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Okt
07

Zur Entlassung Jens Kellers: Das Ende des Chancenlosen

22 Monate hat sich Jens Keller auf dem Schleudersitz des Schalke-Trainers gehalten. Länger als viele seiner Vorgänger. Und sehr viel länger, als es ihm viele zugetraut hatten. Dabei war Keller vom ersten bis zum letzten Tag vor allem eines: chancenlos.

Dezember 2012, Januar 2013, März 2013, August 2013, November 2013, Januar 2014, September 2014 – so oft stand Jens Keller (angeblich) kurz vor seiner Entlassung. Der 43-Jährige hatte als Trainer des FC Schalke 04 wirklich sprichwörtlich sieben Leben. Bei der achten Krise seiner Amtszeit gab es aber kein Halten mehr für den Schwaben, der vom ersten Tag an auf der medialen Abschussliste stand.

Dass Keller sich trotz des großen Drucks von außen – aber auch von Seiten der Vereinsführung – fast zwei Jahre im Amt gehalten und in Spitz-auf-Knopf-Situationen immer wieder die Kurve gekriegt hat, ist auch eine Qualität. Diese Qualität allein hat Keller aber nie in die Lage versetzt, fest im Sattel zu sitzen. Ebenso wenig wie die nackten Zahlen: In der abgelaufenen Saison gelang Keller mit 36 Punkten die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Zudem gelang es ihm als erstem Schalker Trainer, den Klub zweimal in Folge in die Gruppenphase der Champions League zu bringen.

Dennoch blieb Keller die gesamte Zeit seines Cheftrainer-Daseins eine Not-Lösung. Ein blasser Typ, der so gar nicht zur strahlenden Aura eines Spitzenklubs mit großer Tradition passen wollte. Dass der Verein mit einem solchen Typ nicht ewig arbeiten würde, war abzusehen. Allein dass das Verhältnis der Mannschaft zu Keller anscheinend über fast zwei Jahre intakt war, dürfte die Verantwortlichen um Vorstandsboss Clemens Tönnies und Sportvorstand Horst Heldt davon abgehalten, bereits früher eine „große“ Alternative wie den nun installierten Roberto Di Matteo zu installieren.

Der wird gewiss zunächst sehr viel sicherer im Sattel sitzen als der „chancenlose“ Keller. Dessen Ergebnisse muss der Italo-Schweizer aber erst einmal nachmachen. Ansonsten wird werden Tönnies, Heldt & Co. wohl bald feststellen, dass sie mit dem Chancenlosen eigentlich gar keine so schlechte Besetzung hatten.

Der Verlierer der Geschichte dürfte tragischerweise Jens Keller heißen: Trotz seiner guten Ergebnisse ist er nun keineswegs ein begehrter „Free Agent“ auf dem Trainermarkt. Wenn ein Top-Sechs-Klub in Zukunft einen neuen Trainer sucht, dürfte der Name Keller kaum an erster, und auch nicht an zweiter oder dritter Stelle fallen. Hier zeigt sich die Tragik seiner Trainervita: Obwohl er aus schlechten Voraussetzungen viel gemacht hat, bleibt Jens Keller chancenlos.

2 Kommentare

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  1. h.chinaski sagt:

    Auf Schalke hat nach – derzeitigem Stand – niemand eine wirkliche Chance langfristig zu arbeiten. Dafür ist der Verein seit Jahrzehnten zu unruhig. Selbst ein Guardiola dürfte nach einigen weniger optimalen Wochen in Gelsenkirchen in der Kritik stehen. Bevor ein Trainer dort anständig arbeiten kann, muss zuerst ein Umdenken im gesamten Verein (Führung, Sponsoren, Fans und sonstiges Umfeld) einsetzen. Ohne dieses Umdenken wird Schalke nie in der Lage sein zu München, Dortmund oder Leverkusen aufzuschließen.

  2. Niquo sagt:

    Ja, Gelsenkirchen-Schalke ist wohl DIE deutsche Trainerhölle…

    Zwei Möglichkeiten fielen mir nach einem (wahrscheinlichen) Scheitern Di Matteos noch ein:
    Mal beim Beckenbauer anfragen oder
    Titan Oliver Kahn als Spielertrainer :)

    Definitiv sollte Schalke 04 unabhängig von sämtlichen Personalfragen mal bald die Kurve kriegen (auch wenn diese Verantwortung für diese recht jungen Spieler sehr groß ist), denn die Königsblauen haben auch international eine gewisse Verantwortung für den deutschen Fußball – insbesondere als amtierender Weltmeister.
    Könnte der Haken vielleicht ein gewisser Mittelstürmer aus den Niederlanden sein?! :)

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