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Mrz
14

Willkommen in der Bedeutungslosigkeit

Der Brexit wurde zum Dexit: Die Bundesliga und der deutsche Fußball haben in den Champions-League-Duellen mit der Premier League offenbart, woran es derzeit hapert.

Keine sechs Jahre ist es her, da blickte Fußball-England widerwillig in seine gute Stube. Das Wembley-Stadion war fest in deutscher Hand, als Bayern München am 25. Mai 2013 im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund mit 2:1 den Henkelpott eroberte. Seither war das Endspiel um Europas Krone frei von deutschen Teilnehmern, und doch redete man sich in der Bundesliga immer wieder ein, in Europa eine führende Rolle zu spielen. Seit Mittwoch sollte das niemand mehr behaupten, wenn er nicht ausgelacht werden will.

Schlechtestes Abschneiden seit 13 Jahren

Ein Unentschieden, fünf Niederlagen, 3:17 Tore – so lautet die niederschmetternde Bilanz des Bundesliga-Trios Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 nach den Achtelfinal-Duellen mit Englands Top-Trio FC Liverpool, Tottenham Hotspur und Manchester City. Erstmals seit 13 Jahren geht das Viertelfinale in der Königsklasse damit ohne deutsche Beteiligung über die Bühne.

Sollte am Abend auch noch Eintracht Frankfurt bei Inter Mailand aus der Europa League fliegen (Hinspiel 0:0), wäre das vielzitierte Premiumprodukt Bundesliga erstmals seit der Saison 2003/04 bei den Europapokal-Viertelfinals gar nicht mehr dabei. Eine Blamage für die Liga und auch den Verband – immerhin durfte sich der DFB noch vor neun Monaten mit dem Weltmeistertitel schmücken.

Was sind die Gründe für den Niedergang, der keineswegs schleichend daherkam? Ja, die Premier League setzt mehr Geld um. Doch das darf nicht die ewige Entschuldigung sein. Rein wirtschaftlich schreibt nämlich auch die Bundesliga eine Erfolgsgeschichte. Erst vor einem Monat verkündete die DFL einen Umsatz von 4,42 Milliarden Euro, es war im 14. Jahr in Folge ein Rekordwert.

Talentförderung als alternativloser Ausweg

Zugleich wird die Liga kurz- und mittelfristig englische Zahlen nicht annähernd erreichen, und ein Wettrüsten durch massive Investitionen in den Kader kann sich nur Bayern München erlauben. Allerdings: Auch das berühmte Festgeldkonto des Rekordmeisters kommt angesichts der horrenden Transfersummen auf dem Markt längst nicht mehr so beeindruckend daher wie noch vor fünf oder zehn Jahren. Bayern kann – und wird wohl – nur eine Transferperiode lang in der Größenordnung von Paris St. Germain oder Manchester City shoppen gehen.

Der Rest der Liga kann da nicht mitmachen – und das ist gut so! Die Bundesliga muss im positivsten Wortsinn wieder eine Ausbildungsliga werden. Nur durch international erstklassige Nachwuchsarbeit kommen Liga und Nationalelf wieder voran. Derzeit sieht es düster aus, in seiner Altersklasse etwa soll der Leverkusener Kai Havertz (19) das mit Abstand größte Talent sein. Dahinter komme nichts für die absolute Spitze nach, heißt es immer wieder. Auch in den jüngeren Jahrgängen kann man in den Vereinen und beim DFB nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen wie noch vor ein paar Jahren. Die Versäumnisse einer Erfolgsära werden deutlich.

Ajax und Porto zeigen, dass es auch anders geht

Darüber hinaus aber kann es kein Zufall sein, wenn deutsche Vereine regelmäßig gegen Klubs aus England und auch Spanien den Kürzeren ziehen – auch wenn die Protagonisten in diesen Fällen nur zu gern auf das „fehlende Quäntchen“ verweisen. Immer Pech ist auch kein Zufall.

Zum Glück gibt es Beispiele, die Mut machen. Die zeigen, wie man auch ohne Geld Europa und die Herzen der Fans erobern kann. Ajax Amsterdam, seit jeher Everybody’s Darling im internationalen Klubfußball, hat nach mehr als 20 Jahren wieder eine Mannschaft mit Top-Talenten beisammen, die den Laden aufmischt und der man alles zutrauen muss – auch, den Gewinn der Champions League von 1995 zu wiederholen.

Es geht also auch ohne Premier-League-Milliarden. Allerdings ist der Ajax-Höhenflug nur eine Momentaufnahme, eine flüchtige Utopie für Fußballromantiker. Denn die Mannschaft um Frenkie de Jong wird sich im Sommer in alle Winde zerstreuen. England und Spanien locken. Die Bundesliga wird wohl auch im Werben um die Weltstars von morgen nur Zuschauer sein – und keine Zeit verstreichen zu lassen, den Fokus auf die Nachwuchsarbeit zu legen.

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