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Mai
09

Zum Absturz von Eintracht Frankfurt

Über Jahre war Eintracht Frankfurt ein Vorbild für alle Vereine, die weder einen Mäzen in der Hinterhand haben noch ein finanzielles Vabanquespiel eingehen wollen: Mit der Politik der ruhigen Hand hat der Verein Jahr für Jahr einen Schritt nach vorne gemacht. Doch selbst ein solches Konzept schützt nicht vor einem sportlichen Einbruch, wie die Frankfurter gerade leidvoll erfahren müssen.

Die Zeiten, in denen Eintracht Frankfurt zu den Abstiegskandidaten gezählt wurde, schienen eigentlich vorbei. Der Verein hat sich seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2005 Schritt für Schritt nach oben gearbeitet, in der vergangenen Saison 46 Punkte geholt und nach 26 Zählern aus der Hinrunde der laufenden Saison schon zart vom Europapokal geträumt. Dann jedoch ging alles rasend schnell den Main hinunter. Was sind die (möglichen) Gründe für den Absturz?

  • Das Glück ist aufgebraucht: Die Eintracht hat in der Hinrunde über weite Strecken an ihrem Limit gespielt. Hinzu kam der „Lauf“ von Torjäger Theofanis Gekas, der in der Hinrunde 14mal hinlangte und nur wenige Chancen liegen ließ – im Gegensatz zur Rückrunde, wo der Grieche gerade einmal zwei Bälle versenkte.
  • Die Mannschaft strahlt zu wenig Torgefahr aus: Die gute Bilanz der ersten 17 Spiele war nur möglich, weil Gekas so häufig traf. Von den anderen „Stürmern“ kommt die ganze Saison über so gut wie nichts (Fenin 1 Tor, Amanatidis und Altintop 0 Tore). Gleiches gilt für das Mittelfeld. Alex Meier etwa, der sonst für fünf bis zehn Saisontore gut ist, traf auch erst zweimal – und ist mit dieser Ausbeute zweitbester(!) Torschütze im Kader. Mit 30 Toren ist die Eintracht die ungefährlichste Mannschaft der Liga; da hilft es wenig, dass die Abwehr nur 46 „Buden“ zugelassen hat. Zum Vergleich: Der Tabellenzweite aus Leverkusen hat 44 Gegentore auf dem Konto.
  • Der Sieg gegen Dortmund am 17. Spieltag (1:0) kam zur falschen Zeit: Für das Ego und die Seele ist ein Sieg vor der Winterpause eigentlich hilfreich. Umso schöner, wenn dieser Sieg auch noch gegen die Übermannschaft der Liga gelingt, die bis dato 14 ihrer 16 Spiele gewonnen hatte. Dank des Last-Minute-Treffers von Gekas überwinterte die SGE auf Platz sieben, nur drei Punkte hinter den Europacupplätzen. Möglicherweise hat sich der eine oder andere Frankfurter Spieler die Tabelle ein paar Mal zu häufig angeschaut und sich schon auf Augenhöhe mit den Top-Teams gewähnt.
  • Die neue Ausgeglichenheit in der Liga: Hannover und Mainz ziehen in den Europapokal ein, während sich ambitionierte Klubs wie der Hamburger SV, Werder Bremen, VfB Stuttgart oder VfL Wolfsburg unter ferner liefen präsentieren. Mehr denn je kann in dieser Saison jeder gegen jeden gewinnen. Das führt dazu, dass auch mehr Zähler für den Klassenerhalt nötig werden. Die 34 Punkte, die Frankfurt als Tabellen-Siebzehnter derzeit auf dem Konto hat, hätten in den vorangegangenen drei Spielzeiten locker zum direkten Klassenerhalt gereicht.
  • Plötzliche Aufgeregtheit im Vorstand: Über Jahre war Heribert Bruchhagen ein Musterbeispiel an Gelassenheit. Als der Frankfurter Anhang zwischen 2004 und 2009 gefühlte 30 Mal die Entlassung von Trainer Friedhelm Funkel gefordert hatte, blieb Bruchhagen ruhig und hatte in der Regel Erfolg damit. Umso überraschender, dass der Vorstand bei Funkel-Nachfolger Michael Skibbe nach eineinhalb erfolgreichen Jahren bei der ersten Krise die Reißleine zog. Vor allem, weil er dies ausgerechnet nach dem ersten Sieg der Rückrunde tat (2:1 gegen St. Pauli am 27. Spieltag), welcher der Wendepunkt hätte sein können. Damals stand die Eintracht auf Platz 14 und hatte drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Unter Skibbe-Nachfolger Christoph Daum holte Frankfurt 3 Punkte aus 6 Spielen und traf nur 3 Mal in des Gegners Tor.
  • Christoph Daum hat seinen Nimbus eingebüßt: Man soll die Arbeit eines Trainers ja nicht nur an Ergebnissen festmachen, doch wenn man einen Feuerwehrmann im Abstiegskampf installiert, zählen eben nur Resultate. Die hat der im Ruf eines Motivators oder gar Magiers stehende Christoph Daum nicht zu Stande gebracht. Er hat es noch nicht einmal geschafft, die offensichtliche Blockade bei den Spielern zu lösen. Die Mannschaft spielt unter dem „Star-Trainer“ leblos. Die für Daum-Mannschaften einst charakteristische Leidenschaft sucht man vergebens – aber nicht erst seit gestern. Der Zampano scheint seinen Zenit mit der Koks-Affäre im Jahr 2000 überschritten zu haben.

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