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Jun
12

WM 2014 Gruppe H: Beginnt Belgiens Zukunft schon heute?

Belgien startet als Favorit in die deutsche Parallel-Gruppe H. Ist das Team tatsächlich schon reif genug, um Russland, Algerien und Südkorea zu kontrollieren und seiner Rolle als Geheimfavorit gerecht zu werden?

Belgien – Das große Versprechen

Zwölf lange Jahre war Belgien nicht mehr bei einem großen Turnier vertreten. Sogar 28 Jahre liegt der größte Erfolg des belgischen Fußballs, der Halbfinaleinzug bei der WM 1986, schon zurück. Nicht wenige trauen der aktuellen Mannschaft der „Roten Teufel“ aber zu, um große Titel mitzuspielen – vielleicht noch nicht 2014, aber doch 2016 bei der EM in Frankreich oder 2018 bei der WM in Russland.

Keeper Koen Casteels (22), die Mittelfeldspieler Eden Hazard (23) und Kevin de Bruyne (22) oder aber die Angreifer Romelu Lukaku (21) und Adnan Januzaj (19) gehören zu den begehrtesten Spielern auf dem Planeten. Noch sind sie Talente, aber ihr Potenzial scheint gigantisch zu sein. Gestützt von erfahrenen Akteuren wie Vincent Kompany (28), Marouane Fellaini (26) oder Bayern-Altstar Daniel van Buyten (36) hat Belgien eine starke Mischung beisammen. Lediglich auf den defensiven Außenbahnen ist das Team nicht überdurchschnittlich gut besetzt.

Die Frage wird sein, wie die junge und turnierunerfahrene Mannschaft mit dem Erwartungsdruck umgeht, bereits jetzt als „Goldene Generation“ zu gelten. Auch die Konkurrenz hat längst Notiz davon genommen, was in dem Land der Flamen und Wallonen heranwächst. Unterschätzen dürfte die Belgier niemand.

Prognose: Auch wenn zu erwarten ist, dass Belgien in einer bestimmten Phase des Turniers Lehrgeld gegen einen erfahreneren Gegner zahlen wird, ist das Weiterkommen in der Gruppe Pflicht. Ab dem Achtelfinale gibt es kein Pflichtprogramm mehr, sondern nur noch eine Kür – und die könnte bis ins Halbfinale andauern.

Russland – Zuhause ist es am schönsten

Als einziger WM-Teilnehmer kommt Russland ohne einen einzigen Legionär aus. Alle 23 Spieler im Kader von Fabio Capello spielen in der heimischen Premier Liga, zumeist für die Top-Klubs Zenit St. Petersburg, ZSKA Moskau, Spartak Moskau und Dynamo Moskau.

Der Kern der Mannschaft kennt sich seit Jahren, viele Gesichter waren bereits bei der EM 2008 dabei, als die Sbornaja das Halbfinale erreichte. Nach diesem Achtungserfolg ist der russische Fußball aber wieder in seine altbekannten Lethargie verfallen. Technisch anspruchsvoller Fußball wird immer geboten, doch allzu oft fehlt der letzte Punch. 2010 wurde die WM verpasst, 2012 in einer leichten EM-Gruppe das Weiterkommen leichtfertig verschenkt.

In der abermals eher schwach besetzten Gruppe H muss die Klasse von Alan Dsagojew aber ausreichen, um das Ticket für die K.O.-Runde zu buchen. Daran darf auch der kurzfristige Ausfall von Kapitän Roman Schirokow (32) nichts ändern, der wegen Achillessehnenproblemen passen muss.

Prognose: Leistungsmäßig sind die Russen in der Gruppe H auf Rang zwei hinter den Belgiern anzusiedeln. Damit wäre die Sbornaja ein potenzieller Achtelfinalgegner für Deutschland und seine Widersacher aus der Gruppe G. Mehr als die erste K.O.-Runde dürfte aber kaum drin sein für die Russen.

Algerien – Warten auf das erlösende Tor

Seit 482 Minuten warten die Algerier auf einen Treffer bei einer WM-Endrunde. Ein gewisser Djamel Zidane – nicht verwandt mit Frankreichs Fußballikone Zinédine – erzielte am 3. Juni 1986 beim 1:1 gegen Nordirland das bislang letzte WM-Tor der „Wüstenfüchse“.

Nur Bolivien musste 34 Minuten länger auf ein Tor warten, allerdings zwischen 1930 und 1994. Die Chancen, dass Algerien einen neuen Minusrekord aufstellen wird, sind nicht gering. Immerhin wartet im ersten Spiel Gruppenfavorit Belgien.

Die Mannschaft besitzt zwar über eine gewisse internationale Erfahrung – immerhin stehen 21 der 23 Spieler im Ausland unter Vertrag – doch große Stars sucht man vergebens. Flügelflitzer Saphir Taider von Inter Mailand ist der wohl bekannteste Akteur im Kader, der komplett ohne Bundesliga-Legionäre auskommt. Insgesamt spielt das Team einen gefälligen Fußball, dem aber ab dem gegnerischen Strafraum jegliche Kaltschnäuzigkeit und Zielstrebigkeit abgeht.

Prognose: Der erste Achtelfinaleinzug bei der vierten WM-Teilnahme erscheint illusorisch. Algerien wird Gruppenletzter.

Südkorea – Stark wie nie?

Internationale Erfahrung gilt gemeinhin als Vorteil bei einer WM-Endrunde. Wenn es darum geht, dürfte die südkoreanische Mannschaft beim Turnier in Brasilien so stark einzuschätzen sein wie nie.

16 Legionäre umfasst das Aufgebot von Myung-Bo Hong, der 2002 beim Erreichen des vierten Platzes im eigenen Land noch Kapitän der Mannschaft war. Vier Bundesliga-Stars (Heung-Min Son/Leverkusen, Ja-Cheol Koo/Mainz und die Augsburger Dong-Won Ji sowie Jeong-Ho Hong) werden unterstützt durch immerhin vier Kollegen aus der ersten und zweiten englischen Liga.

Wie die Japaner können die Koreaner mit ihrer großen taktischen Disziplin und einer sehr starken Laufarbeit wuchern. Wie für die Japaner gilt aber auch für Son & Co.: In der Hitze Brasiliens braucht man auch einen Plan B, weil 90 Minuten Power kaum durchzuhalten sind – erst recht nicht über ein gesamtes Turnier.

Prognose: Bereits 2010 hat Südkorea mit dem Achtelfinaleinzug bewiesen, dass man auch fernab der Heimat gute Ergebnisse liefern kann. Die Gruppe scheint hinter Belgien recht offen zu sein, Auftaktgegner Russland wird der große Kontrahent um den Einzug in die K.O.-Runde.

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