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Mai
30

WM 2014 Gruppe B: Leben oder sterben lassen

Auf der Suche nach der Todesgruppe bei der WM 2014 ist man schnell fündig geworden: Welt- und Europameister Spanien, Vizeweltmeister Niederlande und die hochgewetteten Chilenen bieten eine explosive Mischung. Die Australier besitzen wohl lediglich Logenplätze im Kampf um das Weiterkommen.

Spanien – Aller guten Dinge sind vier?

Europameister 2008, Weltmeister 2010, Europameister 2012 – irgendwann muss doch das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Doch die Spanier schaffen es immer wieder, dank der besten Nachwuchsarbeit Europas unzählige tolle Spieler zu produzieren, die für einen permanenten Blutaustausch im A-Team sorgen. Wohl dem, der es sich beispielsweise leisten kann, ein Top-Spielmachertalent wie Isco von Real Madrid zuhause zu lassen.

Eher als das Alter könnte den Iberern bei dieser WM zum Verhängnis werden, dass man alle großen Titel schon gewonnen hat und irgendwann in einem engen Spiel vielleicht ein Prozent weniger investiert als der Gegner. Doch an den Punkt, dass ein Prozent entscheidend wird, müssen die Gegner die routinierten und extrem ballsicheren Spanier erst einmal bringen.

Kein Team ist in der Spitze und der Breite mit so vielen Top-Spielern ausgestattet. Einzig im Angriff wird es dünn, seit Diego Costa (Atlético Madrid) aufgrund anhaltender muskulärer Probleme für die WM fraglicher ist denn je. Doch für einen Engpass in vorderster Front hat Trainer Vicente del Bosque schon vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft eine Lösung gefunden und die „falsche Neun“ salon- und titelfähig gemacht. Eine Wiederholung mit Cesc Fabregas oder einem anderen Mittelfeldwirbler in vorderster Front wäre keine Überraschung.

Prognose: Allen Unkenrufen zum Trotz sollten die Iberer in ihrer Gruppe die Nummer eins sein. Doch die gesamte Turnierauslosung ist schwer: Brasilien könnte im Achtelfinale blühen, Italien oder Uruguay im Viertelfinale, Deutschland oder Argentinien im Halbfinale. Kein anderes Team hat allerdings in den vergangenen Jahren mehr bewiesen, dass die Namen der Gegner eigentlich nur Schall und Rauch sind. Spanien ist wieder ein Anwärter auf den großen Wurf.

Niederlande – Stimmt die Mischung?

Drei WM-Finals, dreimal Zweiter – der große Wurf scheint den Niederländern bei aller Veranlagung zum schönen Offensivfußball einfach nicht gelingen zu wollen. Dieses Mal hat der Finalist von Kapstadt 2010 den Vorteil, eigentlich nur positiv überraschen zu können.

Nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft 2012 hat Bondscoach Louis van Gaal seine Mannschaft konsequent verjüngt. Der künftige Trainer von Manchester United vertraut um seine internationalen Topstars wie Robin van Persie und Arjen Robben herum vor allem auf Talente, die vor ihrem ersten großen Turnier stehen und (noch) international keinen großen Namen besitzen. Daryl Janmaat oder Jeremain Lens darf man sich aber ruhig jetzt schon vormerken.

Die Qualifikation verlief souverän und überzeugend, doch den Titel erwartet niemand. Die Gruppe B wird gleich zum Härtetest: Eine Niederlage gegen Spanien zum Auftakt würde den Druck gleich massiv erhöhen. Ein Sieg gegen Australien wäre dann Pflicht, um gegen Chile vermutlich ein Endspiel um Platz zwei in der Gruppe zu haben.

Prognose: Die Mannschaft kann an der Herausforderung der Todesgruppe wachsen. Dann würde womöglich ein Achtelfinale gegen die Brasilianer winken, die man schon 2010 eliminieren konnte. Es bahnt sich aber zunächst eine Spitz-auf-Knopf-Entscheidung mit den Chilenen an. Ob der jugendliche Elan der Niederländer dann ausreicht, bliebe abzuwarten.

Chile – Arturo und mehr

Chiles WM-Geschichte ist bis dato alles andere als glorreich. Von der WM 1962 im eigenen Land abgesehen, ist die Roja nie über die Runde der letzten 16 hinausgekommen. Doch bei ihrer neunten Teilnahme scheint das kleine Land vom Westrand des südamerikanischen Kontinents so stark wie nie zu sein.

Spätestens das Testländerspiel gegen Deutschland im März (0:1; gefühlt: 4:1) hat gezeigt, dass Chile eine top organisierte, extrem giftige Mannschaft ist, die gerade spielstarken Gegnern das Leben schwer machen kann. Von dieser Sorte haben die Chilenen mit den Spaniern und den Niederlanden in ihrer Gruppe gleich zwei an der Zahl.

Bei der Charakterisierung der Mannschaft sollte man nicht alles auf Arturo Vidal reduzieren. Der Star von Juventus Turin ist zwar derzeit wohl der kompletteste Mittelfeldspieler der Welt, doch neben ihm stehen weitere Top-Stars wie Barcelona-Angreifer Alexis Sanchez, Torhüter Claudio Bravo (Real Sociedad) oder Mittelfeldspieler Mauricio Isla (Juventus). Kurzum: Chile ist für jede Mannschaft der Welt alles andere als ein Wunschlos.

Prognose: Gegen Australien zum Auftakt ist ein Sieg Pflicht. Spanien könnte ebenfalls Probleme kriegen, ehe das vermeintliche Endspiel gegen die Niederlande um das Achtelfinalticket ansteht. Chile kann jedem Gegner wehtun. Selbst in einem möglichen K.O.-Duell gegen Brasilien müsste noch nicht Schluss sein.

Australien – Klarer Underdog aus Down Under

Die Australier sind nicht zu beneiden. Mit ein wenig mehr Losglück hätte das Team auch in der Gruppe C mit Kolumbien, der Elfenbeinküste und Griechenland landen können. Klingt nach einer offenen Angelegenheit. Doch in der Gruppe B ist das Team von Ange Postecoglou nichts anderes als ein Sparringspartner, gegen den jeder Gegner zu Recht drei Punkte einplant.

Nicht ohne Grund hat der Nationalcoach bereits nach der Auslosung erklärt, in Brasilien mit einer Mannschaft antreten zu wollen, die in vier Jahren in Russland etwas bewegen kann. Das zeigt auch der Blick auf den WM-Kader, in dem sich mit Ausnahme des Rekord-Torschützen Tim Cahill (34) kaum noch Stützen der vergangenen beiden Turniere mehr befinden. Das Gros sind Spieler zwischen Anfang und Mitte Zwanzig, die lernen sollen – aber gerne auch überraschen dürfen.

Prognose: Jeder Punktgewinn der Australier in dieser Gruppe wäre eine Überraschung. Die junge Mannschaft ist klarer Underdog und darf vorrausichtlich schon nach dem letzten Gruppenspiel am 23. Juni die Rückreise antreten.

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