«

»

Jun
11

Willkommen zurück, alter Freund – Der deutsche Dusel ist wieder da

Internationale Pressestimmen zu lesen macht bei Welt- und Europameisterschaften besonders viel Spaß. Wenn es um uns Deutsche geht, werden nicht selten Kriegsmetaphern verwendet, auch vom Dusel war in der Vergangenheit immer wieder zu lesen. Erst die WM 2010 hat ein neues Vokabular hervorgebracht und die deutsche Elf in die Nähe der Magie gerückt. Nach dem 1:0 gegen Portugal redet dagegen niemand mehr von Zauberfußball. Vielmehr sind wir in der internationalen Wahrnehmung wieder die humorlos effektiven Spielverderber. Ich find’s super.

Thomas Müller hat einmal den schönen Satz gesagt „Immer Glück ist Können“. Nun hatte es die deutsche Nationalmannschaft in den vergangenen zwei Jahren kaum nötig, sich auf das Glück zu verlassen. Am Samstag jedoch brauchte das Team von Bundestrainer Jogi Löw eine gehörige Portion Dusel, um in der Schlussphase den ersehnten „Dreier“ zum EM-Auftakt zu sichern. Dass das funktioniert hat, ist zunächst einmal das Wichtigste, frei nach dem Motto „Mund abputzen, weitermachen“. Die Holländer jedenfalls hätten einiges dafür gegeben, einen „hässlichen Sieg“ einzufahren…

In der Tat war das, was die deutsche Mannschaft gespielt hat, kein Fußball vom anderen Stern. Mehr Ballbesitz, aber oft umständlich und unbeweglich. Böse Zungen könnten behaupten, die Nationalelf habe so gespielt wie der FC Bayern – was angesichts von sieben Bayern-Spielern in der Startelf auch irgendwie einleuchtet. Der Sieg war trotzdem nicht unverdient, weil die Mannschaft über weite Strecken hinten gut gestanden hat und offensiv für die drei Punkte mehr getan hat als der Gegner. Unter diesen Umständen erarbeitet man sich auch schon einmal das nötige Quäntchen Glück.

Wo steht Deutschland im Vergleich?

Bislang haben 12 der 16 Teilnehmer ihren Leistungsnachweis erbracht. Wirklich überzeugt hat kein Team. Selbst das 4:1 der Russen gegen Tschechien war weniger beeindruckend, als es das Ergebnis erahnen lässt. Eine stärkere Mannschaft als die Tschechen hätte vor allen die russische Schwächephase zwischen der 46. und der 70. Minute ausgenutzt. Ob die Russen dann noch zwei Treffer hinten raus erzielt hätten, ist zu bezweifeln.

Die Polen haben es versäumt, das vorentscheidende zweite Tor zu schießen. Das 1:1 gegen Griechenland kam trotz besserer Spielanlage letztlich sogar glücklich zu Stande und hat die Euphorie in unserem Nachbarland schon gedämpft. Gegen die Russen muss jetzt mindestens ein Remis her.

Die Niederländer haben vorne pomadig und hinten sorglos gespielt. Weil „Oranje“ gegen Deutschland nach dem 0:1 kommen muss, sollte sich die Löw-Elf in der Offensive leichter tun als gegen die Portugiesen.

Italien und Spanien haben sich auf hohem Niveau nicht gerade neutralisiert, aber doch ein wenig gegenseitig eingebremst. Nett anzuschauen war es trotzdem. Aber auch die beiden Favoriten aus Gruppe C haben noch Luft nach oben. Die Frage ist nur: wie viel? Gegen die Kroaten und die Iren dürften beide normalerweise zwei Siege einfahren.

Die Iren sind nach dem 1:3 gegen die Kroaten im Grunde schon raus. Für die Osteuropäer war der Sieg gegen das Trapattoni-Team dagegen Pflicht. Jetzt müssen überraschende Punkte gegen Italien und Spanien her.

Portugal ist keine Laufkundschaft

Ich verstehe nicht, wieso man über das deutsche Spiel beinahe schon enttäuscht ist. Getreu der alten Fußball-Weisheit „Man ist immer nur so stark, wie es der Gegner zulässt“, sollte man nicht vergessen, dass die Portugiesen keine Laufkundschaft sind. Defensiv standen die Iberer über weite Strecken sehr diszipliniert, körperlich robust sind die Abwehrspieler und die drei Sechser der „Selecao“ ebenfalls. Portugal hat eben das Hauptaugenmerk auf das Sichern des eigenen Tores gelegt. Und wenn eine gute Mannschaft das tut, wird es für jeden Gegner schwer.

Nach meinen Eindrücken vom Samstag würde ich behaupten, dass die Portugiesen es den Niederländern und den Dänen richtig schwer machen werden. Anders ausgedrückt: Ich glaube, dass Deutschland gegen den stärksten Gruppengegner schon gespielt hat und dass sich Portugal neben der DFB-Elf für das Viertelfinale qualifizieren wird.

Und was das deutsche Spiel in einem Turnier angeht, hat es keiner so treffend auf den Punkt gebracht wie UEFA-Präsident Michel Platini, der als aktiver Fußballer mit der französischen Nationalmannschaft zwei Mal in einem WM-Halbfinale an Deutschland gescheitert ist: „Wenn die Deutschen schlecht spielen, erreichen sie das Finale. Wenn die Deutschen gut spielen, gewinnen sie den Titel.“ In diesem Sinne: Bis zum Finale Glück haben, und im letzten Spiel dann einfach mal gut spielen. Ich hätte nix dagegen.

2 Kommentare

Derzeit kein Ping

  1. Horst sagt:

    Sorry, aber das am Samstag war überhaupt nichts! In der Form kriegen wir gegen Holland ne Packung. Auch gegen die Dänen wirds schwer. Gomez ist ein Blinder, Podolski muss raus. Schürrle und Klose würden die Mannschaft nach vorn bringen, So ist ads aber nur Rumpelfußball! Europameister werden die Spanier. Die haben noch gar nicht losgelegt.

  2. Lancelot Maloisel sagt:

    Ich stimme dir zu: Portugal war wirklich ganz gut. Und ich glaube heute schicken wir die Holländer heim. Wer Mathijsen schmerzlich in der Abwehr vermisst, der darf kein Europameister werden. Wir vermissen Wörns ja auch nicht…Italien und Spanien würde ich im Moment am stärksten einschätzen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*