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Nov
07

Willkommen in der europäischen Spitze, Borussia Dortmund!

Letztlich fehlten Borussia Dortmund nur ein paar Minuten zum Sieg in Madrid und damit zum vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Trotzdem hat der Deutsche Meister hat mit seiner Vorstellung im Estadio Santiago Bernabéu endgültig bewiesen, dass er zu den Schwergewichten in Europa gehört.

In den letzten 15 Jahren hat fast ausschließlich der FC Bayern München die deutsche Fahne in europäischen Vereinswettbewerben hochgehalten. Seit ein paar Jahren hat man nun das Gefühl, dass weitere deutsche Vereine auf dem Sprung sind. In dieser Saison wird dieser Trend besonders offenkundig: Hannover 96 und Bayer Leverkusen liegen in der Europa League voll auf Kurs. Auch Gladbach und die zuletzt erstarkten Stuttgarter können den Einzug in die K.O.-Runde noch aus eigener Kraft schaffen.

Neue Deutsche Welle

Vor allem die Leistungen in der Champions League geben dem deutschen Fan in diesem Jahr Anlass zum Stolz. Die Bayern sind derzeit aufgrund des Ausrutschers in ihrer Gruppe zwar „nur“ Dritter, doch die Klasse der Münchner lässt ein Ausscheiden in der Vorrunde rein rational überhaupt nicht zu. Und einmal in der K.O.-Runde angelangt, sind die Bayern ohnehin ein Anwärter für das Halbfinale, wenn nicht mehr.

Auch die Schalker schlagen sich erstaunlich souverän. Zwar gehört der FC Arsenal nicht mehr zu den Top-Kräften in England, und auch der HSC Montpellier beweist gerade eindrucksvoll, dass der Gewinn der französischen Meisterschaft in der Vorsaison wohl nur eine Eintagsfliege war. Dennoch: Der S04 kontrolliert seine Gruppe und wird nach Menschenermessen ebenfalls mindestens das Achtelfinale der „Königsklasse“ erreichen. Mit einem „Dreier“ im nächsten Spiel gegen Piräus wäre es bereits so weit.

Dortmund hat die Lizenz zum Überleben in der Todesgruppe

Besonders hervorheben muss man aber in dieser Saison die Leistungen von Borussia Dortmund. Nach der Auslosung befürchteten nicht wenige Fans und Experten schon das Schlimmste. Tenor: Wie soll eine Mannschaft, die im letzten Jahr gegen den FC Arsenal, Olympique Marseille und Olympiakos Piräus chancenlos war, es mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam aufnehmen?

Der Blick auf die Tabelle nach vier Spielen lehrt uns, dass die hoch eingeschätzten Engländer zum zweiten Mal in Folge akut vom Ausscheiden nach der Gruppenphase bedroht sind. Vor allem aber erkennen wir, dass Borussia Dortmund bislang die beste Visitenkarte in der Gruppe D hinterlassen hat: Der 1:0-Auftaktsieg gegen Ajax mag zwar vom Glück begünstigt (und von Nervosität begleitetet) gewesen sein, unverdient war er aber nicht. In Manchester (1:1) und Madrid (2:2) war man mindestens ebenbürtig und hätte beide Spiele durchaus gewinnen können. Und vom 2:1-Heimsieg gegen die „Königlichen“ vor zwei Wochen wird so mancher Anhänger der Schwarz-Gelben noch „seine Enkel erzählen“.

Mittlerweile muss auch der letzte Skeptiker zu dem Urteil kommen, dass Borussia Dortmund in den Kreis der europäischen Spitzenmannschaften aufgestiegen ist. Das einzige Problem beim BVB ist nach wie vor, dass der Mannschaft ein paar Prozentpunkte Abgeklärtheit fehlen. Die ganz Großen schaffen es nämlich, auch in einer Abwehrschlacht gegen einen Top-Gegner kein Gegentor zu kassieren. Doch das kann die Borussia bis zur K.O.-Runde ja noch lernen. Die kann man übrigens am einfachsten mit einem Sieg in Amsterdam erreichen. Spielt Real Madrid gleichzeitig in Manchester bestenfalls unentschieden, wäre man sogar schon sicher Gruppenerster. Doch selbst ein Unentschieden bei Ajax reicht definitiv für das Achtelfinale.

Der Königsklassen-Faktor

Ganz Deutschland wird nun wieder diskutieren, wie die Erfolge des BVB in Europa mit dem mäßigen Start in der Bundesliga zusammengehen. Die Antwort ist dermaßen offensichtlich, dass ich mich fast nicht traue, sie auszusprechen: Dortmund hat den Fokus in dieser Saison unbewusst auf die Champions League gerichtet. Nach den blamablen Vorstellungen der letzten beiden Spielzeiten im Europapokal ist es ganz normal, dass die Spieler dienstags und mittwochs einen Tick konzentrierter und entschlossener sind als samstags.

Natürlich versucht auch der BVB, seine Ligaspiele zu gewinnen. Doch zwei Ziele gleichermaßen stark fokussieren, das funktioniert einfach nicht. Man schaue sich nur den FC Bayern der Vorsaison an: Auch die Münchner wollten gewiss Deutscher Meister werden. Doch mit dem Wissen, dass das Champions League-Finale im eigenen Stadion stattfinden würde, ist die „Königsklasse“ die entscheidenden Prozentpunkte mehr in den Fokus gerückt als die Bundesliga.

Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass gute Mannschaften immer auf drei Hochzeiten gleichermaßen erfolgreich sein müssen. Das kann nur funktionieren, wenn man in der Liga frühzeitig ein dickes Polster herausspielt und man im Pokal und Europacup die „Big Points“ macht.

2 Kommentare

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  1. h.chinaski sagt:

    Von europäischer Spitze zu sprechen halte ich für etwas verfrüht. Aber in dessen Dunstkreis sind die Dortmunder in den letzten Jahren mit Sicherheit vorgestossen. Wenn sich das bestätigt (genau wie bei Schalke und Hannover) wäre das sehr sehr gut für den deutschen Fußball. Falls nicht, bleiben halt nur die Bayern um eben jenen Fußball regelmäßig in Viertel- und Halbfinals zu vertreten.

  2. Heibel sagt:

    Um zur absoluten Spitze gezählt werden zu dürfen, muss der BVB die guten Leistungen gegen ManCity und Real natürlich über Jahre bestätigen. Die Top 5 sind für mich momentan Barcelona, Real, Bayern, ManUnited und Chelsea – auch aufgrund der konstant starken Leistungen über Jahre und der Qualität im Kader. Doch dahinter reiht sich bereits der BVB ein – zusammen mit einigen anderen, denen man in guten Jahren ein CL-Halbfinale zutrauen muss.

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