«

»

Dez
07

Zahlenspiel Fußball – Teil 2: „Die Fußball-Matrix“ von Christoph Biermann

Bereits in der vergangenen Woche habe ich mich der neuen Daten- und Detailversessenheit im Fußball gewidmet. In diesen Kontext passt auch das Buch „Die Fußball-Matrix – Auf der Suche nach dem perfekten Spiel“ von Christoph Biermann.

Ich weiß, „Die Fußball-Matrix“ von Christoph Biermann ist schon seit mehr als zwei Jahren auf dem Markt. Daher ist die Frage durchaus berechtigt, warum ich jetzt erst darüber schreibe – immerhin dürfte der eine oder andere das Buch schon längst gelesen haben.

In der Tat ist es so, dass ich dem Thema lange sehr reserviert gegenüberstand – obwohl das gute Stück an allen Ecken angepriesen und 2009 sogar zum „Fußballbuch des Jahres“ gewählt wurde. Weil allerdings spätestens seit zwei, drei Jahren auch im Fußball Zahlen immer wichtiger werden (bzw. ihnen ein immer größerer Wert beigemessen wird), konnte ich mich irgendwann der Lektüre der „Fußball-Matrix“ nicht mehr entziehen. Was das Buch dann zu Tage befördert hat, war teils interessant, teils aufschlussreich, teils lange bekannt und teils einfach eine Statistik um der Statistik willen.

Möchte man Autor Christoph Biermann zur Seite springen, könnte man argumentieren, dass er vermutlich möglichst viele Methoden ansprechen wollte, wie man sich dem „perfekten Spiel“ anhand von Daten, Fakten, Statistiken und Analysen nähern kann. Das ist ihm oftmals gelungen, manchmal wäre auch ein bisschen weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz geht mein Daumen eher nach oben als nach unten. So liefert Biermann einige interessante Ansätze, die ich kurz erläutern möchte, und die Ihr Euch zur Vertiefung bei der richtigen Lektüre des Buches zu Gemüte führen könnt (ist ja bald Weihnachten…):

Transfer via Datenbank

Das ausgeprägte Video-Scouting, das viele Vereine mittlerweile betreiben, schützt nicht vor kapitalen Fehleinkäufen. Im besten Fall kann es aber auch zu waschechten Glückstreffern führen: Als Arsenal London 2004 den Markt nach einem Vieira-Nachfolger absuchte, spuckten die Computer im „Gunners“-Lab den Namen des weitgehend unbekannten Franzosen Mathieu Flamini aus. Der kleine Mittelfeldspieler erfüllte Wengers Kriterien (laufstark, zweikampfstark, gute taktische Schulung) besser als jeder andere Kandidat. Auch beim Scouting vor Ort wusste er zu überzeugen. So wurde Flamini für Arsenal zu einem echten Schnäppchen, vier Jahre lang war er Stammspieler.

Doch Vorsicht: Daten wie Pass- und Zweikampfquoten oder Laufleistungen können auch zu Fehleinschätzungen führen. Merke: Man muss immer den Kontext sehen. Ein einzelner Spieler ist immer auch von der taktischen Ausrichtung seiner Mannschaft oder der Qualität seiner Mitspieler abhängig.

Die vielen Unwägbarkeiten beim Scouting

Ob ein Spieler für gut genug befunden wird, hängt immer auch vom Faktor Glück ab. So beeinflusst das Wetter Scouting-Urteile massiv: Viele Scouts bewerten Spieler bei Sonnenschein und milden Temperaturen besser als an einem nasskalten Herbsttag. Auch eine schlechte Tagesform oder eine Laune des Trainers können einen Glückgriff verhindern: Philipp Lahm wäre 2003 wohl in Mönchengladbach anstatt in Stuttgart gelandet, wenn Bayern II-Trainer Hermann Gerland ihn nicht immer dann im defensiven Mittelfeld aufgeboten hätte, wenn sich Scouts vom Niederrhein auf den Weg nach München gemacht haben.

Nicht ganz verwunderlich ist auchdass auch die Nationalität eine wichtige Rolle bei der Frage der Ablöse und des Gehalts spielt . Generell neigen Scouts, Trainer und Manager dazu, Niederländer oder Brasilianer positiver zu bewerten als Polen oder Paraguayer. Hier liegt die Chance für kleinere Vereine, die sich von solchen Vorurteilen frei machen können.

Das richtige Timing

Gerade im Jugendbereich kann das Geburtsdatum einen riesigen Einfluss auf die Förderung haben. Weil der 1. Januar der Stichtag ist und im Alter von 12 bis 18 Jahren schon wenige Monate Altersunterschied einen gewaltigen Unterschied in der körperlichen Entwicklung bedeuten können, stehen in den deutschen U-Nationalmannschaften überdurchschnittlich viele Spieler, die in den Monaten Januar bis April Geburtstag haben. Später im Kalenderjahr geborene schließen zwar später sportlich oft auf, doch sie absolvieren nicht selten weniger Junioren-Länderspiele als ihre im Frühjahr geborenen Kollegen. Nun könnte man fragen, wie viel besser die Spätgeborenen (und physisch zunächst benachteiligten) hätten werden können, wenn Sie früher die volle Förderung erhalten hätten…

Brauchen wir neue Statistiken?

Nicht jede existierende Statistik ist aussagekräftig. Dafür wäre so manche Statistik, die noch gar nicht erhoben wird, eine echte Bereicherung. Zum Beispiel die des vorletzten Passes, der ein Tor oft erst möglich macht (Schema: Steilpass, Querpass, Abschluss). Im Eishockey gibt es sie bereits, hier werden die letzten drei Spieler am Puck durch einen „Scorerpunkt“ gewürdigt.

Mehr Infos zum Buch: http://www.fussball-matrix.de/

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*