, FIFA und UEFA folgten wenig später. Wiederholungsspiele gehörten nun der Vergangenheit an. Stand es nun in einem K.O.-Spiel nach 120 Minuten unentschieden, musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Lediglich der eine oder andere nationale Verband schloss sich diesem Modus bis heute nicht zu 100 Prozent an. So wird im englischen FA-Cup, dem ältesten Fußballwettbewerb der Welt, bei einem Remis nach 120 Minuten nach wie vor ein Wiederholungsspiel angesetzt. Erst wenn auch dieses nach 120 Minuten noch unentschieden stehen sollte, kommt es zum Elfmeterschießen. Die mangelnde Praxiserfahrung mit dem Shoot-out könnte übrigens eine Erklärung sein, warum sich die Engländer bis heute vom Punkt aus so schwer tun…

Ein Plädoyer für das Elfmeterschießen

Im Übrigen hat nicht nur ein Deutscher das Elfmeterschießen erfunden – ein Deutscher war auch der erste, der im Rahmen eines wichtigen Elfmeterschießens Nerven gezeigt hat: Uli Hoeneß drosch den Ball im EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei in den Belgrader Nachthimmel und sorgte so für die Vorentscheidung zu Ungunsten seines Teams.

Immerhin hat Deutschland seit jenem Abend kein wichtiges Elfmeterschießen mehr verloren. Auch Uli Hoeneß wird mittlerweile über jenen Fehlschuss hinweg gekommen sein. Und seien wir mal ehrlich: Gibt es im Fußball etwas Spannenderes und Nerven aufreibenderes als ein Elfmeterschießen? Selbst wenn das Spiel noch so schwach war, besteht dank des Elfmeterschießens immer noch die Chance, dass es trotzdem ein Fall für die Geschichtsbücher wird. Der einzige Makel des Elfmeterschießens ist halt nur, dass zwangsläufig jemand versagen muss. Aber besser so, als noch einmal eine Münze entscheiden zu lassen.

1 Kommentar

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  1. König Otto sagt:

    Unglaublich. Ich hätte spontan gedacht, dass es schon seit geraumer Zeit das Elfmeterschießen nach Verlängerung gibt – Danke an Aktives-Abseits für die Aufklärung. Da mir das immer noch so unglaublich erscheint noch eine Nachfrage: Ist es selbst im DFB-Pokal nie zu einer Spielentscheidung durchs Elfmeterschießen vor 1971 gekommen?
    Vielen Dank,
    die Syker

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