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Jun
08

WM 2014 Gruppe F: Argentiniens Schnellzug in die K.O.-Runde?

Argentinien will es bei der WM 2014 wissen und erstmals seit 1990 wieder ins Endspiel. Das Los hat es mit Bosnien-Herzegowina, Iran und Nigeria vermeintlich gut gemeint. Doch die Gauchos müssen vor allem ihr Viertelfinal-Trauma überwinden. Dort könnte Deutschland schon zum dritten Mal der Gegner sein.

Argentinien: Raus aus Maradonas Schatten

Argentinien ist bei Weltmeisterschaften immer Mit-Favorit, aber Argentinien ist diesem Ruf seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr gerecht geworden. Um genau zu sein: Nach der Finalniederlage 1990 gegen Deutschland (0:1) sind die Gauchos dreimal im Viertelfinale und je einmal im Achtelfinale und in der Vorrunde gescheitert – zu wenig für ein Land, das traditionell einige der besten Offensivspieler der Welt stellt.

Allein die nominierten Angreifer für 2014 lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen: Lionel Messi, Sergio „Kun“ Aguero, Gonzalo Higuain, Rodrigo Palacio und Ezequiel Lavezzi haben einigen Verletzungen zum Trotz zusammen 88 Liga-Tore in der abgelaufenen Spielzeit erzielt. Keine Offensivreihe bei der WM ist besser aufgestellt.

Auch das argentinische Mittelfeld mit Angel di Maria (Real Madrid) an der Spitze ist traditionell stark. Schwachpunkte gibt es dagegen wieder mal in der Defensive: Hier fehlen Klasseleute, die eine gute Balance schaffen und Laden zusammenzuhalten. Vielleicht kann Deutschland das zum dritten Mal in Folge ausnutzen. Ein erneutes Aufeinandertreffen in der Runde der letzten Acht ist möglich.

Prognose: Tolle Angriffspower, „Heimvorteil“ auf dem südamerikanischen Kontinent – Argentinien ist heißer Anwärter auf das Halbfinale. Allerdings muss das veranlagte Team im Ernstfall endlich wieder überzeugen. Besonders der viermalige Weltfußballer Lionel Messi muss bei seiner dritten WM widerlegen, dass er nur im Trikot des FC Barcelona in einer eigenen Liga spielen kann.

Bosnien-Herzegowina: Kleines Land ganz groß?

Fünf Anläufe hat Bosnien gebraucht, um sich erstmals für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. Meist war das Scheitern knapp, aber dieses Mal hat die ehemalige jugoslawische Republik überhaupt nichts anbrennen lassen, seine Gruppe von Beginn an dominiert und dabei starke 30 Tore in zehn Spielen produziert.

Die Offensive ist auch die große Stärke der Bosnier: Hinter Superstar Edin Dzeko von Manchester City verfügt Nationaltrainer Safet Susic in den Bundesliga-Legionären Vedad Ibisevic (VfB Stuttgart) und Sejad Salihovic (1899 Hoffenheim) sowie den Italien-Profis Miralem Pjanic (AS Rom) oder Senad Lulic (Lazio Rom) über weitere Spieler mit tollem Torinstinkt und starkem Spielverständnis.

Die Defensive kommt – typisch für Mannschaften aus dem ehemaligen Jugoslawien – eher robust daher. Beispielhaft seien die für ihren physischen Stil bekannten Bundesliga-Profis Emir Spahic (Bayer Leverkusen), Sead Kolasinac (Schalke 04), Ermin Bicakcic (Braunschweig, bald Hoffenheim) und Mensur Mujdza (SC Freiburg) genannt.

Prognose: Das Team spielte in den letzten Jahren sehr homogen und hat keine echte Schwäche. Dieser Umstand und die durchaus vorteilhafte Auslosung geben dem WM-Debütanten eine realistische Chance auf das Achtelfinale – mindestens.

Iran: Endlich in die K.O.-Runde?

Dreimal war der Iran bei WM-Endrunden dabei, und dreimal war es ein kurzes Vergnügen. Beim vierten Anlauf ist die Mannschaft so „international“ wie nie zuvor aufgestellt, immerhin zehn Spieler verdienen ihr Geld im Ausland.

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf den England-Legionären Ashkan Dejagah (Fulham) und Reza Ghoochannejad (Charlton). Hinter dem Duo fällt das Leistungsniveau aber rapide ab. Besonders die Defensive ist international allenfalls zweitklassig, bezieht ihre Erfahrung fast ausschließlich aus den Spielen der Asien-Qualifikation. Insgesamt sind immer noch zu wenige Spieler aus der heimischen Liga herausgekommen.

Prognose: Der Iran bräuchte wohl schon überraschende drei Punkte aus dem ersten Gruppenspiel gegen Nigeria, um mit diesem Schwung gegen Bosnien erneut zu punkten und unter günstiger Gruppenkonstellation den zweiten Platz zu sichern. Ziemlich viele Konjunktive. Das Weiterkommen wäre eine echte Überraschung.

Nigeria: Super Eagles wieder mit Bruchlandung?

In Afrika sind die Ansprüche und die Sehnsucht auf einen WM-Titel groß. Vor 20 Jahren galt Nigeria als größtes Versprechen auf dem schwarzen Kontinent, doch nachdem die Generation der 1996er-Olympiasieger um Kanu, Okocha und Ikpeba 1994 und 1998 in einer Mischung aus Arroganz und Verspieltheit ein weiteres Vordringen als in Achtelfinale leichtfertig verspielte, ging es bei den Super Eagles kontinuierlich bergab.

In den letzten zwei Jahren scheint aber eine Trendwende eingesetzt zu haben. Unter Trainer Stephen Keshi, 1994 in den USA noch Kapitän des Teams, gewann Nigeria Anfang 2013 den Afrika Cup und gilt seither neben Ghana und der Elfenbeinküste als größte afrikanische WM-Hoffnung. Der Confed Cup vor einem Jahr mit verdienten Niederlagen gegen Spanien und Uruguay hat aber gezeigt, dass den Westafrikanern zur internationalen Spitze noch einiges fehlt.

Um Star Jon Obi Mikel (FC Chelsea) hat sich ein Team mit erfahrenen Kräften aus den europäischen Top-Ligen (u.a. sechs aus England, drei aus Frankreich, zwei aus Italien) gebildet. Die Mannschaft hat eine gute Altersstruktur, kann im Kern wohl noch bei der WM 2018 in Russland zusammenspielen.

Prognose: Mit einer Spur mehr Cleverness als in der Vergangenheit ist Nigeria das Achtelfinale zuzutrauen. Das zweite Gruppenspiel gegen Bosnien könnte zu einem Finale um den zweiten Platz hinter Argentinien kommen. Voraussetzung ist, dass sich die Super Eagles zum Auftakt gegen den Iran schadlos halten.

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