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Feb
24

WM 2022: Die „Winterspiele“ in Katar und die Folgen

Die FIFA hat ihren Fehler mit der WM-Vergabe nach Katar „zu Ende gedacht“ und sich auf die Terminierung im November und Dezember 2022 festgelegt. Das hat weitreichende Folgen.

2022 wird ein Fußballjahr, das alles in jeglicher Hinsicht auf den Kopf stellt. Die WM im Wüstenstaat Katar, die nach jahrelangem Hickhack aus klimatischen Gründen im November und Dezember über die Bühne gehen soll, zieht Kreise in den verschiedensten Bereichen – und lässt außer bei der FIFA eigentlich nur Unzufriedenheit zurück.

„Wenn der Kalender geändert werden muss wegen der WM im November/Dezember, muss er so sensibel für eine Saison verändert werden, dass den Klubs und Ligen kein Schaden entsteht. Deshalb müssen sie eine Rolle im Entscheidungsprozess spielen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge der Sport Bild (Mittwochsausgabe). Der 59-Jährige spricht hier gleich in doppelter Funktion, einmal als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München und als Vorsitzender der Interessenvertretung der europäischen Topvereine ECA.

Pause im Vereinsfußball von Oktober bis Januar?

Und schon steht man vor einem Problem: Eine WM im November und Dezember setzt nicht nur eine Pause in den nationalen Ligen und den kontinentalen Vereinswettbewerben für die Dauer es Turniers voraus, sondern zwecks Vor- und Nachbereitung auch eine Unterbrechung von mindestens drei Wochen vor dem Eröffnungsspiel sowie nach dem Finale.

Zwar ließ FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke eine Hintertür offen mit der Aussage, es gäbe die „Möglichkeit einer Verkürzung“ des WM-Turniers. Doch wie soll die aussehen? Alle Teams im Drei-Tages-Rhythmus spielen lassen, um das Premium-Glitzer-Event in drei Wochen durchzudrücken? Das erscheint ebenso unwahrscheinlich wie eine Verkleinerung des Starterfeldes, das seit der WM 1998 32 Mannschaften umfasst.

Die FIFA kann sich auf harte Verhandlungen einstellen

Der wirtschaftliche Schaden wird nach der Festlegung auf das Jahresende 2022 groß sein für die Vereine – entsprechend kann sich die milliardenschwere FIFA auf Forderungen der Klubs und Verbände gefasst machen. Den Klubs und Ligen könne „nicht zugemutet werden, allein den Preis für die Verlegung der FIFA WM in den Winter zu bezahlen. Wir erwarten ebenso die seriöse Bereitschaft, den Schaden für die Klubs fair zu kompensieren“, stellte Rummenigge klar.

Eine Verschiebung des Rahmenkalenders vom Saisonstart im August auf den Januar eigens für die WM wird es jedenfalls nicht geben. Zu weitläufig wären die Umbaumaßnahmen schon Jahre im Voraus, und das alles für einen (hoffentlich) einmaligen Fehler. Voraussichtlich wird man die Saison 2021/21 früher als gewohnt beschließen und vor der Saison 2022/23 die Sommerpause einschneidend verkürzen, um in den nationalen Ligen wie auch im Europapokal die Hinrunde beziehungsweise die Gruppenphase bis zum Beginn der WM-Gruppenphase beendet zu haben. 2023 könnte man die Saison dann „normal“ zu Ende spielen.

Mal an die anderen Sportarten gedacht?

Abgesehen davon, dass die Vereinsvertreter die Terminierung im November und Dezember 2022 nur unter leichtem Würgen schlucken, gibt es auch Reaktionen aus den anderen Sportarten. So hat es die FIFA zwar „immerhin“ geschafft, eine Terminkollision mit den Olympischen Winterspielen im Februar 2022 in Peking oder Almaty zu vermeiden, doch andere Sportarten werden über den langen Schatten der Fußball-WM wenig erbaut sein.

Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), etwa machte seinem Ärger am Rande der Nordischen Ski-WM im schwedischen Falun sogleich Luft: „Wenn es tatsächlich zu dieser Entscheidung kommt, hätte das natürlich auch Auswirkungen auf den Skisport. Der nun geplante Zeitraum für die Fußball-WM fällt zwar nicht in unseren Kernwinter, aber zu der Zeit finden bereits zahlreiche hochkarätige Skisport-Veranstaltungen statt.“

Andere Verbände dürften folgen. Und so wird die WM 2022, die zweifelsohne von den Katarern top organisiert sein wird und sicherlich spätestens beim Anpfiff auch von den Fans rund um die Welt angenommen werden wird, immer einen faden Beigeschmack behalten – auch wenn dieser Beigeschmack angesichts des jahrelangen Boheys um das Turnier gewiss auch ein „historischer“ ist…

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