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Jun
06

WM 2014 Gruppe E: Klare Verhältnisse?

Die krassen Außenseiter Honduras und Ecuador heben die Schweiz und Frankreich bei der WM 2014 in der Gruppe E auf den Favoritenschild – obwohl beide keineswegs zur absoluten Spitzenklasse gehören. Günstige Auslosung nennt man so etwas wohl.

Schweiz: Abschiedsgeschenk für Hitzfeld?

Im Oktober 2013 haben viele Experten verdutzt die Augenbrauen gehoben, als die Schweiz zu einem der acht Gruppenköpfe erklärt wurde. Ausgerechnet die Eidgenossen, die zuletzt 2006 bei einem großen Turnier die Vorrunde überstanden hatten? Doch die umstrittene FIFA-Weltrangliste mit ihrer eigenwilligen Arithmetik hatte gesprochen – und die Schweiz kann sich bedanken, dass ihr damit eine schwere Gruppe erspart geblieben ist.

Doch man sollte den Schweizern auch nicht Unrecht tun: Das kleine Land hat unter seinem deutschen Star-Trainer Ottmar Hitzfeld eine überaus souveräne Qualifikation gespielt. Viele der Schlüsselspieler kennt man aus der Bundesliga, insgesamt sind neun Deutschland-Legionäre dabei. Das größte Augenmerk gebührt sicherlich Bayern Münchens Xherdan Shaqiri und dem Bald-Leverkusener Josip Drmic.

Überhaupt spielen fast alle 23 Spieler im Kader in den ersten Ligen Deutschlands, Spaniens oder Italiens und sind somit an das Top-Niveau gewohnt. In den Ersatzkeepern Yann Sommer (Gladbach), Roman Bürki (Freiburg) und in Mittelfeldspieler Valentin Stocker (Berlin) werden zudem drei weitere Akteure ab Juli in der Bundesliga spielen.

Prognose: Die Schweiz war vor einem großen Turnier selten besser aufgestellt. Das kleine Land ist zwar auf die gesamte WM betrachtet nur ein Außenseiter, doch in der Gruppe E sollte die Hitzfeld-Elf mit Frankreich den Gruppensieg ausspielen. Danach wäre alles weitere Zubrot.

Frankreich: Endlich wieder Grande Nation?

Wie fast alle großen Fußballnationen musste auch Frankreich in den Wochen vor der WM um einen großen Star bangen. Der malade Rücken von Bayern Münchens Flügelwirbler Franck Ribéry lässt aber unglücklicherweise auch weniger als eine Woche vor Turnierbeginn noch keine verlässlichen Prognosen zu. Ohne seinen Star wäre der Weltmeister von 1998 noch einmal eine Klasse schwächer einzustufen.

Kaum vorstellbar, dass die Franzosen vor kaum mehr als einer Dekade noch das Maß aller Dinge im Weltfußball waren. Anno 2014 besitzt die Equipe Tricolore zwar immer noch einige Klasseleute – vor allem Torhüter Hugo Lloris, der aufstrebende Mittelfeldspieler Paul Pogba, Real Madrids Mittelstürmer Karim Benzema oder eben Ribéry – , aber auch allzu viel Durchschnittsware steht im Aufgebot von Trainer Didier Deschamps.

Frankreich kämpft in Brasilien zusätzlich zu allen Widrigkeiten nicht nur um ein gutes Abschneiden, sondern auch um seinen Ruf. Die WM 2014 soll komplett anders werden als das Turnier 2010, als die Mannschaft ein zerstrittener Haufen war und die Rädelsführer um Patrice Evra und Ribéry gegen den Trainerstab meuterten.

Prognose: Die Gruppenauslosung macht es den Franzosen leicht. Ecuador und Honduras sind die Leichtgewichte unter den süd- und mittel-/nordamerikanischen Startern. Das Achtelfinale sollte sich das Team nicht nehmen lassen. Mehr als das Viertelfinale scheint aber nicht möglich zu sein.

Ecuador: Dabei sein ist alles

Irgendwie ist es bizarr: Aufgrund des „Heimvorteils“ in Südamerika gelten Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Uruguay und Chile als Titelanwärter oder zumindest als mögliche Überraschungsmannschaften. Ecuador traut kaum einer ein weites Vordringen zu, obwohl der Vorteil der bekannten Gefilde und Kultur auch für die „Tri“ gelten muss. Dabei hat das Land immerhin die Uruguayer um den Super-Sturm Suarez-Cavani-Forlan im Zaum gehalten.

Doch bei genauem Hinsehen muss man den Kritikern Recht geben: Ecuador verfügt über wenig Extraklasse, der einzige Spieler mit internationalem Renommee ist Antonio Valencia von Manchester United. Um das Leistungsgefälle zu verdeutlichen: Zehn Spieler im WM-Kader verdienen ihr Geld in der heimischen Liga, weitere sieben in der unwesentlich stärkeren höchsten mexikanischen Spielklasse.

Prognose: Platz drei in der Gruppe E scheint das höchste der Gefühle zu sein. Ein Einzug ins Achtelfinale wie 2006, als das Team Gruppengegner der Deutschen war, ist unter normalen Umständen ausgeschlossen.

Honduras: Kleiner geht’s kaum noch

Honduras, Costa Rica, China, Schottland oder Belgien – wenn der honduranische Nationaltrainer Luis Fernando Suarez seine Spieler beobachten möchte, braucht er viel Sitzfleisch im Flieger und darf nicht zu hohe Ansprüche an die Qualität der Ligaspiele haben, die er zu sehen bekommt.

Allein die Personalsituation zeigt, warum das mittelamerikanische Land einer der größten Underdogs in Brasilien ist. Zumindest gelang es den Honduranern aber in der Qualifikation, die von ihren Grundvoraussetzungen auf den Play-off-Platz zu verweisen.

Man könnte es also auch positiv ausdrücken: Was Honduras ohne große Stars und Geld auf die Beine stellt, ist aller Ehren wert. Im großen Konzert einer WM sind aber die „Stars“ Wilson Palacios (Stoke City) oder Maynor Figueroa (Hull City) zu wenig, um auf einen langen Aufenthalt am Zuckerhut zu hoffen.

Prognose: Wie schon bei den bisherigen Teilnahmen 1982 und 2010 ist für Honduras nichts zu holen. Platz vier in der Gruppe wäre nur logisch.

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