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Mai
30

Zahlen lügen (hoffentlich) nicht – Deutschland wird Europameister!

Zahlen gelten als unbestechlich, und die Mathematik gilt als die verlässlichste aller Wissenschaften. Demnach kann es an der neuesten Studie der Deutschen Sporthochschule Köln und der International School of Management eigentlich keinen Zweifel geben: Die Wissenschaftler haben errechnet, dass Deutschland Europameister wird! Die EM darf aber trotzdem geguckt werden. Man will ja auch wissen, wer die Tore schießt.

3:5 gegen die Schweiz, so what! Der „Derdy-Schock“ vom vergangenen Wochenende wird kaum mehr werden als die verkorkste Generalprobe der Generalprobe für die deutsche Nationalmannschaft. Zerbrecht Euch nicht den Kopf über die deutsche Viererkette die den geringsten Schaden anrichtet, sondern nehmt Euch lieber schon mal für den 2. Juli frei, damit ihr den Titel am 1. Juli gebührend feiern könnt! Dem deutschen EM-Gewinn steht nämlich nichts im Wege.

Deutschland statistisch unschlagbar

Wie dieses Ergebnis zustande kommt? Nun ja, die Statistik und der Zufall sprechen für diesen Ausgang. So haben Michael Groll von der Deutschen Sporthochschule in Köln und Bernd Giezek von der International School of Management in Frankfurt in einem zweistufigen Modell den möglichen Verlauf der Fußball-Europameisterschaft prognostiziert.

Zunächst wurde durch statistische Berechnungen eine Rangfolge der teilnehmenden Mannschaften ermittelt. Bei der anschließenden Simulation anhand der EM-Gruppen und des Spielplans wurden zusätzliche Sondereffekte, wie Zufallsfaktoren und Gastgeberbonus, einbezogen. Bei der statistischen Berechnung wurden verschiedene Messgrößen berücksichtigt: der Marktwert der Mannschaften, der Koeffizient in der UEFA-Rangliste und die aktuellen Wettquoten mehrerer Wettanbieter für die jeweiligen Teams. Der daraus entstehende Wert entschied über den Favoritenstatus in den jeweiligen Partien.

Wenn es allein danach ginge, sähe es für England (EM-Vierter) und die Niederlande (EM-Dritter) hinter Spanien (Europameister) und Deutschland (Zweiter) gar nicht so schlecht aus. Aber Fußball wäre nicht so spannend, wenn es nur Favoritensiege geben würde, auch der Faktor Zufall spielt eine entscheidende Rolle. Je näher die ermittelten Statistikwerte beieinanderlagen, je geringer also der angenommene Qualitätsunterschied zwischen den gegnerischen Mannschaften war, desto stärker wurde der Einfluss des Zufalls bewertet.

Den Zufall nicht vergessen

Der Faktor Zufall im Fußball besteht, wie die Hamburger Wissenschaftler Quitzau und Vöpel in einer Studie aus dem Jahr 2009 ermittelt haben, aus den Unterkategorien Glück (z.B. Schiedsrichterentscheidungen oder Pfostenschüsse) und der Tagesform, welche als Standardabweichung vom geschätzten Qualitätspotenzial verstanden wird. Quitzau und Vöpel haben den Einfluss des Zufalls bei Spielen zwischen gleichstarken Mannschaften in der Bundesliga und in der Premier League auf etwa 50 Prozent beziffert.

Von den insgesamt 24 Partien der EM-Vorrunde gibt es nur 7, bei denen es haushohe Favoriten gibt und 17 Spiele, in denen die Spielstärke der beteiligten Mannschaften weniger stark auseinanderdriftet. Von diesen 17 Spielen sei bei 7 Partien anzunehmen, dass Tagesform und Glück den Ausschlag für das nicht-favorisierte Team geben werden.

Darunter sind drei Schlüsselspiele: Polen gegen Russland (Sieg für Polen), Portugal gegen Niederlande (Sieg für Portugal) und Frankreich gegen England (Sieg für Frankreich). Eine weitere Überraschung werde es bei England gegen die Ukraine geben (nur ein Unentschieden), jedoch ziehe England aufgrund des besseren Torverhältnisses in das Viertelfinale ein. Die beiden Gruppenersten der jeweiligen Gruppen sind in der Simulation Polen und Russland (A), Deutschland und Portugal (B), Spanien und Italien (C) sowie Frankreich und England (D).

