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Feb
08

Wolfsburg feuert Trainer Steve McClaren – Klassischer Fall von Doof

Teurer Kader, gut besetzte Mannschaft, jede Menge VW-Millionen in der Hinterhand – nicht wenige haben dem VfL Wolfsburg in dieser Saison die Champions League-Qualifikation zugetraut. Jetzt steckt man mitten im Abstiegskampf und Manager Dieter Hoeneß schmeißt aus Panik den Trainer raus. Die Entscheidung mag die richtige sein, aber der Zeitpunkt ist der denkbar schlechteste.

August 2010: Der VfL Wolfsburg startet mit einer mit Stars gespickten Truppe in die neue Saison. Keine Frage, wer Edin Dzeko, Arne Friedrich, Diego, Grafite oder Diego Benaglio in seinem Kader hat, durfte zu Recht zu den Champions League-Anwärtern gezählt werden. An der individuellen Klasse der Mannschaft hatte auch kaum jemand einen Zweifel, eher schon an ihrem Charakter nach den wechselhaften Leistungen der Saison 2009/10.

Steve McClaren: Risikoreiches Experiment

Auch der neue Coach, der ehemalige englische Nationaltrainer Steve McClaren („Depp mit Regenschirm“, The Sun) stellte ein dickes Fragezeichen dar. McClaren hatte zwar gerade erst in den Niederlanden seinen ramponierten Ruf aufpoliert, nachdem er Twente Enschede zur Meisterschaft geführt hatte, doch die deutsche Sprache beherrschte er bei seinem Amtsantritt nicht. VfL-Manager Dieter Hoeneß, der mächtige Mann im Verein, wusste um diese Barriere, an der schon viele Trainer auf der ganzen Welt gescheitert waren, aber ging das Risiko ein. So weit, so gut. Zumal man ja auch argumentieren könnte, dass es bei dem oft babylonischen Sprachgewirr im modernen Profifußball fast egal ist, welche Sprache der Trainer beherrscht, weil die Hälfte der Mannschaft ohnehin nur Bahnhof versteht…

Dieter Hoeneß und das „Vertrauen“

Die Wölfe kamen nur schwer in die Gänge. Viele Niederlagen zum Auftakt, zwischendurch ein kurzer Lauf, dann (zu) viele Remis und uninspirierter Fußball. Zur Winterpause lag der VfL nur auf Rang 13, 10 Punkte hinter den Europacupplätzen. Hätte es damals schon Zweifel an McClaren gegeben, hätte man handeln müssen – und ich bin mir sicher, die gab es, sonst hätte man ihn nicht vier Spieltage später, auf Platz 12 liegend, gefeuert. Nebenbei sei zudem die Frage erlaubt, was eigentlich gewesen wäre, wenn Helmes den Elfmeter geschossen und verwandelt hätte, Herr Hoeneß?!

Auch wenn die Winterpause in dieser Saison extrem kurz ausfiel, hätte ein neuer Trainer die Mannschaft nach seinen Vorstellungen „bearbeiten“ und umstellen können. So aber war Manager Hoeneß zu feige, sich (und der Öffentlichkeit) eine Fehlentscheidung in der Besetzung des Trainerpostens und/oder der Mannschaftszusammenstellung einzugestehen. Stattdessen ließ er McClaren weiterarbeiten, in der Hoffnung auf plötzliche Besserung. Doch wie sollte die sich einstellen?

Hoeneß trägt die Verantwortung

Neben der Tatsache, dass ein neuer Trainer die Mannschaft neu hätte einschwören können, hat Hoeneß nach der Entlassung des McClarens nun ein weiteres Problem. Er hat nicht nur eine Mannschaft, die in sich nicht homogen zu sein scheint, sondern auch eine, die der soeben geschasste Trainer vor nicht einmal einer Woche noch mit fünf neuen Spielern seiner Wahl (Patrick Helmes, Jan Polak, Tuncay Sanli, Je-Cheol Koo, Johandry Orozco) für rund 18 Millionen Euro verstärken durfte – möglicherweise ein Millionengrab, denn bekanntermaßen haben neue Trainer ihre ganz eigenen Vorstellungen, und nicht selten wurden in der Vergangenheit Neuzugänge umgehend wieder aussortiert.

Litti oder Rangnick? Was macht Dieter Hoeneß?

Nun heißt der neue Trainer (vorübergehend) Pierre Littbarski. Der Weltmeister von 1990 (und Held meiner Jugend) war zwar McClarens Co-Trainer, doch das muss nicht heißen, dass er und der Engländer auch die gleiche Idee von Fußball haben. Darüber hinaus wird schon heftig über Ralf Rangnick spekuliert. Der Ex-Hoffe-Trainer ist bekannt für seine Spielphilosophie, in die beispielsweise ein „Knipser“ wie 8-Millionen-Neuzugang Patrick Helmes, der sich (aus gutem Grund) oft aus dem Kombinationsspiel heraushält, nicht unbedingt hineinpassen dürfte. Käme Rangnick noch in dieser Saison, könnten viele teure Stars schon wieder vor dem Aus stehen – wie im Übrigen auch Dieter Hoeneß, der spätestens dann die Konsequenzen ziehen und zurücktreten müsste. Aber vielleicht wartet er damit ja auch noch, bis es zu spät ist. Ich nehme an, die wenigsten würden den Wölfen nachtrauern.

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