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Mai
23

Wolfgang Overath, oder: Wie man sich die Welt schön reden kann

Am vergangenen Freitag und am heutigen Montag äußerte sich FC-Präsident Wolfgang Overath in der Bild-Zeitung in einem großen Interview. Die Aussagen des Weltmeisters von 1974 lassen dabei tief blicken.

Wolfgang Overath ist ein gefragter Mann. Kein Wunder, ist er doch nicht nur eine Spieler-Legende, sondern auch der Präsident „seines“ 1.FC Köln. Und so stellte sich Overath denn auch gerne der Bild-Zeitung, seinem – wie nicht wenige sagen – Sprachrohr in die Welt, um seine Amtszeit im Allgemeinen und die Saison 2010/11 im Speziellen Revue passieren zu lassen. Sein Fazit fiel dabei überaus positiv aus…

Wolfgang Overath über Fan-Proteste
„Ich habe mir die einzelnen Plakate gar nicht alle genau angeschaut. […] Vieles von dem, was dort abgelaufen ist, war wirklich weit unter der Gürtellinie. […] Die, die da die Saat gesät haben, sind Verführer, die leider von einer gewissen Mediengruppe in Köln unterstützt werden.“

Fakt ist, dass Wolfgang Overath seit Jahren resistent gegen jede Form von Kritik ist. Und nicht nur das: Er versteht es, jede Form von Kritik an seiner Person als „Kritik am Verein“ zu verkaufen („Le club, c’est moi“?) und bringt so Spieler und das Gros der Fans hinter sich. Auf der anderen Seite schreckt Overath nicht davor zurück, jeden, der seinen Kritikern ein Forum bietet, seinen Zorn spüren zu lassen. So untersagte er den FC-Spielern nach dem Bremen-Spiel am 19. Spieltag, dem Sender LigaTotal Interviews zu geben. Der Grund: LigaTotal ließ in der Halbzeitpause des Spiels den Vorsitzenden der Overath-kritischen Initiative „FC:reloaded“ zu Wort kommen… Soviel zur Meinungsfreiheit in Overaths Reich.

Wolfgang Overath über seine Arbeit
„Nach der Trennung von Michael Meier gibt es keinen Punkt, an dem man uns in der Sache kritisieren könnte. […]Volker Finke wurde verpflichtet. Peszko, Rensing und Eichner kamen im Winter. Und schließlich haben wir Finke überredet, zu übernehmen, als Schaefer hinschmiss. […] Die beste Saison seit zehn Jahren, mit 44 Punkten. Die beste Platzierung seit zehn Jahren mit Rang 10. Erstmals seit 13 Jahren sind wir vier Jahre in Folge in der Liga. Und nach der Jahreshauptversammlung haben wir 36 Punkte aus 22 Spielen geholt – wir haben also eine Super Rückrunde gespielt, liegen auf Platz 6 in der Rückrunden-Tabelle. Zu Saisonbeginn wollten wir Platz 10 erreichen – das haben wir geschafft und dabei Wolfsburg, Schalke und Bremen hinter uns gelassen – Klubs, die einen wesentlich höheren Etat haben als wir. Also wo liegt der Grund, an der Situation etwas auszusetzen…“

Fakt ist, dass die FC-Führung im vergangenen Jahr vieles richtig gemacht hat – allerdings handelte es sich um längst überfällige Maßnahmen. Die Ablösung von Michael Meier und/oder die Installierung eines Sportdirektors hätte schon vor Jahren passieren müssen. Und dass man besonders betonen muss, wenn sich Neuzugänge im Nachhinein als Verstärkung erweisen, sagt eigentlich schon alles über die Transferpolitik der letzten Jahre. Zur Bilanz der Saison: Stimmt alles, allerdings lässt Overath auch Punkte weg, die nicht so gut ins Bild passen. Die Saison verlief nämlich alles andere als glatt, trotz des zwischenzeitlichen Laufes. Noch nach dem 31. Spieltag schwebte der FC in massiver Abstiegsgefahr. Auch dass man Schalke, Wolfsburg und Bremen hinter sich ließ, verliert an Glanz, wenn man bedenkt, dass Hannover, Mainz, Kaiserslautern, Nürnberg oder Freiburg vor einem gelandet sind – und die haben allesamt einen kleineren Etat als der FC…