Der Gastgeberbonus

Polen wird den Berechnungen zufolge auch vom Heimvorteil getragen. In den bisherigen Finalturnieren von Welt- und Europameisterschaften, in denen Co-Gastgeber mitgewirkt haben, zeigte sich, dass – wenn überhaupt – nur eine Mannschaft den Heimbonus nutzen konnte. Bei der EM 2000 waren es die Niederländer, die ins Halbfinale einzogen, während Belgien schon in der Vorrunde ausschied. Bei der WM 2002 konnte Südkorea ins Halbfinale eindringen, während für Japan im Achtelfina Schluss war. 2008 konnten weder die Schweiz noch Österreich vom beiderseitigen Heimrecht bei der Europameisterschaft profitieren.

Was für Polen und gegen die Ukraine spricht? Neben der Qualität der Spieler ist es nach Meinung der Kölner und Frankfurter Wissenschaftler die politische Stabilität im Vergleich zur Ukraine, die es zulässt, dass sich das Volk ganz und gar der EM verschreiben und wie ein Mann hinter der eigenen Mannschaft stehen kann. In der Ukraine sind die Debatten um den Umgang der Regierung mit Oppositionspolitikern dagegen im vollen Gange. Eine auch die Mannschaft beflügelnde Wirkung werde sich deshalb dort allenfalls kaum entwickeln können.

Durch die bedingungslose Leidenschaft ihrer Fans würden dagegen die Polen den Heimvorteil auch im Viertelfinale gegen Portugal nutzen können. Die anderen Viertelfinalspiele sind den Berechnungen zufolge weniger spektakulär: Deutschland behält die Oberhand gegen Russland, Spanien bezwingt England. Lediglich Frankreich kann sich dank Glück bzw. Tagesform gegen das von den Studienleitern leicht favorisierte Italien durchsetzen.

Für Polen sei dann im Halbfinale gegen Spanien Schluss, die Übermacht des Welt- und Europameisters sei zu groß, als dass Gastgeberbonus und Zufallsfaktor eine entscheidende Rolle spielen könnten. Das andere Halbfinale werde Deutschland gegen Frankreich gewinnen, wobei dieses Spiel auf Messers Schneide stehen dürfte.

Im Finale schlage dann noch mal der Faktor Zufall zu: Deutschland gewinnt gegen den Favoriten Spanien. Dagegen spreche eigentlich nur, dass Deutschland bereits gegen die gering schwächer eingeschätzten Gegner Portugal, Niederlande und Frankreich jeweils das Glück hatte, dass der Zufall nicht in die Hände des jeweiligen Gegners spielte.

Tipps für Tipper

Wer sich im internationalen Fußball nicht gut auskennt, aber trotzdem in privaten Wettrunden gut abschneiden möchte, dem sei abschließend mit ein paar Tipps geholfen: Hilfreich sei es beispielsweise, sich an gängigen Ergebnissen zu orientieren. In den Begegnungen der letzten drei Europameisterschaften waren die häufigsten Ergebnisse 2:1, 1:0, und 2:0. Es ist allerdings zu beachten, dass es bei der EM 2012 laut der Prognose von DSHS und ISM etwas torreicher zugehen wird als bei der letzten EM (77 Tore, Durchschnitt pro Spiel 2,48).

Die durchschnittliche Trefferanzahl bei Europa- oder Weltmeisterschaftsspielen korrespondiert nämlich auffallend mit dem Toredurchschnitt der vorangegangenen Champions League-Saison. Dort wurden im jüngst abgelaufenen Wettbewerb 347 Tore in 125 Spielen geschossen (ohne Elfmeterschießen), das macht einen Schnitt von knapp 2,8 pro Spiel. Insofern erwarten die Wissenschaftler aus Köln und Frankfurt bei der EURO 2012 insgesamt etwa 85 Treffer und eine Steigerung des Toredurchschnitts auf ca. 2,7 Tore pro Spiel.

2 Kommentare

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  1. Ingo sagt:

    Da sieht man ja wieder mal, dass man Fußball nicht berechnen kann. Nicht mal ein Spieltag ist rum, und schon ist alles adabsurdum geführt. Lasst den Quatsch und spielt Fußball!

  2. Heibel sagt:

    Hi Ingo. Das ist ja gerade das Interessante beim Fußball, dass nicht immer der Favorit gewinnt. Trotzdem ist so eine Spielerei vor dem Turnier doch nett und liefert – wie du beweist – Diskussionsstoff. Außerdem: Es kann immer noch so kommen, wie die Wissenschaftler prognostiziert haben. Portugal kann immer noch eine Runde weiterkommen, auch Polen hat noch alle Chancen.

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