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Nov
22

WM 2014 Welcome Tour: Die Teilnehmer aus Europa

Die Nachrücker aus den Playoffs

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Portugal – Am Rockzipfel von CR7

Wenn die Playoffs zwischen Portugal und Schweden eine Erkenntnis gebracht hat, dann lautet sie, dass Cristiano Ronaldo momentan das Maß der Dinge im Weltfußball ist. Kein Lionel Messi, kein Zlatan Ibrahimovic, nicht einmal ein Franck Ribéry in der Form seines Lebens.

CR7 schulterte die Hoffnungen seines Landes auf die Last-Minute-Qualifikation, und er hat sie erfüllt. Damit hat Ronaldo das alte Klischee widerlegt, nur im Verein glänzen zu können. 225 Tore in 216 Spielen für Real Madrid sind ja auch beileibe keine schlechte Quote. Doch mit seinen vier Treffern im Playoff gegen die Tre Kronor beim 1:0 und 3:2 schoss der 28-Jährige sein Land quasi im Alleingang zur WM.

Dort muss er beweisen, dass er es auch bei einer Endrunde als Leader drauf hat. Erleben wir in Brasilien einen Ronaldo in der aktuellen Form, ist der technisch starken portugiesischen Mannschaft einiges zuzutrauen. Mit Ausnahme der WM 2010 hat die Selecao im letzten Jahrzehnt ohnehin bei jedem großen Turnier überzeugt. Ronaldo allein kann es am Zuckerhut aber nicht richten. Besonders das starke zentrale Mittelfeld mit Joao Moutinho und Raul Meireles muss ebenfalls glänzen.

Frankreich – Grande Nation ganz klein

Vor einem Jahrzehnt war Frankreich noch das Maß aller Dinge im Weltfußball. Spätestens seit dem Rücktritt von Zinédine Zidane nach der WM 2006 ist die Grande Nation aber nicht mehr ganz so groß. Tiefpunkt war das sang- und klanglose Vorrunden-Aus bei der WM 2010, das durch die Spielerrevolte gegen Trainer Raymond Domenech noch einmal „gekrönt“ wurde.

Insofern konnte es nicht überraschen, dass Frankreich in einer Qualifikations-Gruppe mit Weltmeister Spanien „nur“ Zweiter wurde und den Gang in die Playoffs antreten musste. Der 3:0-Sieg im Rückspiel gegen die Ukraine nach der 0:2-Pleite im ersten Match könnte sich allerdings als Wende zum Guten für die Equipe Tricolore erweisen. Deutschland hat vor der WM 2002 vorgemacht, wie das Bewältigen einer solchen Drucksituation eine Mannschaft zusammenschweißen kann.

Potenzial hat Frankreich allemal. Auch wenn die Nachwuchsschmiede nicht mehr ganz so viele Hochkaräter produziert wie noch vor 15 Jahren, ist beispielsweise Juventus-Star Paul Pogba (20) ein Versprechen für die Zukunft. An der Seite von Franck Ribéry und Karim Benzema könnte er sich 2014 noch mehr ins Rampenlicht spielen. Die WM wird für Frankreich dennoch ein Balanceakt. Die Mischung aus Typen und Talent muss stimmen, damit die Deschamps-Elf lange an der Copacabana bleibt.

Kroatien – Warten auf das zweite Wunder

Der dritte Platz Kroatiens bei der WM 1998 war eine der größten Sensationen der Fußballgeschichte. Das kleine Land profitierte bei seiner ersten Endrunden-Teilnahme von seiner „Goldenen Generation“ um Davor Suker und Zvonimir Boban. Deren Nachfolger sind ebenfalls exzellente Fußballer, allerdings hat die typische Mischung aus Technik und Galligkeit das Team seither nur noch bei der EM 2008 über die Vorrunde eines großen Turniers hinausgebracht.

In der Qualifikationsgruppe A galten die Kroaten auf dem Papier als Favorit vor Erzrivale Serbien und Belgien. Relativ schnell war aber klar, dass die „Roten Teufel“ den „Feurigen“ den Rang ablaufen würden. Ausgerechnet im Sommer 2013 fiel das Team in ein Loch, sodass Trainer Igor Stimac (noch so ein Held von 1998) durch seinen früheren Mitspieler Niko Kovac ersetzt wurde.

Der Ex-Bayern-Profi trieb seine Mannschaft gegen Island nach einem uninspirierten 0:0 im Hinspiel durch ein 2:0 in Zagreb auf den letzten Drücker nach Brasilien. Dort werden wieder einige Nationen zittern. Srna, Mandzukic, Modric, Rakitic, Olic & Co. gelten als extrem unbequem – zuletzt waren sie allerdings nicht mehr unbequem genug.

Griechenland – Rehakles‘ Erben

Die „Maurermeister“ haben es wieder geschafft. Vier Gegentore in zehn Qualifikationsspielen wurden nur von den Spaniern um einen Treffer unterboten (die allerdings auch zwei Spiele weniger absolvieren mussten). Gemessen daran kamen die beiden Gegentreffer im Playoff gegen Rumänien (3:1, 1:1) fast einer Flut gleich.

Auch wenn Otto Rehhagel als griechischer Nationaltrainer längst Geschichte ist, hat sein Vermächtnis Bestand: Sieben Mann plus Torwart denken bei den Hellenen defensiv, drei Offensive sollen es nach vorne richten. Zuletzt gelangt die vor allem einem: Der in Deutschland aufgewachsene Kostas Mitroglou erzielte gegen Rumänien drei der vier Tore. Überhaupt ist der 25-Jährige in Top-Form: In dieser Saison hat er für Olympiakos Piräus in Liga und Champions League bereits 17-mal getroffen.

Über Mitroglou hinaus setzt Trainer Fernando Santos vor allem auf Erfahrung. Mit Georgios Karagounis (36) und Kostas Katsouranis (34) sind zwei Europameister von 2004 immer noch die zentralen Figuren im Team. Techniker wie Sotiris Ninis oder Kostas Fortounis sind die Ausnahme. Es dominieren physisch starke Arbeiter. Das reicht, um den Gegnern bei der WM das Leben schwer zu machen. Das genügt aber vermutlich nicht, um einen längeren Aufenthalt in Brasilien zu sichern.

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