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Mai
28

WM 2014 Gruppe A: Samba-Monatspaket oder Maracanaço II?

Als Gastgeber und Rekordweltmeister steht Brasilien bei der WM gleich doppelt unter Druck. Die Gruppe A ist kein Freilos für die Seleçao. Kroatien ist bekannt für sein nickeliges Spiel, Mexiko ist ein alter Angstgegner und Kamerun mit dem deutschen Trainer Volker Finke ein gefährlicher Außenseiter.

Brasilien – Do or die

Die Negativmeldungen aus Brasilien rissen auch kurz vor Turnierstart nicht ab. Proteste, Razzien, Plünderungen, Straßenschlachten, dazu die zahlreichen Unfälle und Verspätungen beim Bau von Stadien und Infrastruktur – das Fest des Fußballs im Land des Rekordweltmeisters hatte wahrlich keinen positiven Vorlauf.

Der sportliche Auftrag des brasilianischen Volkes an die Mannschaft ab dem 12. Juni ist dennoch klar: Die „Hexa“, der sechste WM-Titel, soll es sein. Kein Wunder, ist Brasilien doch neben dem amtierenden Champion Spanien der einzige Weltmeister, der den Titel nie im eigenen Land gewonnen hat. Die Schmach von 1950, als Uruguay dem Gastgeber vor 200.000 Zuschauern im Maracana-Stadion mit 2:1 den Titel entriss, ist heute noch jedem Brasilianer als „Maracanaço“ („Schock von Maracana“) ein Begriff.

Gegen nicht weniger als ihr eigenes nationales Sportdrama müssen die derzeit besten brasilianischen Kicker also anspielen. Beileibe keine einfache Aufgabe. Dennoch fällt in den Lagern der Konkurrenz verlässlich der Name Brasilien, wenn nach dem Turnierfavoriten gefragt wird. Der souveräne Sieg beim Confed Cup 2013 hat in der Tat gezeigt, wie es laufen kann, wenn Neymar & Co. einen guten Start hinlegen und Euphorie entsteht. Doch diese positive Dynamik müssen die Brasilianer in diesem Jahr von neuem selbst erzeugen.

Ausgerechnet Pelé, Brasiliens größter Kicker aller Zeiten, hat zuletzt fleißig Zweifel geschürt. Neymar als einzige echte Offensivwaffe sei „zu wenig“, überhaupt sei das Team „zu defensiv eingestellt“, bemängelte der dreimalige Weltmeister. 1994 und 2002 klagte Pelé sein Leid in ähnlicher Weise. Beide Titel gingen übrigens nach Brasilien.

Prognose: Bei den Brasilianern scheinen nur zwei Szenarien denkbar bei dieser Weltmeisterschaft: Entweder das Team von Luiz Felipe Scolari nimmt sofort Fahrt auf und wird durch das Turnier zur „Hexa“ getragen – oder aber der Druck wird bereits in der Vorrunde so lähmend, dass spätestens im Achtelfinale gegen einen der starken Widersacher aus der Parallelgruppe B (Spanien, Niederlande, Chile) das Aus kommt. Wie die WM dann zu Ende geht, will man sich gar nicht ausmalen.

Kroatien – Favoritenschreck reloaded?

Es gibt beileibe angenehmere Gegner auf dem Fußballfeld als die Kroaten. Technische Finesse ist bei den Kickern vom Balkan verlässlich mit jeder Menge Gift und Galle gepaart. Deutschland kann wie kein anderes Land ein Lied von der Nickeligkeit der Kroaten singen. Immerhin wurde die Elf von Berti Vogts 1998 bei der WM in Frankreich als amtierender Europameister von der wohl größten kroatischen Spielergeneration um Suker und Boban im Viertelfinale mit 0:3 demontiert.

Seitdem haben viele Experten die Kroaten bei Turnieren als Überraschungsteam auf dem Zettel, doch überrascht haben sie seitdem nicht mehr. Als Auftaktgegner Brasiliens im WM-Eröffnungsspiel am 12. Juni scheinen die Rot-Weißen aber zum Stolperstein prädestiniert zu sein. Mit Mario Mandzukic (Bayern München), den Wolfsburgern Ivica Olic und Ivan Perisic oder den Spanien-Legionäre Luka Modric (Real Madrid) und Ivan Rakitic (FC Sevilla) sind die Kroaten gewiss alles andere als ein Wunschgegner für Brasilien.

Prognose: Auch wenn die Qualifikation zäh verlief, hat Kroatien auf dem Papier das Zeug zur zweiten Kraft in der Gruppe A – selbst wenn der Auftakt gegen den Gastgeber verloren gehen sollte. Danach würde es wohl eng. In einem Achtelfinale gegen Spanien, die Niederlande oder Chile müsste Kroatien definitiv über sich hinauswachsen.

Mexiko – Aller guten Dinge sind sechs

Mexikos WM-Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Nur zweimal, 1970 und 1986 im eigenen Land, erreichte die „Tri“ die Runde der letzten Acht. Ansonsten war spätestens im Achtelfinale Endstation. Die schwache Qualifikation, in der sich das Team erst im Play-off das Ticket nach Brasilien sichern konnte, macht ebenso wenig Mut auf eine Sensation wie das Vorrunden-Aus im Vorjahr beim Confed-Cup.

Doch Mexiko um Javier „Chicharito“ Hernandez von Manchester United will in Brasilien etwas reißen – vor allem gegen Brasilien. Denn die Mexikaner sind der Angstgegner der Seleçao: In 15 Vergleichen seit dem Juli 1999 hat Mexiko achtmal den Platz als Sieger verlassen, darunter auch im Olympia-Finale 2012 in London, als Neymar, Thiago Silva, Hulk, Marcelo und einige mehr aus Brasiliens aktuellem WM-Kader gegen die „Tri“ die sicher geglaubte Goldmedaille verspielten.

Prognose: Hinter Mexikos Leistungsfähigkeit stehen einige Fragezeichen. Realistisch betrachtet muss sich die „Tri“ strecken, um den zweiten Platz in der Gruppe zu erreichen und damit das sechste Achtelfinale in Folge perfekt zu machen.

Kamerun – Eto’s letzter Tanz

Die Diva gibt sich noch einmal die. Samuel Eto’o, etwas in die (nicht genau definierbaren) Jahre gekommener Weltklasseangreifer, hat für seine vierte WM seinen Rücktritt vom Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt. Der Chelsea-Star ist die dominante Figur in der Mannschaft des deutschen Trainers Volker Finke, dem nicht zuletzt „dank“ Eto’o in dem afrikanischen Land ein scharfer Wind entgegenbläst.

Finke sei nicht der richtige, hört man immer wieder aus Kamerun, das seinem zweiten Viertelfinale nach 1990 entgegenfiebert, als die „unzähmbaren Löwen“ wirklich einmal ihrem Namen alle Ehre machten. Seitdem wurde bei Weltmeisterschaften zwar viel gebrüllt, aber wenig erreicht. Auch Finke hat in diese Tradition seiner Vorgänger eingestimmt und das Achtelfinale zum Minimalziel erklärt.

Prognose: Die kamerunische Mannschaft wirkt trotz der Deutschland-Legionäre Eric-Maxim Choupo-Moting (Mainz), Joel Matip (Schalke) und Mohamadou Idrissou (Kaiserslautern) nicht so stark besetzt wie bei früheren WM-Auflagen. Der seit jeher schwierige Eto’o als herausragender Individualist hat zudem nicht mehr die Klasse früherer Tage. Im Normalfall sollte hinter Brasilien und Kroatien bestenfalls Platz drei möglich sein.

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