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WM 2014 Welcome Tour: Die Teilnehmer aus Afrika

Bereits am 11. November 2011 begannen die Qualifikationsspiele des afrikanischen Kontinentalverbands für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Sagenhafte 739 Tage später stehen die fünf WM-Starter aus Afrika fest! Hier sind die Vertreter des CAF im Kurzporträt.

Nigeria – Auf Höhenflug?

Der amtierende Afrikameister hat als erste Mannschaft des Kontinents das WM-Ticket gelöst. Zugegeben, dieser Umstand war der frühen Ansetzung des Playoff-Rückspiels gegen Äthiopien am 16. November geschuldet – die anderen Rückspiele fanden allesamt später statt. Dennoch hat sich das Team von Stephen Keshi überaus souverän zum fünften Mal seit 1994 für eine Endrunde qualifiziert.

Als eine der Top-Nationen des schwarzen Kontinents hatten die Super Eagles das Glück, erst im Juni 2012 ins Geschehen eingreifen zu müssen. In der 2. Qualifikationsrunde erwischten Jon Obi Mikel, Victor Moses & Co. mit Malawi, Kenia und Namibia dann ein vergleichsweise dankbares Los. Der Einzug in die entscheidenden Playoffs war mit je drei Siegen und drei Remis nie in Gefahr. Dort konnte sich der Olympiasieger von 1996 gegen den krassen Außenseiter Äthiopien dank zwei souveränen Vorstellungen mit 1:0 und 2:0 durchsetzen.

In Brasilien dürfte das Team dennoch nur Außenseiter sein. Beim Confed-Cup 2013, der WM-Generalprobe, langte es zwar für drei Punkte gegen Ozeanienmeister Tahiti (6:1), doch gegen Uruguay (1:2) und Spanien (0:3) waren die Ergebnisse noch das Beste am Spiel der Super Eagles. Zudem gibt es Ärger im Umfeld: Trainer Keshi hat nach eigenen Angaben seit April kein Gehalt erhalten und droht mit Rücktritt.

Elfenbeinküste – Der alte Mann will mehr

Zum dritten Mal in Folge und zum dritten Mal in ihrer Geschichte ist die Elfenbeinküste für eine WM-Endrunde qualifiziert. Brasilien ist auch die dritte – und vermutlich letzte – WM-Teilnahme für den ivorischen Superstar Didier Drogba, der im kommenden Sommer 36 Jahre alt sein wird.

Obwohl die Elfenbeinküste über den individuell bestbesetzten Kaders einer afrikanischen Nationalmannschaft verfügt (Drogba, die Touré-Brüder, Salomon Kalou, Seydou Doumbia etc.), war die Qualifikation kein Spaziergang: In der 2. Runde bekam das Team mit Marokko einen Hochkaräter zugelost. Auch in den Playoffs wartete mit dem Senegal nicht gerade ein Schwergewicht des Kontinents. Zwar setzten sich die Ivorer mit 3:1 und 1:1 durch, doch wenn Papy Djilobodji im Rückspiel kurz vor dem Schluss das 2:0 für den Senegal erzielt hätte, wäre der ivorische WM-Traum abrupt beendet gewesen.

So steht die Mannschaft von Sabri Lamouchi am Zuckerhut vor der Aufgabe, ihr großes Potenzial endlich einmal auszuschöpfen. Bei den bisherigen WM-Teilnahmen war in starken Gruppen stets nach der Vorrunde Schluss, auch beim Afrika-Cup konnte die Mannschaft ihrer Favoritenrolle nie gerecht werden, scheiterte 2006 und 2012 nur ganz knapp im Finale. Für die Generation Drogba wird’s allmählich Zeit…

Kamerun – Achtung, Divenalarm

Samuel Eto’o wurde viermal zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt. Er gewann dreimal die Champions League und gehört zweifellos zu den weltweit besten Angreifern der letzten 15 Jahre. Doch Eto’o gibt sich gerade bei seiner Nationalmannschaft als waschechte Diva. Unzähligen impulsiven Rücktritten folgten genauso spontane Comebacks. Auch in der Endphase der Qualifikation zur WM 2014 hat der 32-Jährige ohne Not vor den entscheidenden Playoff-Spielen für Unruhe gesorgt, als er anmerkte, dass seine Mitspieler ihn auf dem Platz schneiden würden. Der Chelsea-Star weigerte sich sogar, das Teamhotel zu beziehen – ein eifersüchtiger Kollege hätte ihn ja vergiften können.