Wolfgang Overath über das Stühlerücken auf der Trainerbank in seiner Amtszeit:
„Dann muss man aber auch die Einzelfälle sehen. Bei Huub Stevens hat es ja gepasst. Aber seine Frau war damals krank, und er konnte und wollte aus diesem Grund damals nicht weitermachen. Dann kam Uwe Rapolder. Der hatte zuvor mit Bielefeld sensationelle Erfolge. Deshalb waren wir alle hier von ihm überzeugt. Sein Nachfolger Hanspeter Latour war ein sauberer, anständiger Mensch. Aber man musste schnell feststellen, dass die Bundesliga zu schwer für ihn war. Christoph Daum hatte ein Riesenangebot von Fenerbahce und wollte von sich aus weg. Bei Soldo war es so, dass wir uns aus sportlichen Gründen nach fünf Punkten aus neun Spielen trennen mussten. Letztlich haben wir uns also von drei Trainern in sechs Jahren von uns aus trennen müssen.“ Bild: “Frank Schaefer blieb auch nur wenige Monate.” Overath: „Schmiss aber auch von sich aus hin.“

Overaths Tenor: Alles richtig gemacht, man kann nicht immer Glück haben. De facto hat Overath aber auch die Trainer mit zu verantworten, die nicht eingeschlagen haben. Und: Er hat auch die mit zu verantworten, die nicht eingestellt wurden. Als beispielsweise 2009 ein Daum-Nachfolger her musste, fiel die Entscheidung gegen Mirko Slomka, der heute in Hannover überaus erfolgreich arbeitet. Seine Verpflichtung soll damals daran gescheitert sein, dass Overath wenig von Trainern hält, die es als Spieler nicht zu internationalem Niveau gebracht haben (oder zumindest als Trainer bereits einen großen Namen haben.)

Wolfgang Overath über die Finanzlage:
„Was sind circa 25 Millionen Euro Schulden in der Bundesliga? Zehn Millionen waren da, als wir einstiegen. Dann haben wir investiert und Poldi zurückgeholt. Wenn es bei uns so dramatisch ist, was soll man denn dann bei Schalke, Dortmund oder anderen sagen? Man muss doch immer den Gegenwert sehen. Und allein Poldi und Geromel sind mehr wert als die Gesamtschulden.“ Bild: „Wie viel Poldi gehört dem FC?“ Overath: „Alles.“ Bild: “Aber es gibt doch Beteiligungen von Investoren?“ Overath: „Deshalb kriegen sie bei einem Wechsel ja ihren Anteil auch zurück. Aber Poldi gehört uns, und nur wir entscheiden, was mit ihm passiert.“

Sowohl Podolski also auch Geromel und Peszko wurden von Investoren mitfinanziert. Der FC würde zwar entscheiden „dürfen“, an wen und für wie viel Geld man die Spieler abgibt, aber nur die Hälfte bis zwei Drittel der Erlöse auch behalten dürfen. Finanziell auf Rosen gebettet ist man also keineswegs. Und nicht auszudenken, was ein Abstieg angerichtet hätte! Was den Vergleich mit Schalke angeht: Die sind zwar mit über 200 Mio. Euro in den „Miesen“, haben aber als Gegenwert noch das eigene Stadion anzubieten. Ein solches Faustpfand besitzt der 1.FC Köln nicht.

Man sieht also: Wolfgang Overath versteht es meisterlich, die Dinge nach seinem Gefallen auszulegen. Wenigstens einer also, der in Köln in irgendetwas meisterlich ist… Dummerweise werden ihm das aber auch viele Menschen so abnehmen.

Hier sind die Overath-Interviews mit der Bild im Original:
Teil 1: Wolfgang Overath über die Kritik an seiner Person und die Personalentscheidungen der letzten Jahre
Teil 2: Wolfgang Overath über Frank Schaefer, Lukas Podolski und Stale Solbakken

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1 Ping

  1. Podolski nimmt FC-Boss Overath in Schutz sagt:

    […] den FC ja wieder zu dem was der Chaosclub früher einmal war: Das weiße Ballett vom Rhein Wolfgang Overath oder: Wie man sich die Welt schön reden kann Overath: Deshalb kriegen sie bei einem Wechsel ja ihren Anteil auch zurück Aber Poldi […]

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