Unter diesen Umständen muss man die siebte WM-Qualifikation der Verbandsgeschichte als Erfolg betrachten, zumal Kamerun sensationell die letzten beiden Afrika Cups 2012 und 2013 verpasst hatte. Auf der anderen Seite ist die Teilnahme in Brasilien auch nur logisch, verfügt das Team des deutschen Trainers Volker Finke neben Eto’o mit Alex Song, Pierre Webo oder dem Schalker Joel Matip doch über mehr als einen Spieler von gehobenem Niveau. Die Qualifikation gegen den Kongo, Libyen und Togo darf daher nicht überbewertet werden. Imponierend war dagegen, wie Kamerun im Playoff Tunesien nach dem 0:0 im Hinspiel mit 4:1 auseinandernahm.

Dennoch: Der Zauber, den die „unzähmbaren Löwen“ bei der WM 1990 versprüht haben, erscheint längst in einem Sepia-Ton. Auch die starke Generation der frühen 2000er Jahre, die in Sydney den Olympiasieg feierte und zweimal in Folge den Afrika Cup gewann, ist bis auf Eto’o längst im Ruhestand. Das Temperament und die Mannschaftsdisziplin werden das Abschneiden bei der WM 2014 vermutlich gehörig beeinflussen. Diese Unberechenbarkeit hebt das Team nicht gerade auf den Favoritenschild. Aus den Augen lassen sollte man die „Löwen“ aber keinesfalls.

Ghana – Die Souveränen

2006 als Achtelfinalist und 2010 als Viertelfinalist hielt Ghana Afrikas Fahne bei der Weltmeisterschaft hoch. Auch 2014 tragen die Black Stars die Hoffnungen des schwarzen Kontinents auf ein weites Vordringen bei den Titelkämpfen. Nicht zuletzt die Konstanz bei den letzten vier Afrika-Meisterschaften mit vier Halbfinalteilnahmen (einmal Zweiter, einmal Dritter, zweimal Vierter) spricht für die Turnierqualitäten von Kevin-Prince Boateng, André Ayew, Kwadwo Asamoah & Co.

Auch die Qualifikation meisterte das Team in beeindruckender Manier: In der Gruppenphase hatte der seinerzeit amtierende Afrikameister Sambia keine Chance gegen die Westafrikaner, im Playoff gegen Rekord-Afrikameister Ägypten war bereits nach dem imponierenden 6:1-Hinspielsieg alles klar. Das 1:2 im Rückspiel blieb da nur eine Randnotiz.

Aufgrund ihrer Geschlossenheit sind die Ghanaer neben dem westlichen Nachbarn Elfenbeinküste sicherlich das unangenehmste afrikanische Los bei der WM. Einige werden sich noch an den mühsamen 1:0-Sieg der deutschen Mannschaft im letzten Gruppenspiel der Titelkämpfe 2010 erinnern. Schlechter geworden sind die Black Stars seitdem nicht.

Algerien –  Zittern bis zum Schluss

Berühmt waren die Leistungen Algeriens seit dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 nicht: 2012 verpasste die Mannschaft den Afrika Cup, 2013 war bereits nach der Vorrunde Schluss. Auch das WM-Ticket für Brasilien war alles andere als ein Selbstläufer.

Zwar wurde die Mannschaft um die Inter-Spieler Ishak Belfodil und Saphir Taider in einer Gruppe mit Mali, Benin und Ruanda ihrer Favoritenrolle gerecht, doch im Playoff gegen das kleine Burkina Faso (2:3, 1:0) drohte Sekunden vor dem Schlusspfiff des Rückspiels noch das Aus.

Bei den ersten drei Endrunden-Teilnahmen (1982, 1986 und 2010) war für Algerien bereits nach der Vorrunde Schluss. 1982 machte der „Nichtangriffspakt von Gijon“ zwischen Deutschland und Österreich den Nordafrikanern einen Strich durch die Rechnung. In Südafrika vor dreieinhalb Jahren spielte die Mannschaft technisch ansehnlich, hatte aber keinen Punch vor dem Tor. Dieses Manko konnte seitdem nicht wirklich behoben werden, sodass ein Weiterkommen in Brasilien schon eine kleine Sensation wäre.

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